Reif für die Insel?

Gerhard Krause, 2019

Zitat aus BILD 12/02 2019:

Jeder hat das Recht auf freie Meinungsäußerung, doch ob jede Meinung recht ist, steht auf einem anderen Blatt.

Unser Volk, das vor Jahren Flüchtlingsströmen eine Will kommenskultur bot, dass sich alle Welt vor Verwunderung die Augen auswischte über unsere hypertolerante Haltung, soll sich nun mit Gedanken eines Obersprungs ins andere Extrem befassen?

Eine Professur zu bekleiden, wie Herr Egbert Jahn, mag genügen, um als Podiumsgast geladen und gehört zu werden. Solch Intelligenz aber sollte sich zu schade sein, für harte Ausgrenzungen von Menschen zu plädieren!

Wer ausgrenzt, grenzt sich ab und vereitelt damit jede Option eines synergetisehen Miteinanders!

Jahn flirtet mit der seltsamen Idee, spezielle Siedlungen - zu denen zig-tausende Zusammengepferchte in dem von ihm beispielhaft genannten Lagern "Hölle" sagen: Jordanien, Kenia, Bangladesch - auch bei uns, auch in Europa anzulegen!

Es sollte uns abschrecken ein Volk mit Erfahrung darin zu sein, Baracken, also Unterkünfte zur "kontrollierten Unterbringung" von unliebsamen, oder einfach nur unbequemen Menschen anderer Herkunft, Hautfarbe, Religion oder Sprache als integrative "Lösung" überhaupt zu überdenken. Unsere demokratische Flagge sollte sich den unsichtbaren Namenszug "Freiheit" bewahren und niemals über einem europäischen "Alcatraz" - und sei es noch so komfortabel ausgestattet, gehißt werden.

Wie mögen sich die vielen ehrenamtlich engagierten Herz-Menschen, die sich seit jener unkontrollierten Flüchtlingswelle um Einzel Schicksale kümmern, anbetrachts Ihres Wegsperr-Vorschlags fühlen? Gedeihen Ruhe und Frieden, wenn welche, denen Unglück und Verfolgung den Wunsch nach einem besseren Leben in Europa entstehen ließen, mit der Keule "Sozialleistungen gegen Inseldasein" gedroht wird? Gewiß, rein physisch kriegen wir jeden Menschen in ein Areal eingezwängt, aber darf man Seelen einsperren?

Mich fröstelt bei dieser Aussage, die Ich dem verehrten Professor am liebsten gar nicht zuschreiben möchte - well mir leid tut, wer so spricht: "Es funktioniert dadurch, dass sie nur in den Lagern was zu essen kriegen. Außerhalb verhungern sie. Also bleiben sie in den Lagern."

Ein typisches Kopf-Kalkül, was armen, sensiblen Naturen Herz-, Magen-, Kopf- und Gemütsschmerzen gleichzeitig verschafft!

Keinem anderen, und auch Ihnen nicht, lieber Professor, wünsche ich die Erfahrung, in irgendeiner Zukunft von irgendwelchen Mächten - egal aus welcher Hölle sie gekrochen kämen - eingefangen, interniert und gefüttert zu werden. Und das für "Jahre und vielleicht sogar Jahrzehnte", wie Sie es sich für Mitmenschen offenbar vorstellen können!

Kennen Sie das Gesetz von ausgleichender Gerechtigkeit? Dem gerecht werdent sollten wir uns davor hüten, Menschenliebe und -Achtung durch ein Erziehungs- und Unterbringungsprogramm insofern zu ersetzen, indem wir Menschen in eine Werteskala quetschen, die als einzige Entscheidung zugesteht, in das Heimatland auszureisen. Aus den Augen aus dem Sinn?

Ordnung muss sein. Ja. Wer sich schützend vor Wurzeln, kulturelle Traditionen und ethisch kostbare Werte stellt, hat meine Stimme! Und nicht nur dass das Haus und Hausordnung eines Gastgebers zu beachten sind, sondern erstrecht die Gesetze unseres Landes - keine Frage! Wer also meint die Volksseele unnötig, ja provokativ verletzen zu müssen, wem Anstand fremd ist,wer auf Anpassung pfeift, wer also auf die hilfreiche Hand spuckt, dem sei unverzüglich ein Freifahrtschein dorthin, wo er/sie sich wohl er fühlt, auszustellen. Und dies soll nicht zu schaffen sein? Höre ich da nicht: "Wir schaffen das"? Es ist nicht dein und mein Auftrag, dies zu bewerkstelligen, doch ein Heer gut bezahlter Beamter werden die richtige Interaktion und humane, aber greifende Maßnahmen finden können, zumal doch die Sicherung des Staatswesens und Wahrung des Volksfriedens allen am Herzen liegen, denke ich.

Ich verfüge nur über die (weise?) Erkenntnis, dass - wer andere aussperrt, sich selber einschließt!

Ob es nach Empfinden des Herrn Jahn, der sich halt én detail so seine Gedanken gemacht hat, als Trost gedacht war, wenn bei Errichtung solcher Lager auf Stacheldraht verzichtet werden könnte?

Wollen wir - und da spreche ich nicht nur Christenmenschen an, um unsere Herzen Stacheldraht legen, kühle Mauern errichten? Intentionen wie die des Mr. Trump, der Mexico mehr zu fürchten scheint als sich selbst und deshalb "the wall" fordert, sollten im zivilisierten Denken kein großes Echo finden!  

"Druck erzeugt Gegendruck!" Wären Sie geistchristlicher Gesinnung, Herr Jahn, dann wäre Ihnen erschlossen, dass wir alle das im Dies- oder Jenseits zu kosten bekommen, was wir anderen an Erfahrungen bescherten! Aber das ist eine Wahrheitslehre die weiter geht, als Isolation und Mauern ziehen und etwas mit der Kausalität von Ursache und Wirkung in Verbindung steht. Kann also auch als eine Glaubensfrage ausgelegt werden, soweit an die, die diese "Brücke" betreten möchten...

Ich will fest daran glauben, dass Sie ein Mensch sind, der um den Wert eines Gebetes weiß! Deshalb, so nehme ich Sie an meine Seite, lassen Sie uns bitte gemeinsam beten, Gott möge die gute Absicht in unser beider Betrachtungen anerkennen, denn dann wäre kein harter Affront gegen die Liebe zum Nächsten zu beklagen.

"Was du nicht willst das man dir tu, das füge keinem andern zu!"

Mit dieser alten Volksweisheit kann man womöglich nicht gerade promovieren, aber dem Gewissen darf man sie anbieten.