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Die jungen Alten

Ist Ihnen auch schon aufgefallen, dass Frauen ab fünfzig immer attraktiver werden? Nicht jede Frau die jünger als ihre Tochter aussieht, unterliegt dem Jugendwahn oder hat sich liften lassen. Eine frische geistige Einstellung und jugendlicher Elan, sind eher typische Merkmale der Nachkriegsgeneration. Aber der Reihe nach.

Auch in der reiferen Herrenwelt profitiert das Selbstbewußtsein aus Lebensfreude und Vitalität. Allerdings sorgen noch Klischees für Zerrbilder des Alters: Auf der einen Seite der völlig ausgelaugte, resignierende alte Mensch, auf der anderen Seite der Strahlemann, auf dessen Caprio-Beifahrersitz ein knackiges Frauchen die Lust am Leben teilt. Der Durchschnittsrentner ist dies allerdings nicht! Diese haben andere Sorgen, als Mallorca-feeling und Schweinebraten bei Rentnerfahrten. Aktionismus kann sinnvoller sein, wenngleich ausgeschlafene Marketing-Strategen die Alten längst als lukrative Zielgruppe ins Fadenkreuz genommen haben. Die "50-plus"-Al-tersgruppe ist solvent und man schießt ganze Salven von Heizdecken, Kochtopf-Sets oder Vitalmittelchen auf die prall gefüllten Sparstrümpfe der Pensionäre ab. Geldgeruch macht unverschämt und gierig. Doch wehe man möchte die mit allen guten Wassern gewaschene Altgeneration für dumm verkaufen, dann mutiert diese Majorität (Wählerstimmen!!) zu grauen Panthern!
Gealterte Seelen sind meist dünnhäutiger. Alltagskomplikationen begegnet man mit verhaltenem Leistungsvermögen. Respektlosigkeiten  aber  verletzen  stärker  als  es  sein  müsste. Gemeint ist nicht der junge und unerzogene Schnösel, der vor stehenden alten Menschen und sogar Behinderten im Linienbus auf seinem Hintern sitzen bleibt. Wenigstens das Pflegepersonal z.B. in Altersheimen, sollte die grundgesetzverankerte "Würde des Menschen" beachten und dem Klientel nicht die Namen dadurch rauben, indem flapsig jeder Bewohner mit "Oma" oder "Opa" angesprochen wird. Aber machen es die "Kinder" der alten Mitmenschen anders? Was ist das für eine Moral und (gebotene!) Elternliebe, wenn zu Ostern oder Muttertag im "Seniorenheim" ein Kurzbesuch bei "Papa" oder "Mutti" eingeplant wird? Den absolviert man rasch, blumen- und pralinenbewaffnet mit Blick auf die Uhr, damit das Mittagessen im Landgasthof oder die Sahnetorte im Cafe nicht ausfallen müssen. Vater oder Mutter sind ja "gut untergebracht!"
Was waren das noch für Zeiten, als sich zum Feierabend noch die Familie, zwei, drei Generationen,auf dem Bänklein vor dem Häuschen austauschten  - einer lernte vom anderen und wollte das auch! In zu vielen Familien herrscht ein vermaledeites Klima, was das Denkmodel eines Generationsmixes übergeht. Gemessen an der Zeitgeschichte, ist das Ausmustern der Altvorderen  - deren Abschieben in ein Heim auf der grünen Wiese, oft abseits des wirklichen, pulsierenden Lebens, eine eher neumodische Einrichtung. Bitter, wenn schon mal ein betroffener Mensch vom "Bahnhof zum Jenseits" spricht. Auch vollmundige und hohle Jungmenschen können alte Menschen durch Selbstüberschätzung verletzen. Wenn man sein Leben lang gedacht und gemacht hat, ist es verhöhnend und beleidigend erklärt zu bekommen, wie man das Rad erfindet. Merke: Alt ist nicht gleich dumm und Jugend kein Verdienst,  sondern begrenzter Normalzustand! Nicht ohne Grund erinnert sich unsere marode Wirtschaft wieder der jungen Alten, so Mitte 50 bis gegen 70. Deren Ausbildungs- und Erfahrungswerte, verbunden mit großer Lebenserfahrung, sind unbezahlbar. Sie sind jenseits der Heißspornigkeit und kostenträchtigeo Experimentierfreude ihrer jungen Zeitgenossen und helfen dadurch Ärger und Kosten einzusparen.  Es ist halt  doch noch kein Meister vom Himmel gefallen!

Das 'Rad der Zeit' dreht sich nicht für jeden gleich schnell, denn jeder bestimmt seinen Rhythmus. Die 'Bedächtigkeit des Alters' geht manchem ab; dann wird das Rentnerdasein zum Unruhestand! Gewiß, jeder sollte leben dürfen wie er mag und kann. Ältere Menschen mögen Reglemtierung ebensowenig wie junge. Warum also nicht mit dem Wohnmobil und Mutti an der Seite, kleine und größere Welten aufspüren? Und warum neidisch sein auf welche, denen das Jungbleiben zur Restlebensaufgabe geworden ist  - trotz heftiger Proteste ihres Körpers? Alter und Schicksal müssen nicht in die Knie zwingen, positives Denken ist mehr denn je gefragt! Die Natur aber ist dem Herrgott und nicht uns verpflichtet. ER, der Lebensspender entscheidet in jedem einzelnen Fall, was nützlich, hilfreich und gut für den Geist ist und damit hat selbstverständlich auch die Krankheit ihren bedeutsamen Stellenwert. Was auch zu tragen ist, es gilt: GOTT überlastet  niemanden,  in nichts!
Ob jene, die heute Kinder sind, dafür beneidet werden sollten, dass sie eine Lebenserwartung von 90 und mehr Jahren haben werden? Es bleibt dabei: die ewige und bleibende Jugend gibt es nur in der himmlischen Heimat,  nahe bei GOTT. Es lohnt sich demnach,  sich auf das Bleibende, das kommende Wunderbare vorzubereiten.  Das   ist  schon den Kindern und erstrecht Jugendlichen beizubringen; entwickelt sich doch jeder Mensch bereits vom Tag der Geburt an auf den Sterbevorgang zu! Was helfen da Verdrängung, Verzweiflung und Ängste? Der rechte Glaube , das Vertrauen in die Allmacht sind die einzigen wahren Lösungen. Alles andere ist Beiwerk: Gesunde und risikoarme Lebensweise, Harmonie, Humor... Der große und kluge Schauspieler, Sir Peter Ustinov, beschloss nach eigenen Worten an seinem 70. (!) Geburtstag:   "Ich  muß entscheiden, was ich mit meinem Leben tun soll!"  Seine  Frau antwortete im gleichen Jargon:  "Du hast recht, aber beeile dich nicht!"  Ja, Humor ist die beste Medizin. Wenngleich es vorbei ist mit lustig, wenn ein Mensch bereits ab Mitte der 50 von seiner Bank keinen Kleinkredit mehr bekommen soll. Die Raten könnten ja nicht mehr beglichen werden! Haben sich selbstgefällige Gehirne, die sich solche Diskriminierungen  ausdenken,  schon  einmal  überlegt,  dass  der  Tod wahrlich nicht wählerisch ist und sich Bankmenschen und andere gleichermaßen holt?
Ach was, pfeife aufs  Geld und denke daran, lieber Mensch, dass du ein vom höchsten Wesen geliebtes Geschöpf bist. GOTT bist du alles wert! ER investiert ohne Unterlaß in dich und vertraut darauf, dass du dafür ein wenig dankbar bist und zurückgibst: Liebe, Treue, Vertrauen zum Beispiel. ER gibt dir bei all deinen Zipperleins die nötige Kraft und stärkt dich in den notwendigen Prüfungen.
"Nehmen sie den Leib, Gut, Ehr, Kind und Weib, laß fahren dahin, sie habens kein Gewinn, das Reich muß uns doch bleiben" rät Martin Luther. Auch dem alten Menschen kann nur die Würde geraubt werden, wenn er es  zulässt!  Sogar GOTT der Herr mags mit Gleichmut hinnehmen, wenn Er als alter Mann mit Rauschebart dargestellt wird. Ist Er doch in Wahrheit diese einzigartige strahlende Kraft, aus der alles Leben stammt und versorgt wird  - im Diesseits wie im Jenseits.
Lasse dich also von dummen Sprüchen und Bewertungen nicht verunsichern, lieber gereifter Mitmensch. Du leidest vielleicht gelegentlich an Orientierungsverlust.  Die Orientierung hin zu GOTT aber ist dir gelungen! Und mancher jüngere Mensch kann die Orientierung nur deshalb nicht verlieren, weil er sie noch nicht hat! Perspektiviosigkeiten werden vom Alter aufgezehrt, so meine leicht philosophische Betrachtung.

Religiosität ist nicht nur für Alte. Es ist von kirchlicher Seite ungenügend eine Kollekte dafür zu veranstalten, damit beheizte Kirchenbänke angeschafft werden, weil ältere Menschen verfrorener sind. Jung und alt gleichermaßen für die 'Frohe Botschaft' zu erwärmen, ist wichtiger und erfüllt den wahren Zweck, warum man in die Kirche geht. Dies sei jedem Priesterlein ins Brevier geschrieben. Junge Menschen können nicht früh genug motiviert werden, sich vom spirituell-religiösen Element in Zukunft in Wort und Tat beeinflussen zu lassen. Nur mit GOTT ist alles recht getan! Alten Menschen hingegen sei empfohlen, die knapp gewordene Zeit vor allem zur Aufarbeitung all dessen zu verwenden, was zur Einsicht und Reue auffordert. Damit ist jede Sekunde bestens genutzt. Über 'GOTT und die Welt' und das nachzudenken, was einem dazu erklärt, weisgemacht oder verschwiegen worden ist, lohnt immer.

Das Wechselspiel der Generationen ist ins Trudeln geraten, an der Würde des Alters wird gekratzt. Schade, denn das heutige Fehlverhalten gegenüber unseren alten und in Ehren ergrauten Brüdern und Schwestern im Herrn,  wird morgen schon die Täter als Revanche treffen. Das Gesetz von Ursache und Wirkung lässt sich nicht außer Kraft setzen!
Bei manchen Naturvölkern wurden die Alten als heilig betrachtet. Na ja, soweit brauchen wir es nicht kommen zu lassen. Aber Immanuel Kant, dt. Philosoph,  wurde zu seinem 50.Geburtstag mit "ehrwürdiger Greis" angesprochen.  Und  das  war erst im 18.Jahrhundert...
Da wird es sich unsere Gesellschaft doch heute noch leisten dürfen, dem Alter wenigstens in der Form Würde und Respekt zu zollen, oder? Isch män jo bloss, Ihr gerhard krause