kirche_head2
SEND_COVER

Nr.:

0062

zurück zum

Leeres Geschwätz

  1. Anbetrachts dessen, was unsere Welt tagtäglich an Merkwürdigkeiten fabriziert, könnte es einem glatt die Sprache verschlagen. Doch die Menschheit ist nicht sprachlos geworden, im Gegenteil! Ist Ihnen auch schon aufgefallen, daß wir zunehmend in einer Bla-Bla-Gesellschaft leben? Die meisten reden nicht miteinander, sondern sie tauschen nur Laute aus. Den Unterschied muß ich nicht erklären. Wenn wieder eine der üblichen Fernsehrunden diskutiert, sollten Sie mal bewußt die Frage- und Antwort-Spielchen registrieren. Sie werden Pseudo-Dialoge erleben und merken, daß die meisten Dialoge in Wahrheit Monolog e sind. Kaum eine Frage, die wirklich beantwortet wird. Bla-Bla eben! Diskutant A stellt die Frage B in den Raum und Diskutant C redet sich mit einem Thema D heraus. Deshalb geht da selten etwas zusammen und die Verstandigungsebene kann nur holprig bleiben. Jeder aber versucht den Diskonsens dem anderen in die Schuhe zu schieben; da herrscht Einigkeit!
  2. Hinhören wäre eine Lösung gegen den interaktionellen Bankrott und nicht nur zuhören    - falls letzteres überhaupt geschieht. Auch Otto Normalbürger gebraucht in sprachlicher Verelendung immer mehr Sprechblasen! Nichtssagende Verbalismen bestimmen mehr und mehr unsere Sprache, die einst sogar für Goethe taugte. Das beste Beispiel sind Situationen, in denen man andere um Rat und Hilfe bittet.
    Lebenshilfe ist oft schwierig und es wäre kein Fehler, entweder die eigene Ratlosigkeit einzugestehen oder sich Bedenkzeit zu erbitten. Was jedoch meist geboten wird, sind billige Sprüche, die - laut einer Studie - beinahe jeder drauf hat, aber keinem helfen. Es werden nichtssagende Sprüche von Leuten geklopft, die kategorisierbar sind. Gruppe A sind die sog. "Posis" (manchmal auch Optis genannt). Sie sehen alles schön positiv! Dann gibt es die "Negis" , die nicht mit den Depris zu verwechseln sind. Negis wissen stets, wie es nicht geht und warum. Die dritte Gruppe nennen wir "Egalis" ("ist eh alles wurscht!"). Ab heute werden Sie den jeweils aktiven Typus erkennen können. Nehmen wir die Posis z.B. Während Sie in Weltuntergangsstimmung und mit hängendem Köpfchen vor einem solchen Exemplar stehen, dringt dessen Rat kräftig an Ihr Ohr: "Kopf hoch, das wird schon werden!" Man macht Ihnen Mut: "Da muß man durch!" und während Sie psychisch nach Luft schnappen, glaubt man an Sie: "Das schaffst du schon!" Ja, aber wie??
    Die Negis sind da "realistischer", knallhart und kompromißlos: "Das Leben ist hart!" Aha. Kein Raum für ein bißchen Hoffnung? Niet! "Da kann man nichts machen!" Aber könnte man nicht miteinander Problemlösungen suchen? Absage: "Nichts zu machen - nicht zu ändern!"  Nach solchen verbalen Keulenhieben, bist du wenigstens endgültig im Keller, deshalb weiß man: "Kann nur noch aufwärts gehen!" Aber das klingt schon wieder nach Posi.
    Die Egalis verstehen es lebenserfahrener zu trösten:  "Wir haben alle unsere Probleme!" Ja schon, aber... "Vergiß es!" oder "so ist das halt!" Oder vernehme ich da Mitgefühl? "Ja, das kenne ich schon!" Die Prägnantis, das sind die Kurzsprachigen, wiegen da nur "vielsagend" ihren Kopf und meinen: "Ja. ja..." oder "Jo mei!" oder "Sag bloß?!" - je nach Bundesland   , für Ihr Bemühen, das Problem zu erklären, zeigt man so etwas wie Verständnis: "Man soll's nicht glauben'". Aber das hilft Ihnen auch nix. In der Pfalz signalisiert man Solidarität die gut tut, mit dem entrüsteten Ausruf:  "Geh fort!" oder "Mach’ Sache'". Immer noch ausgiebiger als in Bayern: "Naa!" (= Nein).

    Sie merken schon, ich plaudere mitten aus dem Leben und bemühe den alten Herdspruch: "REDEN IST SILBER, SCHWEIGEN IST GOLD".

    Wie gehe ich also mit ratlosen und hilfesuchenden Menschen um? Es ist eine gute Geste, seine Hände zu nehmen, ihm mitfühlend in die Augen zu sehen und das Beste was es gibt zu empfehlen: "Lass uns zunächst ein paar Worte miteinander beten, damit uns der liebe GOTT Erkenntnisse schenkt."
    Wer freilich solche Worte scheut, wird sich weiter mit Billigsprüchen zu begnügen haben und sie als Krücken gebrauchen. Ob's   schon mal etwas gebracht hat? Urteilen Sie selbst. Eines jedoch ist absolut sicher: Mit GOTT geht alles  - lasset uns reden...

            • Herzlichst
                • gerhard krause