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0054

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Reisewetter

“Sommer ade, scheiden tut weh?”
"Da haben wir den Salat" würde ich gerne sagen, doch der zog es in diesem Jahr vor, wegen Hitzschlags zu verhutzeln. Nun stellt sich die langersehnte Nachtkühle bereits am Spätnachmittag ein und treibt die Motten aus den hastig herausgekramten Strickwesten. Die späte Jahreszeit hat Saisonbeginn! Vorbei mit dem nervigen Kampf gegen Schweissbäche und tritzige Mücken in schlaflosen Nächsten. Jetzt, wo Gehirn und Lungen endlich wieder durchatmen können, seien kleine, nicht ganz ernst gemeinte Grübeleien in soziokritischer Manier erlaubt. Es geht um das deutsche Reiseverhalten im Sommer! Wegen des politisch-gestrickten Fauxpas aus dem Südland "osole mio", verpassten manche Italienfans die Abzocke einer umsatzversessenen "polizia stradale" wegen Raserei oder so.
Von Jahr zu Jahr mehren sich die Motive, warum sich unsere Mitbürger lieber einen hausgemachten Sonnenbrand auf "Balkonia" einfangen. Still und leise gelingt uns der Spagat, in puncto Reisegewohnheiten Weltmeister zu sein.  Im Ausland kommt eh keiner an uns vorbei und gleichzeitig favorisieren wir zunehmend den Heimaturlaub in Bermudashorts mit Anzugsocken. Da kennen wir keine Gnade! Wir  tanzen  demnach auf zwei Hochzeiten. Keine andere Nation schafft das. Ob deren outdoor-Urlaubsmerkmale an Inflexibilität scheitern? Beispiel Holländer, pardon, Niederländer: die mampfen ihre mitgebrachten Käsebrote immer noch am liebsten im Fichtelgebirge, brav und unbeweglich vor ihren Wohnwägen sitzend. Doch lauert neben jedem Flachländer bereits ein Berliner!
"Viva la france" brummeln unsere franzöischen Nachbarn und treten anbetrachts der Preise an der nächsten Tankstelle flugs wieder den Rückweg an. Ihre Autos aber bleiben (“créateur d’automobiles") Für die Belgier sind wir ein hastig durchfahrbares Transitland. Gespräche mit ihnen finden sich meist nur in Autobahnraststätten, vor dem Pisoire, wenn man sich gemeinsam vor dem Trinkgeldteller drückt. Sie denken wie wir! Shoking bei den Briten, wenn ich beim Überholvorgang der Mrs. Miller ins starre Auge blicke. Dabei wollte ich nur den zögerlichen Vehiclelenker sehen; doch der sitzt rechts! Für unsere Schweizer Eidgenossen  sind wir nur ein Geschäftstermin. Ausserdem können die Guten nichts bei uns kaufen  - sie haben keine Euros!!
Die Österreicher sprechen uns als Urlaubsland nur "deux points" (auf Jodeldeutsch:  "Zwoa bunkte")  zu. Warum auch sollten sie uns uns kommen, wenn wir es uns nicht abgewöhnen wollen ihre Gauen zu beehren? Die Italiener sind wohl alle auf LKW mit Ferrarimotor umgestiegen, was ich so erlebe. Aber die hätten die Hitze bei uns sowieso nicht vertragen! Andere, blonde Nordlinge z.B., kann ich deshalb nicht beurteilen, weil sie so herrlich unauffällig sind: Dänen etwa (knäckebrød) oder Schweden (smørebrød, und  die  Feineren: svenska pinka=Mammon).
Die Polen steuern uns mit einst exportierten Crashautos an (Spitzenstellung: "Golf") und bevölkern die Zeltwiesen auf Campingplätzen in Grenznähe. Sie sehen, auf alle ist Verlass. Nur beim Deutschen weiß man nicht so genau, ob er seine Currywurst lieber in der Ferne oder "bei Muttern" isst. Multi-kulti! Mal sehen, ob uns "unser" Ozonloch in den kommenden Jahren weiterhin eine eher kalt gleißende Sonne beschert. Sollten die Zeiten endgültig vorbei sein, wo die Sonne wunderbar warm und herrlich gelb vom Himmel lächelte?" Da könnte man ins Träumen kommen. Saftiggelbe Zitronen könnten wir ernten und unter deutschen Palmen (Sonderkreuzung aus Christbaum und Bananenstaude!) anderen bei der Arbeit zusehen. Unser Wetter made in germany würde  international  Furore machen. Zeitfressende, teure  und anstrengende Reisewege blieben uns erspart und Sitzstreiks, wo sich manche "den Wolf holen" (wegen neuer Landebahnen) wären Legende. Wir hätten dann jedes Klima und könnten es global vermarkten: www.wetterspaß4you.de oder so. Dann käme die Welt zu uns!

Nun begreife ich auch, warum uns seit Jahren so viele ausländische Mitmenschen "schwemmen", wie manche sagen. Weil es sich herumgesprochen hatte, wie sich bei uns die Langzeitwetterlage entwickeln würde! Für jeden ist nun etwas dabei. Sogar unsere afrikanischen Freunde brauchen bei uns sommers keine Rollkragenpullis mehr zu tragen. Prima! Jeder kann sich wirklich wie zu Hause fühlen. Zwei Dinge aber verstehe ich nicht ganz.
 

l.) Warum haben bei soviel Weltaufgeschlossenheit die "Wessis" immer noch Probleme mit den "Ossis"? Oder ist's  umgekehrt? Wo doch sogar die Bayern mit den Preußen Brüderschaft trinken! Und

2.) Warum betet kaum einer zum lieben GOTT, Er möge doch bitteschön alles wieder so werden lassen, wie es einst war? Oder soll es etwa kein Grund sein Ihn um Hilfe zu bitten, wenn nicht nur Menschen in unserer Zeit verrückt spielen, sondern nun auch noch das Wetter?

Oder wer macht das Wetter?

Isch man jo bloss, Ihr

          Gerhard Krause