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0071

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Der Papst und die Ehre

"Factum abiit; monumenta manent"  - Das Ereignis ist vergangen; die Denkmäler bleiben. Wer als Pontifex maximus von schwärmenden Anhängern als "Jahrtausendpapst" bezeichnet wird, darf als personifiziertes Ereignis betrachtet werden. Dass der gehörige Bestand an Denkmälern dadurch beachtlichen Zuwachs bekommt, dafür garantiert das seit beinahe zweitausend Jahre übliche Gebaren der röm.-katholischen Institution. Es ist diese altbekannte und doch mystische Unfassbarkeit des Todes und wohl weniger der dahingeschiedene Mensch selbst, was vermochte, für Tage einen fast spürbaren Schleier der Betroffenheit über eine ganze Welt zu legen. Jeder Verstorbene legt harte Spuren der Trauer in die Naturen der Zurückgebliebenen.
Wenn jedoch ein jahrelang währender körperlicher Verfall als öffentliches Sterben vorgewiesen wird, treibt einem das Mitleid ins Gebet um Erlösung. Sollte nicht der Heimgang    eines Priesters, wie es Johannes Paul II. bis zuletzt war, auch eine glaubensgetragene Zufriedenheit darüber erlauben, dass sich ein schwerer Leidensweg  in der Unbeschwertheit des Geistigen auflöst und sich damit nur das stets gepredigte Lebensziel erfüllt hat? Um in der Amtssprache der katholischen Geschwister zu bleiben: Gaudii comes maeror - Der Freude Begleiter ist die Trauer.
Wenn der Tod in seiner günstigsten Funktion für mich Zubringer des Lebens ist, dann darf ich mich Christ/in nennen! Jesus Christus, der Auferstandene, schenkte uns die Zuversicht der persönlichen Auferstehung. Nicht nur Naturvölker wie die Indianer setzen dem Verlust eines Menschen das freudige Wissen entgegen, dass der Geist nunmehr die Stufe zum wahren Leben erfährt. Wir Christen sollten allemal bittere Tränen in Zuversicht auflösen; wozu brauchte es sonst den Glauben? GOTT führt uns den diskutablen Wert des Körperlichen auf: Ein Werkzeug, der geistigen Entwicklung dienlich, nicht mehr, nicht weniger.
Als vor Jahren in meiner Gemeinde eine ehem. evangelische Ordensschwester, die zur hochzufriedenen Geistchristin geworden war, nach einem tiefgläubigen Leben verstorben war, lernte ich ein "Bild" um den verbliebenen Wert ihres Körpers kennen: symbolhaft lag in der Ecke eines Raumes wie zusammengeknüllt ein verbraucht wirkender Karton. Eine ausgediente Verpackung... Der Geist aber genießt dafür hellere Gefilde!
Präferenz sollte immer der Geist haben - egal in welcher Kirche. Wenn wir vor kurzem Zeuge darüber wurden, wie Kardinale in überzogener Kompaniestärke mit der Absicht ins Konklave zogen, den 307. "Nachfolger" bzw. "Stellvertreter Christi auf Erden" zu bestimmen, dann blieb es de facto bei der Wahl eines Kirchendieners und Religionsführers; predigen doch sie allesamt mit Fug und Recht den lebendigen Christus ("Ich bin das Leben!")! Wer lebendig ist, für die gesamte gefallene Schöpfung Leben ist, und wie kein zweiter wirkt, benötigt nun mal keinen "Stellvertreter".
Und "Nachfolger" zu sein, dazu sind wir alle aufgerufen! Spirituelle Christen, auf die doch amtskirchliche Hochstellen oftmals garnicht christlich herabblicken, fühlen sich durch einen Ritus bei der Papstwahl plötzlich verstanden: Wenngleich sich die Kardinale nicht - wie bei den Urchristen aber üblich - an den Händen nehmen, so rufen sie doch gemeinsam und laut um geistigen Beistand:    "Vene creatos spirito!" - Komm, heiliger Geist! Na also, über diesen unerwarteten Gesinnungskonsens vermag sich doch jeder Geistchrist von Herzen zu freuen. 26,2 Millionen deutsche Katholiken dürften   nunmehr oder weniger mit dem Rest der Welt,        diesen Mann aus Polen, der es sich nicht nehmen ließ, sich den Völkern dieser Erde als personifizierte Botschaft gekonnt zu präsentieren, auch über den neuen Papst hinaus vermissen. Seine in Italien durch Rufe geforderte Himmelfahrt: "Jetzt heilig!", dürfte denn auch baldigst bulletiert werden, wetten dass?
Unsere frühesten Glaubensahnen, die Frühchristen, verstanden freilich unter "Heiligkeit" die Reinheit (des Geistes); sollen wir uns doch alle  "heiligen", sprich reinigen, um würdig für das Haus GOTTes zu sein. Doch wer bei Ihm wohnt, bestimmt immer noch GOTT und auch wer von den vierhundert (!) vom "Heiligen Vater" während seines über sechsundzwanzigjährigen Pontifikats Heiliggesprochenen nun wirklich den O.K.-Stempel, mit dem Prädikat "himmelswürdig" aufgedrückt bekommt, bestimmt immer noch der himmlische Hausherr. GOTT sei Dank!
Bilde sich bitte jeder seine eigene Meinung, wenn sich nun auch der neue Papst mit "Heiliger Vater" ansprechen lässt.
Wie ist es zu erklären, dass sich ein ganzes Christenvolk nicht der biblischen Worte zu erinnern scheint: "Denn Du (Herr GOTT, Allmächtiger!} allein bist heilig."   (Offb. 15:4)
Und: "Und zu keinem auf Erden sollt ihr "Vater" sagen; denn nur Einer ist euer Vater, nämlich der im Himmel."   (Matth.23:9)
Glaubwürdigkeit verschenkt sich nicht und es ist m.E. die Pflicht der Führenden, sich diesem Vorteil anzuschließen.
Wenn's nach unserem irdischen Pilgerlauf ad referendum  - zur Berichterstattung  geht,  gilt GOTTes Gerechtigkeit ohne Ansehen der Person! Weltliches Szenario  - und sei es noch so perfekt und nach testamentarischein Drehbuch inszeniert, imponiert ebenso wenig wie der stolze Hinweis auf die vielen Menschen, die einem verstorbenen Oberhirten huldigen und könnte dieser, irgendwo oben angekommen, sagen: "Schau, lieber Gott, so viel Ehre, gell?" und es könnte die Antwort sein: "Ja, und was bleibt davon für mich übrig??"
Isch män jo bloss und: GOTT die Ehre!

Ihr  Gerhard Krause