Alle Jahre wieder
-Weihnachtsimpressionen-

Gerhard Krause, 2020

Heissa! Es weihnachtet sehr!

Nicht nur uns Christen schlägt Weihnachten auf die Hüften, weil "Fettlebe" -womit herzhaftes Essen und kalorischer Freigang gemeint ist -, sondern der mit Schenken verknüpfte Brauch findet immer mehr Anhänger auch bei anderen, die mit Christus und dem Jesuskind eigentlich nix am Hut haben. Aber wer könnte schon etwas gegen ein paar freie Tage, und in heiliger Nacht vom Autoverkehr freigefegte Straßen und Autobahnen, haben?

Geburtstage waren für unsere Glaubensahnen kein Thema. Deshalb gab es weder Brimborium noch Bestrebungen, die Geburt unseres Herrn sonderlich zu feiern. Papst Silvester I. aber war ein kreatives Kerlchen und fühlte sich veranlasst, ein neues Hauptprodukt der Romkirche zu kreieren. Das Bethlehem'sche Geburtsereignis wurde in ein sympathisches Bild gebracht. Da er dem Empfängnistag Marias, an dem Jesus gezeugt wurde, nämlich der 25.März (im katholischen Jargon: "Conceptio Christi"), nahm er die Finger zuhilfe und der 25.Dezember als Geburtstag Jesu war festgelegt! Das war im 4.Jahrhundert. In Wirklichkeit aber bekundeten die Engel "den Hirten auf freiem Felde", was sie sich in Bethlehems Stall anschauen sollten. Demnach dürfte es früh im Jahr, Frühsommer, gewesen sein. Egal, der päpstliche Veranstaltungskalender war um einen großen Festtag reicher und die heidnische und zur gleichen Zeit gefeierte Wintersonnenwende geschickt "überdeckt". Die Verwendung heidnischer Spitzenzeiten und die Umwidmung in katholische Höhepunkte, war immer schon eine Spezialität des Hauses "Papa". Ob das nun die Ansätze zur Trinitätslehre oder der Umschwung von Sabbat auf die "Sonntagsheiligung" ist, mit Überläufer war zu rechnen.

A.D. 336 jedenfalls wurde der Geburtstag Jesu als Christfest festgeschrieben und so freuen sich bis heute begeisterte Weihnachtsfans in aller Welt "alle Jahre wieder", über Millionen Nachbildungen des süssen Jesuskindleins aus Gips, Holz, Steingut, Plastik, Gummi oder sonstwas geformt-und ebensoviele Krippen werden mit Stroh ausgelegt.

Der Trubel zur Weihnachtszeit ist gnadenlos und überschattet die wahre Bedeutung dieses Einmalereignisses: die Menschwerdung des Gottessohnes! Der Dunkel fürst und "Herrscher dieser Welt" nutzt sein wirksamstes Instrumentarium, um die Menschen abzuhalten,ins ernsthafte Nachdenken über das, was Gott da an Gnade in das Stroh legte, zu können: Eine totale Reizüberlastung über all das, was wir extrem im Dezember erleben. Die dunkle geistige Nacht huldigt nicht dem Erlöser und da auch Christen in manchem nicht zu bremsen sind, wird die Perspektive auf ein ach so kleines, hilfloses Kindlein reduziert. Hier das Baby, dessen wachsende Kraft, Macht und Licht, ja das gesamte Erlösertum, anlässlich des Weihnachtsgiitzers überhaupt nicht zur Sprache kommt. Später ist es wieder der Leib, der gleichsam hilflos, ausgeblutet und verkannt am Kreuze hängt... Merkst du was? Dabei lag die von höchster Hand gesegnete Majestät des,Königs der Könige unter der feinen Menschenhaut des Neugeborenen eingegeben! Würden mächtige Kirchen über die Spitzen ihrer aufwendig geschmückten Tannenbäume hinausblicken und nicht nur flöten: "Vom Himmel hoch, da komm ich her", würden sie den schönsten Auftrag erfüllen und gerade dann, wenn Feierlichkeit Zugang zu Menschen bereitet, von der Heils-Mission Jesu Christi berichten und darüber, was unseren Geist vom Wahn einer unvergleichlichen Aufmüpfigkeit - einst, in den Himmeln - mit seinem Kreuzestod und Sieg über Luzifer befreite!

Das Gedudel weihnachtlicher Kitschballaden und glockendurchschwängerte Ohrwürmer aber übertönen das "Halleluja" und wer will bei Gänsebraten und Lebkuchen schon darüber nachdenken, dass erst durch und mit Christus die endgültige Heimkehr in unser aller Heimat: die Himmel (Paradies, Nirwana, ewige Jagdgründe, Gotteshaus oder wie immer die erwartete Seligkeit genannt wird), möglich ist: "ICH bin der Weg..." Und dieser Weg begann vor über 2000 Jahren in Gott wohlgefälliger Form, in Armut!

Wir mögen uns "reich" wähnen, wegen Hab und Gut, was bekanntlich endlich, also vergänglich ist. Doch ohne diese Frohe Botschaft des Messias, wären wir arm, und das weit in die geistige Zukunft!

Dieses wahre Geschenk, an das uns Weihnachten erinnern möchte, sollte nicht nur einzelnen, frommen Herzen bewußt sein, sondern jedem und die Freude darüber über die Zunge fließen.

Doch wer hat Zeit und Lust dazu? Ist doch noch so wahnsinnig viel zu tun! Eine Welt, die an Christus, dem König und Erlöser nicht interessiert ist, sorgt für Vollbeschäftigung. Erledigungen und Weihnachtseinkäufe beschäftigen all unsere Sinne. Der Ruhepol für's Auge wird dann ja der "Christbaum" sein und den gilt es zu finden und zu schmücken, denn zumindest das Auge soll lachen können.

Martin Luther wusste schon, weshalb er diesen Baumkult verpönte und er seiner Fraktion den Kahl schlag im Walde verdroß. Sich unter der segnenden Hand des Allliebenden zu verstehen, turnt nicht an und vermag offenbar nicht für so leuchtende Augen zu sorgen, wie Glaskugeln, Lametta oder elektrische Kerzen, die in 82,1% aller Haushalte bevorzugt werden. 70% aller Deutschen singen den Baum an, davon 18,3% den aus Plastik ("BILD" 14.12.2019)

Das brennbare Nadelholz wird noch eine ganze Weile zur Andächtigkeit in uns beitragen; was immerhin als ein positiver Beitrag zur friedvollen Weihnachtsstimmung ausgelegt werden könnte.

Außerdem, wohin bitteschön sollte man denn sonst die teuren, in buntes Papier, das so herrlich fetzt beim öffnen, Geschenke hinpacken? Da aber "nur Bares ist Wahres" inzwischen für 46% unserer Bevölkerung gilt, beschränkt sich die Wunschliste mehr und mehr auf Ziffern. Schließlich mag keiner die umständliche Umtauscherei und das lästige Ausgleichs-Ausrechnen: wer hat was für wieviel gelöhnt und was habe ich retour zu geben?! 42% winden sich aus dieser Verlegenheit heraus und wünschen sich "schlichtweg" Reisegutscheine und träumen von Weihnachten unter Palmen. Warum nicht? Jeder wie er mag, erfreut sich doch das traute, familiäre Beisammensein längst nicht mehr jener Beliebtheit wie früher, wo Bescheidenheit und innere Freude und uneingepackte Liebe Begleiter am Tisch mit den heißen Würstchen waren und man-noch das gemeinsame Lachen und innere Besinnlichkeit zuließ. Der Gemeinschaftsgeist hat Ausgang.

"Süsser die Glocken nie klingen", summen die Händler umsatzentzückt an ihren Kassen und zählen die Tage und Kunden. Das Christfest... pardon, Weihnachten ist schön!

Dann, endlich, ist "zwischen den Jahren", wo der Kalender bis zum Jahreswechsel zum Entspannen einlädt, wobei viele nach Dauerstress in eine Art Erschöpfungsstarre fallen. Endlich bieten sich Ruhezonen und Momente, über all dies, was man wieder mal bravourös und doch "gerade noch" geschafft hat, nachzudenken. Lassen wir unsere Erinnerungen sprechen und sehen vor uns, wie es früher, als wir noch Kind waren, gewesen ist. Holen wir doch die Gefühle heraus, die tief in uns schlummern und uns ist zumute wie einst: feierlich, geheimnisvoll, aufregend, fromm - es fühlte sich gut an. Wo ist sie geblieben, jene Zufriedenheit und Geborgenheit, wie sie nur Weihnachten zu bescheren verstand. "Frieden" steckt in Zufriedenheit, „Andächtigkeit" beim Gedanken an den Erlöser und wie sehr uns Gott liebt. „Geborgenheit" weil wir Menschen um uns herum haben, die diese Liebe in sich tragen und ein Stück weit herauslassen. Aber selbst wenn du alleine wärst, hast du viele gute und lichte Wesen unsichtbar um dich herum, und sie verkünden wie einst die Engel die Frohe Botschaft. Und schau, dafür brauchst du noch nicht mal in eine Kirche zu gehen, denn dies zu erfahren liegt überall und zu jeder Zeit bereit. Auch wieder beim nächsten Weihnachtsfest, das dann wahrhaftig in dir zum CHRIST-Fest geworden ist. FROHE WEIHNACHT, ihr Christen all.