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Religion mit Rücktrittsrecht?

Seit der Wiedervereinigung, sind von der evangelischen Kirche rund drei Millionen Kirchenaustritte vermeldet worden.
Die röm. -katholische Verlustliste dürfte ähnlich zum Heulen sein. Kein Grund zu jubeln, wenig Grund sich zu wundern, viel Grund zum Nachdenken!
Die meistgehörte Antwort auf meine Frage: "Glauben Sie an Gott?" ist: "Ich gehe nicht in die Kirche!" Das freilich ist die falsche Antwort, denn die Menschen sind in Wahrheit nicht GOTT, sondern ihren Kirchen weggelaufen!  Diese  Verwechslung  darf nicht verwundern, ist doch des Christen Glaube und Zuwendung programmatisch  und  jahrhundertelang  auf  sich,  die  Kirche gelenkt worden...
Kein Geschöpf ist wirklich "gottlos", denn die Allmacht entzieht ihre Liebe niemals und niemandem; ansonsten wären wir in jeder Beziehung tot!
Mit dem irdischen Erlösungswerk unseres Heilands Jesus Christus, schrieb GOTT unsere Bestimmung für das Leben, ein für allemal fest. - Mit oder ohne kirchlichen Segen. Kirche, die sich in herrischer Manier der Dienerrolle entzieht, erkaltet, erkrankt und stirbt. Die wahre Kirche ist eine geistige und besteht aus allen, die mit Christus sind, egal wer sie sind und woher sie kommen. Wenngleich sich des Schöpfers Gesamtwerk kollektivistisch darstellt, das Ganze demnach alles ist,  findet der Lichtstrahl Seiner Liebe dennoch jedes einzelne, mit dem Lebensfunken versehene Geschöpf und erhebt es dadurch zur Einmaligkeit! Nur wer die Allmöglichkeiten des Höchsten zu bedenken vernachlässigt,  könnte statt Plausibilität einen Widerspruch entdecken.
Bleibt das Drama des Mitgliederschwundes konventioneller Kirchen. Ist's etwa der Trend der Deutschen, sich immer weniger binden zu wollen? (Soziologen sprechen vom Trend der "Desintegration"). Egozentrik wird mit Individualismus verwechselt und Ichdenken hochgejubelt. Das Gift wirkt! Die Folgen sind auf Dauer Selbstüberschätzung und schließlich Vereinsamung. Ganze Müllhalden von häßlichen Egoismen verschütten gute Tugenden wie Demut, Einsicht und Bescheidenheit. Wo bleibt die gottgefällige Solidargemeinschaft? Vergaßen Kleriker, Theologen und Religionslehrer daran fleißig zu bauen? Keine christliche Kirche sollte ihr Fähnchen nach dem Wind hängen. Mildtätigkeit darf nicht vom Geschäftssinn bestimmt werden, das Evangelium durch kein politisches Programm ersetzt werden,  auch nicht teilweise. GOTT ist Programm in dem, der für uns am Kreuz gestorben ist und dessen Lehre  uns  steuern sollte: "Liebe GOTT über allem und den Nächsten wie dich selbst." Über diese hohen Liebesgebote darf kein noch so buntgefärbter Schleier der Theorie geworfen werden. Das Blut Jesu war real, unsere Erlösung ist real und jede gute Tat und Ausrichtung sind Fakten, die uns im Geistigen gutgeschrieben werden.
Es braucht sie nicht: Zelebranten und Prediger, die im Wort steckenbleiben und Vorbildhaftigkeit vermissen lassen. Jesus mochte sie nicht, die Schönschwätzer und Theoretiker, Nietzsche sagt es auch über sein Diktum: "Die Tat ist die Macht."   
Und ich meine damit die Macht über sich selbst, die Selbstbezwingung zugunsten einer tätigen Nächstenliebe; sie hat echt zu sein und ist nicht zum herumschwadronieren geeignet.
Und wie steht's mit dem Beten? Nur zwei von zehn Deutschen kommt es in den Sinn, GOTT um Seinen Segen zu bitten oder Ihm für Gaben zu danken. 79% aller Familien, so Umfrageergebnisse (GfK), verzichten auf das regelmäßige Gebet. Ohne Tischgebet würde einem Geistchristen jedenfalls die Suppe nicht schmecken. Finden etwa Seelsorger keine Plattform, auf die sie eine ordentliche Glaubenslehre setzen könnten? Irrtum! Es gibt ein Potential von 52%, Befragte, für die eine Glaubensvermittlung in der Kindererziehung wichtigst ist. Liegt es an der Geistlichkeit, dass diese Bereitschaft offenbar nicht wirkungsvoll genug genutzt wird und der Auftrag erkaltet? Wenn doch in der Wertrangliste unseres Volkes Eigenschaften wie: Ehrlichkeit, Familiensinn,  Gerechtigkeit und Respekt vor  anderen, sogar zwischen 64 und 74% hochplatziert sind, dann kann es nur ein grobes Versäumnis sein, wenn ein Religionsunterricht an solch günstigen Voraussetzungen vorbeischrammt   - und ein vielgerühmter Ethikunterricht, der müsste solche Ergebnisse erstmal erreichen bzw. vorweisen.
Selbstverständlich gibt es welche aus kirchlichen Lohnlisten, die sich bemühen nicht das Feuer zu verlieren, welches sie einst motovierte in GOTTes Weinberg tätig zu werden. Doch kenne ich leider zu viele Priester, denen es an eigener, persönlicher Seelenhygiene und  unermüdlichen Vermittlungsbemühens kostbarer Glaubensinhalte mangelt. Hinzu kommt der Raubbau an Motivation,  durch dogmatische Kirchenpolitik,  allzu weiter Auslegung  des  Wahrheitsgedankens,  Verzicht  auf  bewährte Tradition und Zweifel. Gilt hier etwa das Wort aus Goethes Faust? "In bunten Bildern wenig Klarheit, viel Irrtum und ein Fünkchen Wahrheit".
Tägliches Erlebnis und lohnende Herausforderung: Der suchende, sehnsuchtsvolle, lernwillige und fromme Christenmensch, dürstet nach mehr Wahrheit,  schlüssigen Erklärungen und einer Spiritualität, wie sie für die Frühchristen selbstverständlich war und wie Geistchristen sie nach wie vor verstehen können, weil sie sie verstehen wollene  (Anfordere: desiderata, Philosophie und Wirken der GEISTCHRISTL. KIRCHE e.V.) Aufgesetzter Glanz,  seelenloses Gloria und Selbstbeweihräucherung dürfen sich in einer christlichen Kirche nicht finden; davor erschreckt der sensible Gläubige und es stößt das Kirchenvolk letztendlich massenhaft ab! Träfe das, was besagter Philosoph Nietzsche ironisiert, auf eine Kirche zu, dann wäre dies dekadent:  "Der Mensch strebt zum Licht; nicht um besser zu sehen [sprich: zu erkennen], sondern um besser zu glänzen. "
Einem Hirten Dispens zu erteilen, trotz Fehler und Schwächen, sollte jeder Gemeinde dann gelingen, wenn er sich nach l.Petr. 5:2-4 bemüht. Doch erweist er sich als "Mietling" (Joh.10:12), leeren sich die Kirchen.
Den "point of no return" darf es in der Selbst Verbesserung oder in der Umkehr einer Kirche nicht geben. Auch für eine institutionelle Kehrtwendung ist es nie zu spät   - Kirche sollte wieder Seele zeigen und sich von Innen heraus ändern wollen.  Mag  sein,  dass  es  leichter  fällt  gegen  andere Christen, freie Glaubensgemeinschaften z.B. zu polemisieren, um dadurch von sich abzulenken, doch der Gemeinschaftsgeist unter der Regie Christi lässt sich nicht täuschen und sucht sich die Seinen. An den Werken werdet ihr sie erkennen  - woran sonst?
Nicht nur Luther musste erfahren, dass    keine große Reform ohne bemerkbare Machtveränderungen stattfinden kann. Doch jedes reformistische Bausteinchen wäre ein Lichtstrahl, mit dem der Christ etwas anzufangen wüsste. Findet der Wandel nicht statt, dürfte zu erwarten sein was der  Dichter Emanuel Geibel (1815-1884) in seinem Lied so ausdrückt: "und empor vom alten Grunde frei die neue Kirche steigt. "Dafür  - ich bin so frei -  entleihe ich mir den Spruch aus altem, deutschen Handwerk: "GOTT GEBE SEINEN SEGEN DREIN"
gerhard krause