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0096

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Das Krippenspiel

Die merkwürdigsten Geschichten schreibt nicht der Erfindergeist, sondern das Leben! Jedenfalls beherrschte - so kurz vor Weihnachten - nur ein Gesprächsstoff die Leute des kleinen Städtchens: das diesjährige Krippenspiel!

Was sich gleich zwei Initiatoren, die beiden geistlichen Herren: Pfarrer Eberl und sein evangelischer Amtskollege, Pastor Schlehberger da bei einem Dämmerschoppen ausgedacht hatten, war (kirchentechnisch) schlichtweg eine kleine Sensation. Das Theaterstück um Jesu Geburt, sollte heuer ein ökumenisches, ein von beiden großkirchlichen Seiten inszeniertes, sein! War man sich doch einig: "Schließlich sind wir alle Christenmenschen, nicht wahr?" Dennoch könnten es leichte Minderwertigkeitsgefühle gewesen sein, die das aufgeregte Presbyterium bewegte, Forderungen zu stellen- Das mit dem Jesuskindl, sollte organisatorisch in evangelischen Händen liegen und die Begrüßungsrede, die sollte von ihrem Pastor geschwungen werden. Und dass die 'drei Könige'   "Heilige" sein sollen, war reformistisch auch nicht zu vertreten. Beschluß: Drei 'Weise aus dem Morgenland' waren’s. Einer, der vorschlug die Adeligen "Magier" zu benennen, wurde niedergemacht: "So was Esoterisches kommt nicht in Frage!" Was "esoterisch" bedeutet, hat allerdings keiner so recht gewußt...

Pfarrer Eberl hatte mit keinem der Ansprüche Probleme, schließlich durfte er es übernehmen, die Rolle der 'Jungfrau Maria' zu besetzen und eine echte Kuh nebst Esel durfte er auch auftreiben. Für den Josef (auch hier wurde das Heiligsein gestrichen), hielt er seinen jungen Kaplan für die Idealbesetzung, weil der sich eh noch zu beweisen hatte.

Dass das großartige Projekt dann beinahe doch noch geplatzt wäre, daran waren die Bedenken ausgerechnet des Bischöflichen Ordinariats schuld. Fünfzig Jahre hätte die katholische Fraktion das Weihnachtsstückl alleine ausgerichtet und ‘s war gut. Nun fürchtete man um Ehrverlust - Ökumene hin oder her. Letztendlich rang man sich das huldvolle Einverständnis ab und die Rollenbesetzungen konnten beginnen; Sie wissen schon: schwebende Hirten, Engel auf dem Felde (oder war's etwa umgekehrt?), der Gastwirt mit Bethlehems Stall usw. Doch ach, wegen der vorweihnachtlichen Betriebssamkeit und chronischen Zeitmangels, wollten sich partout keine Laiendarsteller finden lassen. Andere schoben ihre Pauschalreisen über Weihnachten/Neujahr (Schnäppchenpreis inklusive Halbpension und einer Flasche Sekt!) vor und "bedauerten". Es war nicht mehr weit hin zum geplanten Aufführungstermin und die beiden Pfarrers kamen ins Schwitzen. Außerdem war die extra umgebaute Turnhalle bereits teuer bestuhlt und die Karten gedruckt. Da halfen nur noch Bittgottesdienste, die in beiden Kirchen "zur Lösung des Problems" abgehalten wurden. Tatsächlich kam danach Pfarrer Eberl eine Idee (oder war es eine Inspiration?) in den Kopf und es gelang ihm  - mit viel guten Worten und vier Kasten Bier - die örtliche Feuerwehr "St. Florian" als Darsteller des Krippenspiels zu gewinnen; d.h., der Feuerwehrkommandant, der ein "Schafkopf”-Partner (= Kartenspiel) von Hochwürden war, entschied dies demokratisch alleine. Sei's drum, der Knoten löste sich! Alsdann konnten die Bürger in sämtlichen regionalen Wurst-, Käse- und Amtsblättern einen vom Pfarrer diktierten Werbebericht für und über das Ereignis lesen: "Christliche Tradition gerettet!" Von "ökumenischem Gesamtbemühen" war noch die Rede und "abendländischem, unverzichtbarem Brauch" - als kleiner Seitenhieb gegen Gespöttel welcher, die nicht in die Kirche gingen, sich aber über den personellen Engpass laut amüsiert hatten. So verkündeten denn auch die Plakate etwas provozierend: "Von Christen, für Christen   - unsere wunderbare Weihnachtsgeschichte."

Mit dieser Behauptung freilich irrte der geistliche Texter, weil Feuerwehrleute zwar dem Feuerlöschen verpflichtet sind, nicht aber unbedingt einer Religion!

Beinahe hätte den Pfarrer Eberl der Schlag getroffen, als er und sein evangelischer Kollege - leider hintennach - von feixenden Leuten erfahren musste, dass die Rollen teils garnicht christlich besetzt worden waren. Zwar war das Theaterstück ein anständiger Erfolg geworden, doch ganze sechs der acht Hirten, die das Jesuskind beehrten, waren Moslems und fanden das mit den Engeln wirklich großartig. "Hosianna!", - hilf doch -  sangen die Engel, von denen zwei bereits vor Jahren aus ihrer Kirche ausgetreten waren. "Für'd   Gaudi" machten sie halt mit und machten sich keine Gedanken über ihren eventuellen Heidenstatus, der allerdings nur geweihte Christenherzen in Aufregung versetzte. Dass einer der drei 'Könige aus dem Morgenland' ein etwas liberaler "Zeuge Jehovas" war, darauf kam es nun auch nicht mehr an, weil die doch auch Christen sind, so tröstet man sich im Pfarrhaus.
Die Rolle des Gastwirts ausgerechnet mit des Städtchens größtem Schluckspecht, der Wirt der Kneipe "Zum letzten Faß", zu besetzen, war in den Augen mancher mehr als ein Fauxpas und hinterließ einen arg bitteren Beigeschmack.
Die beiden Geistlichen wussten schon, warum sie eine recht harmlose "Vermeldung" vom eigentlich überökumenischen Ereignis an ihre Vorgesetzten abgaben. Vom "schönen Erfolg" berichteten sie und lenkten mit der Nennung der Einnahmen (Euro), einer erklecklichen Summe, von all den ungewöhnlichen Umständen geschickt ab. Ansonsten schwieg man, peinlich berührt und weit über das nächste Jahr hinaus und die zweikirchliche Normalität konnte wieder einkehren.

Neben dem lieben GOTT, der schon Sein Amüsement mit uns Menschen hat, war es noch einem nicht peinlich, was sich da im Städtchen abgespielt hatte: Jesus, unser Herr Jesus Christus! Denn er war doch einst für alle Menschenkinder, für jedes gefallene Geschöpf, um uns zu erlösen, auf diese Erde gekommen; also auch für unsere gemischte Feuerwehr und all die anderen, denen seine Mission und Großzügigkeit noch ein Rätsel ist. Das Lächeln des Jesuskindes gilt dir und mir, einfach allen es ist ein Siegeslächeln, schau mal genau hin...

Ein Frohes Christfest wünsche ich

Ihr gerhard krause