kirche_head2
SEND_COVER

Nr.:

0092

zurück zum

Auswandern ins Himmelreich

Freimütig gestehe ich, zu der von Fernweh geplagten Mehrheit unseres Volkes zu gehören. Nicht ohne Grund sind wir Germanen Weltmeister in Sachen Reisen.
Neuerdings aber verraten Fernsehsendungen, Berichte und Erzählungen einen neuen, starken Trend: immer mehr Familien verlassen endgültig unser ach so schönes Ländle und sagen: "Goodbye Deutschland!" Mit großem Interesse verfolge ich die verschiedensten Auswandererstorys und lande fast in Bereichen einer gehörigen Identifikation. Vor den Begierden heimatmüder Volksgenossen scheint kein Fleckchen unseres Globus verschont zu bleiben. Überall finden die vollgestopften Sea-Land-Container hin: ins verträumte Irland, zu niederländischen Grachten, in die Berge der Schweiz oder in die Nebel Islands. Deutsche packen Kisten und Koffer mit allerlei Krimskrams und all dem angesammelten Hab und Gut randvoll und dann wird erstmal allem der Rücken gekehrt. Kein Ziel ist zu heiß: fernöstliche Länder etwa oder das sympathische Spanien, Mallorca sowieso oder ein exotischer Zipfel Südafrikas.- Und kein Land ist zu kalt: Dänemark, Schweden oder sonstwohin, wo der Schlitten das Fahrrad ersetzt.
Wen es hingegen nach Amerika zieht, begegnet garantiert Landsleuten. So verschieden wie die Auswanderer sind, so vielfältig sind die Gründe, die manche Auswanderung eher wie Flucht aussehen lassen. Beileibe nicht nur "Hartz IV"-Empfänger und Arbeitslose erwärmen sich für's  Ausland, nein, gut situierte Familien und Leute aus guten Berufen sind dabei und manche geben mehr auf, als sie zu erwarten haben! Was ist's, was viele so deutschmüde macht? Ich habe viele Erklärungen und manchen guten Grund gehört: Die einen haben die Nase von überzogenem Bürokratismus voll, die anderen befürchten zum "gläsernen Menschen" gemacht zu werden, wieder andere suchen eine bessere Zukunft für ihre Kinder oder sehnen sich nach mehr Freundlichkeit und vor allem Wahrhaftigkeit, was man über ein anderes Demokratieverständnis in fernen Landen zu erleben hofft. "Ich will wieder Mensch sein dürfen", meint ein Geschäftsmann, "einer aus Fleisch und Blut, mit Fehlern eben, ohne gleich für jede Kleinigkeit von Obrigkeiten abgewatscht, verwarnt, abgemahnt, bestraft oder  - ohne mich zu fragen -  bestimmt zu werden."
Ob es sich so verhält, muß jeder selber wissen, doch jeder hat seine Belastungs- und Zumutbarkeitsgrenze und wenn Rentnern erzählt wird, sie dürften an der steigenden Konjunktur teilhaben und dafür vielleicht 2,50 Euro Renten-Erhöhung" im Monat bekommen, dann drohe auch ich die Kontenance zu verlieren und verspüre den Drang,  den  Glauben  an  die  Menschheit  vielleicht  in  British Columbia (KAN) oder sonstwo zu suchen.
Wer jetzt meint, dies alles wäre ein Votum gegen unser deutsches Vaterland, der könnte irren. Im Gegenteil. Enttäuschungen können nur dem zugeneigten Verhältnis entstammen und was mich betrifft,  so bemühe ich mich  kosmopolitisch  zu  denken;  damit scheint mir die Würde eines geistlichen Amtes bestens gewahrt.
Es geht um Heimat, um Heimatflucht, um die Suche nach neuem, geeigneterem Lebensraum.  Ich erinnere mich einer Passage des kleinen Religions-Einmaleins, nur "Gast auf Erden" zu sein und man nennt das, was zu durchschreiten ist, "Jammertal". Ob wir nun Gast sind auf diesem Planeten oder im Pilgerlauf sind, so ist eines ganz gewiß: Du und ich, wir sind "Bürger des Himmels."
Jesus selbst beurkundet dies mit dem Hinweis: "im Hause meines Vaters gibt es viele Wohnungen (...). Weil ich nun hingehe, werde ich für euch eine Stätte herrichten lassen."  Joh.l4:2
Es gibt sie  - die Urheimat für alle. Es ist, als hätten wir Eigentumswohnungen und der Schlüssel dafür, war ist und bleibt CHRISTUS JESUS. Und wenn wir uns noch so wohl auf Erden fühlen, wir sind Heimkehrer! Manche Menschen fühlen sich deshalb nirgends so richtig heimisch und kommen sich vor wie FLüchlinge in der Nachkriegszeit, die man irgendwo einquartiert hat. Tatsächlich sind wir Heimatvertriebene, denn unsere wahre Heimat ist da, wo unser Geist geboren worden ist und wohin er - als Resultat seiner Reifung -  wieder strebt. GOTT ist das Ziel und wenn man das bedenkt, kommt man sich womöglich wie ein Wanderer zwischen zwei Welten vor: Der einen (irdischen) ist man noch nicht entwachsen und die andere (geistige), ist noch zu fern und recht unbegreiflich. Dass wir faktisch vom Tage der Geburt an uns der nächsten, geistigen Welt zubewegen, entschuldigt also nicht die laue oder unterlassene Vorbereitung darauf. Wie wir uns vorbereiten,  gestalten oder geben,  entscheidet letztendlich über ein Plätzchen im Schatten oder Licht.
Ähnliche Regeln gelten auch für unsere Auswanderer; die Kisten und Koffer sind klug zu packen  - was brauche ich, was brauche ich in Zukunft nicht, ist die Frage. Wer, wie eine Familie, in eines der sonnigsten Länder Europas kistenweise Winderkleidung mitschleppt, belastet sich unnötig und findet kaum mehr Raum für nützlichere Dinge. Selber schuld, kann ich nur konstatieren, wenn sich der Mensch mit Kram und Eigentümlichkeiten abplagt, damit seine Seele belastet und allen Ernstes glaubt, damit im Himmel landen zu können. Unsere Vorbereitung auf "das Land aller Zukunft", sollte ernsthaft und überlegt vorgenommen werden und in unserem 'inneren Gepäckraum'   sollte Harmonie, Friedlichkeit, Liebe, Güte und Demut in Koffern verstaut sein, auf denen "gute Werke" steht und das 'Übergepäck' sollten viele Kilos Tugenden sein.

Ehrlich, ein bisserl lockt mich schon der Gedanke mir ein neues Domizil  in der Karibik, vielleicht auf der Insel Curacao, den niederländischen Antillen, zu schaffen. Doch der liebe GOTT wird sich was dabei gedacht haben, mich nach Kindenheim und Sie dahin zu setzen, wo Sie sind. Ich habe den Verdacht, manchmal meinen wir nur, selber unseren Aufenthaltsort bestimmt zu haben. Es gibt durchaus so etwas wie 'Fügung' und dem Höchsten ist es durchaus nicht egal, wo wir uns ansiedeln! Hätten wir sonst das V.Gebot so bekommen: "Ehre deinen Vater und deine Mutter, damit du lange lebest dort, wo Gott der Herr dich hingibt" ?
Na schön, dann werde ich halt meiner Wahlheimat erhalten bleiben und nur in meinen Träumen gelegentlich mal auswitschen.
Macht nix, denn da wo mein Bett steht mag ich zwar zu Hause sein, doch daheim bin ich wo anders; raten Sie mal wo?
Isch män jo bloss, wie immer Ihr

gerhard krause