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0057

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Scheidungskinder

Es genügt das Ereignis des Jahreswechsels, um sich über Wohl und Wehe seiner selbst und manch anderer Gedanken zu machen. Als ich eine Zahl des Jahr 2002 betreffend lese, erschrecke ich: 195.000 Scheidungen gab es! 195.000 Ehepaare sind das,  390.000 Männer und Frauen,  deren Lebensplanung fatale Sprünge abbekommen hat. Die Kerben der Erwachsenen sind das eine, schlimmer aber ist es für mehr als 200.000 Kinder, denen das Leben einen zweiten Vornamen verleiht: Scheidungskinder!

Ob im vorletzten, letzten oder diesem Jahr, die Scheidungswelle rollt unvermindert und überrollt dabei Menschen. Das Geschehen mit "tempores et mores" (die Zeiten und ihre Sitten) abzutun, hieße vergangenen Zeitgeistern ihre Launen abzusprechen; zu allen Zeiten rissen sich desillusionierte Eheleute den Trauring vom Finger. Noch vor 50 Jahren aber   besorgten "Scheidungssachen" den Rechtsanwälten nur schleppende Zuwachsraten. Inzwischen wird bei uns jede dritte Ehe geschieden  - oder anders: Jede 3. große Gemeinsamkeit scheitert. Lassen wir die unzähligen Anlässe einmal dahingestellt  - einen guten Grund gibt es eh nicht. Unserem Schöpfer ist unsere Natur nicht fremd und so hat Er sich etwas dabei gedacht, uns das VII.Gebot aufzuerlegen: Du sollst keine Ehe brechen.
Das Ausrangieren von Menschen verschont auch nicht solche, denen einst Treue geschworen worden war; eine uralte Methode direktesten Verrates am Nächsten. Ist es verkehrt, dabei von Polygamie auf Raten zu sprechen? Das schwächste und gleichzeitig jüngste Glied in der Familie ist das Kind. Ihm sollte das Minorat gesichert sein, bleibenden Anspruch auf  beide Elternteile zu haben. Doch es wird die kleine, bislang aber heile Welt des Kindes ohne  seinen  Wunsch  zerstört!  Ihm  wird  das  angeborene Vertrauen zu Papa oder Mama ohne zu fragen aus dem Herzen gerissen und hat dieser destruktive Akt sogar einen Termin: der Scheidungstag der Eltern. Das Kind soll jetzt seine Liebe Eltern gegenüber teilen. Eltern, die es bislang als verschwöre na,  manchmal auch beschworene Einheit erlebte! Die Teilung geht weiter, denn Großeltern, Verwandte, Bekannte,  Freunde  des  Hauses  und  Spielgefährten  opponieren plötzlich, Fronten ergeben sich und Verluste sind zu verkraften . Oder das Kind erlebt die gefährliche Umklammerung einer Affenliebe (aus schlechtem Gewissen?), woraus gleichfalls Folgeschäden bzw. Spätschäden zu befürchten sind. Das alles ist für das Kind eine Katastrophe; grausamer aber, wenn die schmalen Schultern des Menschleins auch noch Enttäuschungen, Hass, Lügen und Konflikte aus dem Klagerepertoire der Eltern zu tragen bekommen. Das Kind wird als Keule benutzt und wird dadurch zur unschuldigsten "Waffe" in einem Privatkrieg,  bei dem es keinen wirklichen Sieger gibt. Dann muß das Kind mit seinen Augen und Ohren den Streit erleben und wird zum Opfer auf dem elterlichen Altar verletzter Gefühle, Eifersucht oder Bösartigkeiten. Eine der abschließenden Varianten solcher Tragödien ist das Gerangel um ein Kind. All dies hatten also im vorletzten Jahr über 600.000 abhängige und verantwortliche Menschen durchzustehen. Träume zerbarsten wie Luftballons!
Zu jedem "Fall" wird sich ein Erklärungsbedarf gegenüber dem Nachwuchs ansparen. Das sollten verkrachte Eltern nicht vergessen. Wie groß die Schuldanteile am Scheitern einer Ehe sind, weiß so recht nur der liebe GOTT. Kein Mensch schließt einen Ehebund mit Option auf Scheidung im Herzen. Doch wenn "es" passiert, sollte die gemeinsame (!) Sorge und Fürsorge um das Kind oder die Kinder wichtiger sein, als jede Auseinandersetzung.  Das Kind jedenfalls konnte nichts dafür, dass die heimische Harmonie zum Teufel ging! Ich entstamme noch einer Generation, in der man das Bild einer "heilen Welt" nach außen hin verteidigte. Da wurde eheliches Unglück noch heimlich und heftig in die Kissen geweint und der Ehezwist war manchmal eine Lebensnummer. Damals wie heute ist es einen Versuch wert, das offene und ehrliche Gespräch zu suchen. Sich gemeinsam an den Tisch zu setzen und in die Augen zu blicken, ist immer eine Chance. Zwei bewährte Regeln möchte ich zur Konfliktbewältigung beisteuern: 

1.Regel  Lasse den Partner in allem ausreden. Gedulde dich.
2.Regel  Beleidige den Partner mit keinem Wort.

Eine dritte Regel allerdings wäre die erfolgversprechendste: das gemeinsame Gebet!  Um "Mehrung der Liebe" um "Vergebung eigener Fehler und Mängel", um "Hilfe und Segen für einen Neuanfang". Oder wollen wir Heiden sein, die an nichts glauben? Die Liebe GOTTes wirkt, glaube es nur! Wenn sich eine zerrüttete Ehe wieder durch Handreichung ordnet und zumindest der gute Wille beiderseits Grundlage eines neuen Wir-Denkens wird, dann ist das nicht nur für betroffene Kinder der helle Hoffnungskomet im   Familienalltag,   sondern   ein Lichtlein mehr in geistiger Nacht auf dieser Erde.

Ich wünsche allen grau gewordenen "Kindern", vielleicht von 40 Lebensjährchen aufwärts, sie mögen ihren Eltern mit einem Riesenblumenstrauß in der Hand und große Dankbarkeit im Herzen gratulieren können  - zur goldenen, diamantenen oder eisernen Hochzeit. So es der Mensch wollte und GOTT gewährte, Ihr 
Gerhard Krause