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0085

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Papstbesuch

Brav, nach aufdringlicher amerikanischer Manier, wurde das Vollprogramm an Sicherheitsvorkehrungen, für den Papstbesuch im Bayernland, rigoros durchgezogen. Vor staunenden Stadt- und Dorfbewohnern, wurden Kanaldeckel zugeschweißt. Stromleitungen verlegt, Häuser in die Bannmeile genommen und "Ishinger Feld"- und Wiesenflächen in der Größenordnung eines Landstrichs, von 260.000 Menschen für mindestens zwei Jahre unbrauchbar getrampelt, wenn auch nicht in böser Absicht, ganz im Gegenteil. Und eine ganze Autobahn wurde gesperrt. Toll!
Was für die einen "Schnee von Gestern" ist, bleibt für andere ein Skandal. Wenn röm.-katholische Kalkulatoren für jeden Besucher des Spektakulums mit einem Kostenaufwand von 30-35 Euro rechneten, dann waren schnell mal neun Millionen Euro Kirchentaler für den Exclusivausflug des Pontifex maximus fällig. Wie viele Klingelbeutel der Stadt Regensburg müssen durchgereicht und Opferstöcke in den Weg gestellt werden, um die Kosten in Höhe von 300.000, Euro wieder einzufahren? Wieviel Bewunderung hat der Freiluftaltar mit Riesengerüst auf der Gebets-Wiesn verdient, dass Anlage und Segelschutz vor ausgebliebenem Regen mit 6,6 Millionen Euro zu Buche schlug? Ellenlange rote Teppiche mögen ja noch angehen, reichlich Stuck ist man gewöhnt, ebenso wie Blattgold zum Abwinken. Welchen Zweck erfüllen diese gigantischen Investitionen?
Das Ambiente muß halt stimmen - man hat ja einen Ruf zu verlieren, oder? Also kreisen statt Engel eben einige Hubschrauber über den Exzellenzen. Einfach eindrucksvoll, wie der Security-Mann im feinschwarzen Zwirn, einer erst überraschten und dann entzückten Mutter ihr Nochbaby aus den Händen riss, damit der Chef es segnen konnte. Nicht neu - aber immer wieder gern gesehen.
Ob das alles ex cathedra, aus gewollt-päpstlicher Vollmacht geschah, kann unsereiner nicht wissen, doch die Event-Manager verstehen ihr Handwerk, das muß ihnen sogar ein evangelischer, Orthodoxer oder sonstiger Neid lassen.
Szenenwechsel.
Müde und ausgelaugt von der langen Wanderung von Dorf zu Dorf, lässt Jesus von Nazareth sich neben seinen Jüngern auf einem Stein, der später als hartes Kissen seines Nachtlagers dienen soll, nieder. Vom vielen Reden und feinen Staub brennt ihm die Kehle und dankbar nimmt er aus dem Schlauch einen Schluck warmen Wassers zu sich. Den Rest dünngebackenenen Brotes teilt er mit seinen Getreuen. Die Nacht wird kalt werden und die verschlissenen Umhänge ignorieren. Doch Jesus kommt nicht zur Ruhe - sein Ruf eilte ihm voraus. Keinem von denen möchte er ausweichen, die ihm krank gebracht werden oder zu ihm humpeln, und in den Häusern warten andere auf den Heiler. Ohne die Kraft des Glaubens, ohne die starke Liebe zu den Menschen, könnte er die Hoffnungen kaum erfüllen. Doch er weiß um das begrenzte Zeitfenster seiner Mission und dass sein irdisches Erlösungswerk einmalig und zu erfüllen ist. Keinen Silberstab umklammern seine Hände, sondern ein Holz nimmt den Schweiß seiner Hände auf. Trotz seiner einfachen Bekleidung, empfinden die Menschen seine Bescheidenheit und Ehrlichkeit wie ein schmückendes Lichtfeld. Auch er segnet Kinder, im Alter von null bis Jahrzehnte und sein Altar, zur Ehre des Herrn, ist unsichtbar und darauf liegen wertvollste Gaben wie Anbetung, treue. Vertrauen, Gehorsam, Vergebung. Mit Geld geht noch sein Jünger Judas um und kaum eine der gespendeten Münzen überlebt mehr als einen Tag, so unverzüglich wird alles den Armen in die bittenden Hände gedrückt.
Statt Securityleute,  eine lauernde jüdische Geistlichkeit und anstelle zugeschweißter Gullis, Absperrungen und Sonderschutz, verlässt er sich auf sein GOTTvertrauen, behütet, geführt und versorgt zu sein.
Dafür war die kleine Jüngertruppe ungemein verstärkt durch eine beachtliche Schar von Lichtwesen, die mit ihnen lachten, weinten und bangten und dafür sorgten, dass immer genügend Segen floss.
Er, Jesus war, ist und bleibt die wahre  Lichtgestalt und es bleibt uns überlassen, uns von ihm faszinieren zu lassen. Deshalb müssen keineswegs Respekt und Achtung vor den Leistungen weltlicher Diener zu kurz kommen, wenn sie denn GOTT (!) und nicht einer Kirche verschrieben sind. Die Schlichtheit und edle Einfalt Jesu ist durch keine Pracht dieser Welt zu toppen! Wenn das jeder weiß, warum wird es dann so gut wie zwei Jahrtausende versucht?
Kein Mensch erwartet trocken Brot und Brunnenwasser auf klerikalen Esstischen. Doch in einer Zeit, wo sich Volksgenossen, auch bayerische, mit spärlichen Brosamen aus staatlicher Großküche zu bescheiden haben, darf eine Bommel am prächtigen Messgewand nicht mehr kosten, als manche im Monat zum Leben haben! Großmannssucht mit gefallenen Händen ist Hohn und wäre es nicht unchristlich, könnte man schier zornig werden.
Andererseits bringen die Auftritte Effekt und "man" ist stolz darauf, dass der eigene Oberhirte coram publico enormes Aufsehen vor aller Welt erntet. Doch ist Glaube, beseelender Glaube, tatsächlich davon abhängig? Ist's vielleicht eine stille Mehrheit die denkt, was einer der Gebets-Wies'n- Besucher aussprach? "Schauen’s, da hab ich eine gute Brotzeit dabei, es ist ein schöner Tag und zum Schaun gibt’s a ganze Menge. Wann sieht man schon mal einen Papst?"
Religion als Freizeitspaß? Wenn's hilft?!
Warum habe ich nur den verflixten Verdacht, dass solcher Rummel alle Blicke auf sich zieht und die Sicht auf das Wesentliche: GOTT nämlich, verbaut? Denn von Ihm war kaum die Rede... Klug geredet wurde viel, doch die Weisheit innerer Verbeugung, abseits des egoistischen Ichs, dürfte zu kurz gekommen sein. Schade. Und Christus? Er findet sich, abseits jeglichen Hurrageschreies, ganz schlicht und wohltuend in dir, in deinem Herzenskämmerlein und dieses Erlebnis ist mit nichts auf der Welt zu bezahlen und doch für jeden von uns erwerbbar. Isch män jo bloss. Ihr     gerhard krause