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0072

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Vom Wohl und Wehe unserer Kirchen 1/2

Vergleiche zwischen Amts- und freien Kirchen sind immer eine heikle Angelegenheit. Kritische Stimmen, die  nicht aus großkirchlichen Reihen zu vernehmen sind,  kommen sehr schnell in den Ruf der Provokation und ernten i.d.R. Sektenschelte oder Verirrtengeschrei. Da ist man dann weniger zimperlich und stört sich weniger an Sensibilitäten des "anderen Lagers". Schade eigentlich, tragen doch alle den gleichen Vornamen: Christ  bzw. Christin.
Unabhängig davon, erspart die Fairneß nicht den objektiven Vergleich und ich möchte nie zu denen gehören, die nicht genau untersuchen, was sie beurteilen und ggf. ablehnen. Damit sind wir bei Meinungen evangelischer Würdenträger angekommen. Tätig in Verwaltungsjobs, haben sie den nötigen Ein- und Durchblick um bestätigen zu können, was die Basis: Kirchenmitglieder, längst zu registrieren hatten. Es geht in Richtung Insolvenz  - die Kirchen riechen nach Pleite!
Solche Sorgen sind in der Kirchengeschichte nicht neu. Verheerend aber, wenn der angesagte Sparkurs ausgerechnet in eine Zeit fällt, in der nicht nur die Suche nach Spiritualität besonders stark ist,  sondern auch Sicherheit aus eigener Kirche bezogen werden möchte. Alleine die äußeren Zeichen schlagen auf den Magen. Es kann dem Kirchgänger passieren, dass da, wo bis soeben noch "sein" Gotteshaus stand, nun eine häßliche Bauruine geworden ist oder gar eine Baulücke z.b.V. klafft! In Änderung des Nutzungszweckes locken dann Schlemmerlokale mehr Gäste an, als es zuvor Kirchenglocken je vermocht haben.
Was ist los mit Deutschlands Volkskirchen, fragen sich zunehmend mehr Leute und können nicht nachvollziehen, dass es nicht möglich sein soll, Millionen kompromißgeneigter Christen ein Stückchen irdischer Heimstatt, zur Erholung der Seelen,  zu erhalten. Wenn dies jedoch  - klein aber fein -  der einen oder anderen Freikirche gelingt, dann sind aus höheren Chargen des christlichen Goliath, gar nicht edle Verunglimpfungen zu vernehmen. Und doch erlebe ich auch andere Reaktionen, wie z.B. die eines Pastors, dem die Unpersönlichkeit seiner Kirche Fluchtgedanken bescherten. Dann wird auch die Grundlage der (geist-)christlichen Freikirche gewissenhaft geprüft und eine rückwärts gewandte (Problem-)Analyse entsteht, wie sie eigentlich von ‘Bischöfe & Partner’ bedacht werden sollte. 

      -Ist's  eine Inflation des Glaubens, deren Opfer die Großkirchen sind?

Wenn inflationäre Vorgänge die Glaubensinhalte tatsächlich wertschwächen könnten, dann wären nicht die Institutionen, sondern die Gläubigen vorgängliche Opfer!
Wenn Kirchen sich nicht gegen Homo-Ehen aufbäumen, wenn gegen des Glaubensvolkes Gespür Dogmen aufoktroyiert werden, dann verliert der bodenständige, treue und  - warum nicht? - konservative Christ den Boden unter seinen Füßen und er weiß nicht mehr so recht, wer oder was sein weiteres Vertrauen verdient. Kein Heiliger, kein Bemühter hat jemals einen Sieg errungen, weil er auf Treibsand stand!

    - Ist's Bindungsscheu, was Kircheneintritte oder das Verbleiben in der Kirche verhindert?

Jeder Bindung gehen Bedenken oder Fragen voraus! Petrus zweifelte und Paulus musste sich motivieren. Jede Partnerschaft, jede Allianz kennt die Auseinandersetzung mit dem Ichdenken. Doch wer in seiner Verbindung glücklich ist, wird weder aufrechnen, noch gehen. Auch wenn es immer ein eigenwilliges Schäfchen geben wird, wo der Hirte das Nachsehen hat. Doch wenn aus der Evangelischen Kirche Deutschlands pro Jahr mehr als 170.000 Mitglieder austreten, dann sind das pro Tag über 480 mehr oder weniger schmerzhafte Entscheidungen. Wer schon gibt freudestrahlend oder unüberlegt einen Hort auf, in den er schon als Baby integriert worden war?!
Nicht erst neuerdings sind die Kirchen vor zunehmendem Mitgliederschwund gewarnt, wo doch sogar wackerste Gemüter wackeln und Kerngemeinden schrumpfen. Ist es vielleicht so, dass die Notbremse mit Rationalisierungen deshalb erst jetzt abrupt gezogen wird, weil es ans Eingemachte geht, weil es keinen Überschuss, kein zinswürdiges Kapital mehr gibt?
"Mit Geld und Macht kannst du alles erklären" sagte mir mal ein weiser Mensch... Ist es so? Immobilien verzehren viel Geld! Es geht nicht um die katholische Sonderstellung der Romkirche, der größte Immobilienbesitzer der Welt zu sein. Es geht um Gotteshäuser der anderen "Fraktion"! Muß es wirklich soweit kommen, dass jedes zweite sakrale Gemäuer mit dem Gockelhahn auf der Turmspitze geschlossen wird? Müssen dem Herrgott geweihte Gebetshäuser (also gehören sie Ihm doch nicht so ganz?), verramscht, abgerissen werden oder verrotten? Wohin mit all den Gedanken, Hoffnungen, Tränen und Ehrlichkeiten, die Generationen ortszugehöriger Christen in diese Mauern eingebracht haben?
Wo soll nun die seelische Zuflucht sein? Nicht selten werden aus entwidmeten Kirchengebäuden (so nennt man das im Fachjargon!) privatbewirtschaftete Gewerberäume. Wo bislang frommer Kirchengesang das Gebälk durchdrang - zur Ehre des Herrn, klingelt dann die Kasse. Das weltliche Halleluja macht sich breit! - Ist's eine Krise, wie sie überall mal auftreten kann?
In seltsamer Ökumene stecken Protestantismus und der römische Katholizismus in ernsten Schwierigkeiten und wissen das längst! Seit über dreizehn Jahren fließen die Kirchensteuern schwächer und schwächer! Gerade Kirchen mit kostspieligen Einrichtungen, dürfen die Ökonomie nicht vernachlässigen.
Dies glaubt man begriffen zu haben und bemüht zum Teil ein regelrechtes Wirtschaftsmanagement, was ich in seiner Kühle, Kopflastigkeit und gelegentlicher Menschenverachtung (Stellenabbau!) auch nicht für das Gelbe vom Ei erachten kann.
Wo, bitteschön, wäre GOTTvertrauen besser angebracht und unbedingt in irgendwelche Erfolgskonzeptionen einzubeziehen, als dort, wo so viel von der 'Allmacht GOTTes' geredet wird? Alles Menschenmögliche hat irgendwann einmal ein Ende, wahrscheinlich auch das weltweit einmalige Kuriosum:   die steuereintreibende Funktion des Staates für zwei Kirchen, zum günstigen Dienstleistungstarif natürlich. Wie bereits gesagt, drohen die geldsprudelnden Pipelines schon länger zu versiegen und dennoch: neue Kirchenbauten mussten her! Architekturen aus Glas und Beton, die manchen Geschmacksnerv reizen, kosteten immer schon mehr, als Sammelkörbe und Klingelbeutel aufnehmen können. Hinzu eine Personalpolitik, aus der sogar der Staat aussteigt. Nur noch mit Vorsicht werden Beamtierungen vorgenommen! Aber Pfarrkräfte einzustellen, bedeutet für die Kirchen lebenslange Verpflichtungen! Hast du einen Sprengel, hast du ausgesorgt. Du zählst in manchen Kirchen sieben, vielleicht neun Gottesdienstbesucher. Es sind die ganz Treuen, die GOTT lieb hat auch dann, wenn sie ihre innere Andacht vom Bänklein im Grünen aus abhalten.

Wird fortgesetzt