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0078

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“Superstar Jesu Christ” - vom Wahnwitz unserer Zeit (1/2)

Unsere Welt leidet unter gar vielem, doch eine Entwicklung durchzieht wie ein schriller Faden so ziemlich alle Bereiche menschlichen Mißbildungsdranges und atzender Aufdringlichkeit ich möchte es Spektakularismus nennen!
Alles wird hochgepusht, als Innovation deklariert, wichtigst gemacht, mit dem Prädikat der "Einmaligkeit" versehen, zum Jahrhundertding erklärt und als megageil und supergigantisch angepriesen.
Da können Sie hinschauen, wohin Sie wollen: Normalität ist abgeschafft, Bewahrtes wird abgeklatscht und vor allem jüngere Gemüter glauben das Rad täglich aufs Neue erfinden zu müssen. Dafür donnert wildestes Spektakel auf uns ein, werden wir zwangsbeglückt mit klämmpubertierenden Möchtegerne, deren oft verqueres Geschlechtsleben allemal für Schlagzeilen taugt und deren schräge Tonergüsse sie, schwupps, über Nacht zum "Superstar" avancieren lassen. Ist es solche Minderqualität auf zu vielen Ebenen, was unser Land nicht nur kulturell im Abendrot untergehen lässt? Was fange ich mit den blödelnden Peinlichkeiten auf zwei Beinen, die sich "comedy-Elite" nennt und uns mal laszive, mal schwachsinnige Geschmacklosigkeiten per Bildschirm um die Ohren haut, an? Freilich, Jeder Lacher ist harte Währung, wobei wir bei dem einen oder anderen Bankenboss wären. Sie bräunen ihre Geldhaut in der unbarmherzigen Sonne geldgieriger Anleger und werfen denen (un-)gehörige Happen von 50%-Gewinnsteigerungen p.a. (!) mit triumphalem Gesichtsausdruck hin; als hätten sie powerdrinks für Arbeitslose gratis verteilt. Wissen Sie nun, was Spektakularismus ist?
Nicht genug damit, benehmen sich Gewerkschaftsobere wie heilige Kühe, deren Ausscheidungen dem Volke gefälligst zum Wohle zu gereichen hat. Ohne Rücksicht auf Verluste, wird Kassengeld für eine Angriffslust verbraten, die das Vorjahresergebnis "mühevoller Verhandlungen" topen muß! Da kommt in einem der Verdacht auf, Spektakularismus sei gleichbedeutend mit Verlust von Vernunft, Augenmaß und Bodenständigkeit. Aber jede Unverschämtheit kennt Steigerungen. Oder wie erklärt man dem 1-Euro-Jober, der sich vom Stundenlohn eine Salzbrezel kaufen kann, dass der Jungkicker von um die Ecke für jeden Monat Balltreten von seinem Verein eine Million auf dem Tablett bekommt und manche "Volksminister" für ihre lapidaren Erklärungsversuche in der Länge ganzer Legislaturperioden. mit Ruhestandsgeld in einer Höhe abgewählt wurden, dass "Otto Normalbürger" dafür über dreihundert Jahre einzuzahlen hätte, was wahrscheinlich auch abverlangt würde, stünde da nicht GOTT vor!
Nicht etwa, dass mich diese wahnwitzige Fortsetzung einer zum Himmel schreienden spektakularistischen (welches Wort!) Zeiterscheinung ernsthaft betrüben könnte - schließlich kann man sich ja in die erholsame Oase persönlicher Bescheidenheit zurückziehen - nein, was mich tatsächlich mehr als unangenehm berührt sind neuerliche Umwälzversuche, eine Lichtgestalt wie sie JESUS CHRISTUS zweifellos ist, spektakulärer zu "verkaufen". Jesus Christus - Superstar?
Wenn's manchem Religionswissenschaftler, Geschichtsforscher oder einfach dem vergessenen Journalisten zu langweilig wird und Geld in die Haushaltskasse fließen soll, dann muss wieder mal dieser Nazarener Jesus für die merkwürdigsten Umkrempelungsversuche herhalten! Er als Person, seine Bedeutung und sein Werdegang, pauschal sein ganzes Leben, alles wird zunächst auf dem Papier oder Zelluloid bedenkenlos umgestellt. Da bleibt kein genetischer und kein existentieller Baustein auf dem anderen...
Römische Schergen mögen aus Spott dem geschundenen Heiland einen purpurnen Fetzen umgehängt haben. Dass noch nach über 2000 Jahren schimärische Geister ihn ebenfalls zu entstellen versuchen. dürfte im Himmel als Skandal für tauglich befunden werden.

    Fortsetzung folgt