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0098

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Müll-Abfuhr

2005 produzierte jeder von uns Bundesbürgern im Schnitt 452 kg Müll. Noch mehr Lust auf Zahlen? Laut Statistischem Bundesamt, mussten insgesamt 37,3 Millionen Tonnen Haushaltsabfälle eingesammelt werden. Dazu kamen noch 11,7 Millionen Tonnen getrennt gesammelte Werkstoffe und ein paar Millionen Tonnen organische Abfälle.
Was sind wir doch für ein sauberes Volk und wenn für ORDNUNG ein Kennzeichen ausgegeben würde, könnte es das "D" sein, oder?
Nach einer Umfrage halten wir Bundesbürger uns tatsächlich für die ordentlichste Nation!  58% von uns mögen so gar keine Unordnung. Dies  steht  ganz  im  Widerspruch  zu  mancher unappetitlichen,  messi-voyeuristischen  Fernsehsendungen,  wo die Kameras vergammelte Essensreste und Altsocken unter Hempels Sofa aufspüren. Aber das dürften dann die anderen 42% sein.
Viele kennen vielleicht noch den alten Erziehungsspruch: "Ordnung ist das halbe Leben!" und erst später folgte die Gegenerkenntnis: "Wer Ordnung hält, ist nur zu faul zu suchen!"
Jetzt mal ernsthaft: Nicht nur Kinderzimmer spiegeln durch Sauberkeit und Ordnung die aufgeräumte Seele wider, wohingegen Schmutz und Unordnung für eine aus dem Lot gekommene Persönlichkeit sprechen. "Easy goings" - die  lockere  Lebensweise, führt an Ordnungssinn und erstrecht Penibilität vorbei. Wer sich hängen lässt, sich eine Seelenkrise eingefangen hat und frustrative Stimmungslasten zu bewältigen hat, wird kaum den Nerv haben Staub zu wischen. Angstzustände, Trotzphasen oder nagende Komplexe, sehen im Aufräumen des Bücherregals keinen therapeutischen Nutzen. Wenn die Seele verschnupft ist, erlahmen meist Elan und Ordnungssinn. Dies kann zu einem eklatanten Problem werden, wenngleich die Umsetzung meines Rates, den ich zu Praxiszeiten einer fragenden Dame gab, durchaus eine kluge Lösung in der Frage ist, wie man seinen Haushalt in Ordnung hält: "Fange nie an aufzuhören mit dem Aufräumen und höre nie damit auf anzufangen!"
Dieser Artikel würde nicht geschrieben sein, gäbe es nicht eine weit fatalere Vermüllungsgefahr  für uns Menschen: die geistige Vermüllung!
Wir wienern unsere Fenster, doch die Seele verschwindet hinter Blindglas. Wir bekämpfen Staubflocken und bewegen uns doch im geistigen Megaschmutz: Filme oder Gedrucktes einer Qualität, wie es unmoralischer, schäm- und geschmackloser nicht geht.
Schmuddelkram besudelt unsere Wohn- und Kinderzimmer und es gibt Musiken, die zertrümmern brutal jede innere Harmonie. Wer gierig und freiwillig geistigen Schmutz inhaliert,  schadet nicht nur seiner Gesundheit, schlimmer noch, seinem Geist, denn nichts bleibt ohne Wirkung! Was Marcus Aurelius wußte und gilt: dass der Mensch ein Produkt seiner Gedanken ist, fordert uns auf darauf zu achten, welcher Art die geistige "Nahrung" ist, die unser Gedankengut formt.
Wir sollten unsere Seele nicht in Galle tauchen, nicht mit Disharmonien quälen und ihr keine Tritte versetzen, die sie aus dem Gleichgewicht zu bringen vermögen. Mit einer unverfälschten Christenlehre haben wir Gelegenheit, gesunde Kost zu uns zu nehmen und können mittels der Tugenden manche Giftzufuhr kompensieren. Die Ganzheit unseres Seins: Leib, Seele, Geist, wird es uns danken!
LIEBE ist etwas, was jedem geistigen Magen bekommt, was Wunden schließt und Schwächen zu Stärken werden lässt. Wenn GOTT unsere Gewohnheiten, unseren Lebenswandel beobachtet, dann prüft Sein Blick "auf Herz und Nieren", was heißt. Er prüft unsere Nächstenliebe und unser Reinigungsbemühen.
Vorsicht ist generell dann angebracht,  wenn wir von einer "lieben Gewohnheit" nicht lassen können oder "kleine, menschliche Schwächen" verteidigen. Freilich, wer werfe den ersten Stein?, es "menschelt" halt dann. Doch wie heißt es in der Schrift:"Alles ist mir erlaubt, aber nicht alles ist gut für mich," (l.Kor.6:12) Das, woran dein Herz hängt, kann ein falscher "Gott" sein.
Unser Leben ist nun mal durchsetzt von Leistungen, die uns nicht immer leicht fallen. Eine Lebenseinstellung, die am Ende all  unserer  Erdentage  mit  der  persönlichen  Auferstehung gekrönt werden wird, hat Anstrengung und Ernsthaftigkeit, aber auch Freude verdient. Ob die dichterische Maxime Menander's (4.Jh. v. Chr.) klug ist? "Dann wollen wir essen und trinken; denn morgen sind wir tot."
Ja doch, lasst uns essen und trinken, doch lasst uns dabei in Ordnung sein, denn GOTT ist ein GOTT der Ordnung! Achten wir gewissenhaft darauf, was  wir zu uns nehmen, was uns leben lässt und schärfen wir unsere Aufmerksamkeit nicht nur für das irdische Mahl. Denn dem Geist gehört die Zukunft und er hat edlere Ansprüche.
Paulus,  der eifrige  Apostel,  plädiert  für das  Leben  und verwendet die gleiche Ironie wie der Dichter vor ihm und wird dann ernst: "Doch lasst euch nicht irre führen. Schlechter Umgang verdirbt gute Sitten, werdet wach..." (l.Kor.15:33,34) .
Erteilen wir also allem eine Abfuhr, was nach geistigem Müll schmeckt, riecht, sich anhört und so aussieht. Es lohnt sich!

gerhard krause