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0070

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Jesus Christus, das wahre Wesen V. (Schluss)

Wie mag Jesus zumute gewesen sein, im Garten Gethsemane die kleinwüchsigen, wildaussehenden Häscher roher Natur, von römischen Soldaten für die schmutzigsten Arbeiten vorgeschoben, auf sich zustürmen zu sehen? Ein "großer Volkshaufe mit Schwertern und Knütteln" ergänzte den Pulk allerlei Gestalten, die sich durch Geld und Hasstiraden der Hohenpriester und Ältesten des Volkes aufwiegeln ließen, sich diesen Jesus von Nazareth gehörig vorzunehmen. Judas, allen voran, dürfte sich einen weniger spektakulären Ablauf gewünscht haben, doch seine Verräterrolle stand fest.
Erschöpft von den Schauungen der Nacht, noch fiebrig, stand Jesus vor seinen Begleitern und konnte deren Nervosität und Furcht verstehen. Nun war der grausamste Tag, an dem er keinesfalls versagen durfte, angebrochen! Was schmerzte ihn mehr: des Judas Verrat oder die Verworfenheit hassgetränkter Seelen, die sich ihm in der Absicht entgegenstellten, ihn zu vernichten? Wie eine bleierne, dunkle Riesenwoge rollten die Ereignisse auf ihn zu und das Geschrei aller, ob sie ihn kannten oder nicht, drang wie durch Nebel zu ihm durch. Er spürte mehr die Wellen bösen Hasses und zügelloser Wut, wie sie nur dunkelste Mächte aufpeitschen und sich an ihnen ergötzen können. Der gefasste Blick des Gottessohnes durchfuhr Judas Ischariot wie ein Blitz und nur mit Mühe presste er heraus: "Sei gegrüßt, Meister!" Kein   Vorwurf in der Stimme Jesu, als er mehr dem Gewissen des Verräters die Frage stellte: "Freund, wozu bist du hier?" Spätestens jetzt hatte sich dieser der Niederträchtigkeit seiner Tat zu stellen, doch die Schergen wollten sich beeilen ihren Auftrag zu erledigen und schritten grob zur Verhaftung Jesu. Simon Petrus war es wohl, der in höchster Empörung und ohne auf seine eigene Sicherheit zu achten, ein Schwert an sich riß und einem der vorlautesten Knechte des Hohenpriesters mit einem Hieb das Ohr abschlug. Wie schaffte es Jesus nur, in dieser aufgepeitschten Stimmung ordnend und beschwichtigend einzuwirken? Er bat eindringlich seinen Getreuen das Schwert beiseite zu legen, "denn    wer    das Schwert ergreift, soll durch das Schwert umkommen." Damit tauchte Jesus nicht nur die Verteidigung in neues Licht, sondern warnte generell davor, sich im Zorn gegen einen Menschen zu wenden! Gleichzeitig erinnerte er an seine Bedeutung, Herkunft und Macht: "Oder meinst du, mein Vater würde mir nicht auf meine Bitte hin sofort mehr als zwölf Legionen Engel zu Hilfe senden?" Welche Selbstlosigkeit und welches Sendungsbewußtsein, sich in der Opferrolle zu belassen und auf strikte Wahrung der Prophezeiung, selbst im größten Stress, zu achten: "Wie könnten dann aber die Aussprüche der Schrift in Erfüllung gehen, nach dem alles s o kommen muß?" (Matth.26.-54)

Damit seine Erlösungstat nicht mit Unglaubwürdigkeit herabgewürdigt werden konnte, musste Jesus auf korrekte Erfüllung der voraussagenden Schrift achten. Also erfüllte er  in der Echtheit wahrer Bestimmung, was den Hohenpriestern nachlesbar war und zwar in jeder Situation, also auch in jener Nacht.
Jesu Belehrung und friedliche Haltung verunsicherte den aufgebrachten Volkshaufen zutiefst. Keiner konnte sich seiner Festigkeit entziehen und etliche Münder verstummten. Jesus nutzte dies und stellte sich verbal in Position: "Mit Schwertern und Knüppel seid ihr ausgegangen, um mich wie einen Räuber zu fangen." Er sah in die Runde und mancher wich seinem Blick aus. Mit leiser Stimme fuhr er fort und wirkte fast ein wenig nachdenklich: "Täglich saß ich im Tempel und lehrte, und ihr nahmt mich nicht fest. Dies alles ist aber so gekommen, damit die Schriften der Propheten in Erfüllung gingen. "

Bis zu dieser Aussage hatten die Jünger, und mit ihnen auch Judas - gehofft, ihr Herr würde, bedrängt und in Lebensgefahr gebracht, nunmehr seine Macht vorweisen und alles, was sie als Erniedrigung empfanden, hinwegfegen! Nun aber erlebten sie die scheinbare Kapitulation des Gottessohnes und seine Resignation und Selbstaufgabe raubten ihnen den restlichen Mut und sie flüchteten völlig verstört durch den Garten in die aufkommende Dämmerung.
Damit wusste Jesus sie der Gefahrenzone entronnen und alleine die geistige Begleitung blieb ihm. Diese von GOTT gewährte und unverzichtbare Unterstützung war ihm bis auf den kurzen aber wichtigsten Augenblick bewusst, als ihm die Sicht auf die Geistbegleitung genommen und ihm dadurch absolutes GOTTvertrauen abverlangt wurde. Damit bewies er, völlig auf sich gestellt bestanden zu haben! Dennoch mochten ihn die Momente des vermeintlichen Alleinseins irritieren und so rief er: "EU, EU, lama sabacbtbani?" das heißt: "Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?" (Matth.27-.46)
Was nach seiner Gefangennahme folgte, war ein einziger Sieg des Geistes über den Körper eines Menschen, der nicht nur das Wissen um seine Gottsohnschaft, sondern primär seine Verantwortung im irdischen Erlösungswerk zu verkraften hatte. Welche Selbstüberwindung, welche Liebe, welcher Glaube!

Gerhard Krause