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Der veränderte Volkscharakter

"Früher war alles anders", nicht nur das Wetter!
Wegen der Kurzzeiterfahrungen der jungen Generation, können solche Behauptungen nur vom älteren Kaliber kommen. Also anders war schon (fast) alles, aber besser?
Als Seelsorger bin ich so etwas wie "der Knabe, der an der Quelle sitzt", weil mir meine Aufgabe die unterschiedlichsten Menschen beschert. Ungeachtet des sozialen Status', sind bei ihnen Gemeinsamkeiten festzustellen: Sorgen, Ängste, Meinungsbilder, Freuden.
Die Schnittpunkte ergeben ein gleiches oder ähnliches Verhalten und daraus wiederum sind Typiken eines Volkes ablesbar - so jedenfalls habe ich das mal gelernt. Endpunktlicher Klartext: Unser Volk verhält sich tatsächlich anders als früher. Fakt!
Dieser bescheidene Artikel vermag zu diesem Mammutthema nur kleine Fensterchen zu öffnen. Für einen ordentlichen Rundblick müssten ganze Bücher dazu geschrieben werden! Versuchen wir also mal gemeinsam herauszufinden, inwieweit Christenmenschen von gravierenden Veränderungen angesprochen sind.
Beginnen wir mit dem, was unser aller Existenzen wie ein Stück gesäuerter Teig den Brotteig aus frischem Mehl durchsetzt: Geld!
Gefehlt hat es immer daran: in Muttis Schmukasse ebenso wie im Staatshaushalt. Doch umgegangen ist man anders damit. Vorbei die Zeit, als Sparkassen den Kindern Spardosen in die Schulen brachten und damit Sparlaune in Gang setzten. Heutzutage pressen gierige Bankmoloche lukrative Zielgruppen an die Marmorbrüste und säuseln dabei sirenengleich das hohe Lied vom Wohlstand für alle.
Ergebnis einer gefährlichen Illusion ist, dass kaum volljährig Gewordene sich Kommerz und Konsum ergeben und non-stop den Spaß in sich aufsaugen, als sei das Honig ohne Nebenwirkungen. Die Schuldenfalle ist überall ausgelegt und nicht nur Privathaushalte geraten in Kalamitäten. Wenn früher der Staatshaushalt geordnet werden sollte, dann galt jeder Antrag auf Staatsverschuldung als unehrenhaft und führte zu heftigen Debatten abwehrender Parlamentarier. Bekommen unsere Starpolitiker noch rote Ohren, wenn infolge Mißwirtschaft von Bund, Länder und Gemeinden, 1,5 Billionen Euro Verschuldung für permanente Schlaflosigkeit sorgen müsste? Der Fisch fängt vom Kopf an zu stinken und wie sollen unsere Nachkommen den Wohlgeruch von Bescheidenheit und Einteilung erfahren, wenn die Staatsverschuldung inzwischen jedem der 82,4 Millionen Deutschen eine Last von 18.200 Euro (!) aufbürdet? Ich kann begreifen, wenn sich mancher Jugendliche nach solch moralischer Decke streckt und sich wegen 700 Euro Kontoüberziehung keinen Kopf mehr macht. "Du bist Deutschland" heißt auch, dass die öffentliche Schuldenlast jede Sekunde um 2.141 Euro zunimmt...
Ein schweres Erbe für unsere Kinder? Leider nein, eher ein schier unlösbares Problem für die wenigen, die unsere Kinder sind! Denn auch da hat sich etwas geändert: wir haben kaum mehr Kinder!
Wissenschaftliche Köpfe nennen das einen massiven Verlust an "Humankapital". Deutschland hat we l twe i t die niedrigste Geburtenrate pro Einwohner. Noch nie wurden bei uns so wenige Kinder geboren wie jetzt und den Babyboom gibt's nur noch bei den Hamstern. Die meistgegebene Antwort auf die Frage WARUM: Weil Kinder derweil zu viel Geld kosten und weil Bedingungen, wie fehlende Kindergartenplätze u.a., miserabel sind. Alles klar, doch wenn unsere Eltern und Großeltern anstatt an Nachwuchs an die karge Reichs- oder DM gedacht hätten, wären wir nicht da, so einfach ist das. Am Bewußtsein kann es nicht liegen, denn ein Umfrageergebnis bestätigt, dass 68% der Westler und sogar 79% der Ostdeutschen unser Land für familienfeindlich halten. Das glaube ich auch, denn in keinem anderen Land wird das Ballspiel von Kindern argwöhnischer von Erwachsenenaugen verfolgt und strenger reglementiert als bei uns.
Eigentlich müssten wir uns doch schlecht fühlen, anbetrachts solcher Tatsachen und deshalb kriege ich ein Auswertungsergebnis nicht in meinen Schädel: 79% aller Deutschen sind zufrieden mit ihrem Leben (Ostdeutsche wieder ein bisserl weniger). Zahlen wir nicht langfristig gesehen - einen zu hohen Preis für die eigene Zufriedenheit? Über seine Verhältnisse leben, vom wackeligen Job zehren, ein zukunftsarmes Land ohne Kinder und andere desaströse Prozesse, und dabei glücklich sein? Das hieße, wegen eines orgastischen Moments das ganze Leben verklären. Glauben Sie jetzt bitte nur nicht, ich sei als eingefleischter Positivist nun zur Gegenseite, den Nagativisten gewechselt. Mitnichten.' Im Gegenteil: alles kann wieder gut werden. Denken wir an das große Gesetz von Ursache und Wirkung und daran, dass jeder von uns seines Glückes Schmied ist! Je stärker die Menschheit an Untugenden, Lügen und Verdrehungen zugrunde zu gehen droht, desto wichtiger ist des Christenmenschen Tugendhaftigkeit: deine und meine gute Entwicklung! Wir haben die Macht, unser Haus sauber zu halten und uns zum Vorbild zu gestalten.   Bescheidenheit,   Genügsamkeit,   Sparsamkeit   gehören staubgewischt und Protzsucht, Übertreibung und untragbares Massenverhalten einer überdrehten Welt zurückgeschraubt, bis GOTT uns wieder zulächeln mag. Lassen wir uns doch nicht selbst als profitträchtige "Ware" in den Einkaufskorb bilanzgesteuerter Interessen legen. Selbstachtung und Würde ist angesagt und jeder von uns kann für sich ein klein wenig gegensteuern dem, was uns an anderen nicht gefällt. GOTT hat den Kosmos geschaffen, da scheitert Er nicht an hausgemachten Problemen einer gedankenlosen Gesellschaft, oder?
Wenn wir Ihm nur vertrauen, uns wieder an IHN, die Allmacht in gebührender Einsicht und Reue wenden. Ja ohne das geht's nicht, denn Wortgewandtheit alleine bringt's nicht; Tat-Christen werden gebraucht. Viele gute Kräfte, unsichtbar vielleicht, werden aktiv, wenn nicht mehr ausgegeben wird, als verdient worden ist, wenn Familienmuffelei verpönt wird und GOTT im Alltag wieder den Mittelpunkt eingeräumt bekommt. Dann liegt der Segen auf allem, ganz sicher!
Lichtpunkte durchsetzen die Dunkelheit, nicht umgekehrt. Selbstüberwindung bedeutet meist Selbstverbesserung und Altruismus macht nicht arm, sondern reich. Wer dies versteht und beherzigt, wird vor den Augen unseres Schöpfers gut dastehen und das ist's, was der Christ doch anstrebt. Distanzieren wir uns vom Billigniveau einer Welt, deretwegen Jesus Blut geschwitzt hat.
Dann folgt der Lohn: innere Zufriedenheit, denn GOTT der Herr lässt sich nichts schenken, ohne tausendfach zurückzugeben!
Dass wir mit unserer Selbstveredelung und verantwortungsbewußtem Verhalten unseren Kindern und Kindeskindern Vorbild in Selbstüberwindung sind und mithelfen, ihnen doch noch die schönen Seiten unserer Erde vorzustellen, ist ein überaus lohnendes Nebenprodukt eines wunderbaren und hoffnungsvollen Weges: den des rechten Glaubens.
So jedenfalls män isch bloss, wie immer Ihr

gerhard krause