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0093

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Der Kirchenstreit 1/2

Zwei Stärken besitzt der Teufel nicht: Liebe und Weisheit!

Auch wir Menschen haben so unsere Defizite, deshalb wir zur Mängelbeseitigung unsere irdische Existenz verliehen bekamen.
Doch oftmals lernen wir nur schwerfällig bis gar nicht. Nicht anders lernen Kirchen; vor allem die großen Apparate neigen zu gemächlichen Bewegungen. Nun hat uns in diesen Tagen eine Kirche globaler Bedeutung, die aus Rom, mit dem historischen Dauerirrtum unterrichtet, sie sei die einzig wahre Kirche hier auf Erden. Womit sie bewiesen hat, dass Weisheit, Diplomatie und Bescheidenheit auch in zweitausend Jahren nicht unbedingt erlernt werden können. Ach ja, dann gibt es noch die Achtung vor der religiösen Seelenlage anderer, die in der Kurie ausgestrichen worden sein muss.
Das von Papst Benedikt XVI.abgesegnete und allen Nichtkatholiken uncharmant um die Ohren gehauene Papier besagt, dass ausschliesslich in der Romkirche, die von Jesus Christus gegründet sei, die wahre Kirche bestehe. Dies als reinen Fauxpas abzutun, wäre untertrieben. Es dürfte wohl eher das provokative Ergebnis feindurchdachter Kirchenpolitik - mit der kalkulierten Wirkung eines Vorschlaghammers -   sein. Was würde Luther dazu sagen?
Vielleicht: "Gott kann Schwachheit wohl leiden, aber Bosheit und Verachtung kann er nicht dulden. " ("Luther im Gespräch mit Heute", Verlag leuchter-hand, Raiffeisenstr.57, 67271 Kindenheim, 216 S. EUR 19,90).
Was ist los mit dieser Kirche, die so stolz auf ihren angeschrammten apostolischen Stuhl ist? Treiben sie etwa Komplexe, Existenzängste, Selbstüberschätzung oder gar Neid auf einen Sockel, auf den keine Kirche gehört?
Viele glauben es immer schon geahnt zu haben, dass die vielbeschworene "Ökumene" nur ein Trog voller Schöntuerei, Interessenbündelung und Kumpanei mit Eifersuchtszügen sei. "Brüder der Welt, vereinigt euch" wäre eine schöne Losung, wenn nicht gleichzeitig christliche Randgruppen oder Freikirchen verächtlich an die Gurgel gegangen würde. Das genau macht jede Ökumene unglaubwürdig, weil unverzichtbare Elemente wie Liebe, Verständnis und Toleranz   - von Lernwilligkeit wollen wir gar nicht sprechen - in praxi gar zu oft fehlen. So auch meine bitteren Erfahrungen! Deshalb ist der seit Jahren andauernde Run auf spirituell feinkostige Glaubensgemeinschaften ausserhalb röm.- katholischer oder protestantischer Reviere, sehr gut zu verstehen. Da helfen auch keine Fusionen, denn vor allem theologische Meinungsdifferenzen und reformistische Früchte, wie sie sich in über fünfhundert Jahren entwickeln konnten, werden immer der absolutistischen Vorstellung einer selbstverliebten Möchtegern-Streichelkirche entgegenstehen!  Solcherlei Fakten auszudrücken  bedarf eines Mutes, der spätestens jetzt, nach der Wiederbelebung alter Position Roms, fällig wäre. Genügt denn nicht die unmissverständliche Antwort der Kongregation, der kath. Vereinigung, auf die Frage: "Warum schreiben die Texte des Zweiten Vatikanischen Konzils und des nachfolgenden Lehramts den Gemeinschaften, die aus der Reformation des 16. Jahrhunderts hervorgegangen sind, den Titel 'Kirche'  nicht zu?"
Antwort: "Weil diese Gemeinschaften (Anmerkung: Wie die der EKD) nach katholischer Lehre die apostolische Sukzession (Anmerkung: Nachfolge) im Weihesakrament nicht besitzen und ihnen deshalb ein wesentliches konstitutives (:bestimmendes) Element des Kirchseins fehlt."

Trotz dieser Abfuhr an die Protestanten, versucht man zwar miteinander zu reden, doch miteinander singen ist nicht drin?! Dabei drückt sich der Flirt der beiden Domgiganten manchmal sogar in Bewunderung aus, vor allem wenn's um die meisterhafte Reli-Show z.B. an Fronleichnam geht oder man die Pilgerströme nach "Vierzehnheiligen" & Co. am liebsten umleiten möchte Richtung eigener Gemäuer. Es gibt sogar eine "Heilige", die beidseitige Bewunderung erfährt:  Elisabeth von Thüringen (1207-1231),  post mortem  geeignet  für  katholische  und protestantische Anerkennung; warum nicht? Und nun so etwas: Der Glaube "an die einzig wahre, katholische Kirche" - so das alte Glaubensbekenntnis - wird schlichtweg angemahnt. Soll ich nun sagen, dass mir die vielbeschworene Verbrüderungstheorie der Großkirchen von Anfang an etwas suspekt vorkam, wie ein Deux- Pieces - ein zweiteiliges Kleid, was man als geschlossene Kreation ausgibt? Der Vatikan selbst bestätigt derartige Einschätzungen in verweisendem Ton: Nein, Protestanten könne der Titel "Kirche" nicht zugeschrieben werden, so die nun diskutable Antwort der römischen Glaubenskongregation vom 10.Juli A.D. 2007.

gerhard krause           Fortsetzung im September-Heft