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0006

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Urlaub

Du bemerkst es an den streckenweise freieren Autobahnen, an kleineren Orten, die zum Teil wie leergefegt wirken, eine ungewohnte Ruhe ist da, wo sonst Kindergeschrei vorherrscht und Freunde und Verwandte versuchst du meist vergeblich telefonisch zu erreichen. Was los ist? Es ist die Normalität des Sommers: Ferienzeit! Alle, na sagen wir mal fast alle sind verreist und das deutsche Volk verteidigt seinen Rang, weltweit die Nummer eins in Sachen Tourismus zu sein!

Waren Sie schon "in Urlaub" und registrieren verstimmt die rasch nachlassende und mühsam angelegte Urlaubsbräune? Oder haben Sie "die schönsten Tage des Jahres" noch vor sich? Wer verzichtet schon gerne aufs Reisen? Nur wenige sind bereit, ihren Jahresurlaub "auf Balkonia" zu verleben, also Zuhause. Es finden sich immer Gründe, sich den Urlaub notfalls vom Munde abzusparen: "Man gönnt sich ja sonst nichts", oder: "Einmal im Jahr brauche ich Tapetenwechsel", oder: "Den Kindern Zuliebe", oder einfach: "Weils Spaß macht" und "weil ich etwas von der Welt sehen möchte, solange ich es noch kann". Das alles scheinen gute Gründe zu sein und fast kommt man sich besonders arm und hintendran vor, wenn man das "traute Heim", oder Kurzausflüge in das nähere Umland, bevorzugt. Doch auch das gibt es noch (oder wieder!):
Armut!  Nicht jeder kann sich aufwendige Urlaubsreisen leisten. Wenngleich  Geldknappheit  offenbar  den   meisten  überwindbar erscheint, denn lt. Statistiken überziehen für die Urlaubskasse viele  kräftig ihre Konten. Sogar Arbeitslose brauchen neuerdings dann nicht auf ihre Urlaubsfahrt zu verzichten, so lese ich, wenn es mit dem Arbeitsamt abgesprochen ist. Und ich dachte schon, da wäre das Geld grundsätzlich knapp..?! Na schön, gönnen wir also allen alles und dies überall. Allerdings hätte ich diesen Artikel nicht geschrieben, wenn ich beim Hören der Nachrichten, in diesen Tagen, nicht einen komischen  Beigeschmack  bekommen  würde!  Denn  da  wird  von M-i-t-menschen berichtet, die ungleich ernstere Sorgen haben als Buchungstermine, schlechter Hotelservice, Straßenstaus oder Sonnenbrand. Es sind unsere Brüder und Schwestern auf unserer Welt, deren gesamtes Hab und Gut von schlimmen Erdbeben vernichtet wird. Es eruptieren Vulkane und glühende Lava begräbt alles unter sich. Riesige Überschwemmungen und mächtige  Flutwellen fragen nicht nach Schicksale und vernichten gründlich, was Menschen in Generationen aufgebaut haben. Katastrophen wohin man sieht in diesen Sommertagen. Menschen, die wenigstens ihr Leben retten konnten, verarmen in Sekunden, verlieren geliebte Angehörige, werden verstümmelt und psychisch schwer krank. Kriegerische  Auseinandersetzungen pausieren ebenfalls nicht und Flüchtlingsströme schleppen sich über Grenzen. Mörderische   Hitzewellen   raffen   ebenso   Menschen   hin   wie Wetterstürze, die den Sommer zum Winter machen. Was ist los mit  unserer Welt, die doch zum Urlaubmachen  einlädt? Ich meine, die Erde wehrt sich gegen den massiven Raubbau wider die Natur, gegen atomare Gewaltsprengungen, die sie zerbersten möchten, gegen Betonbetten für wilde Flüsse, gegen Chemie im Boden und Monokultur und gegen Meere, die zu Schmutztümpel gemacht werden. "Mutter Erde" schüttelt sich in hohem Fieber und friert, wenn Berge ihrer schützenden Bäume beraubt werden. "Der erste Engel blies. Da entstand Hagel und Feuer, mit Blut vermischt und wurde auf die Erde geschleudert. Der dritte Teil der Erdoberfläche verbrannte, der dritte Teil der Bäume verbrannte und alles grüne Gras brannte nieder.”(Offb. 8:7)

Überall auf der Welt brennt es. Auch geistig brennt es überall! Würde hingegen die Liebe in uns brennen, so, wie die Sommerbrände in Australien, Griechenland, Frankreich oder sonstwo lodern, dann wäre es besser für uns alle bestellt. Jedem einzelnen lieben Mitmenschen gönne ich aus ganzem Herzen seinen wohlverdienten Urlaub und die schönen, natürlichen Seiten unseres noch "blauen Planeten" mögen vielen große Freude bereiten, denn Freude ist Licht. Dennoch will ich an all unsere kummervollen Mitmenschen denken, für die dieser Sommer mit einer fürchterlichen persönlichen Katastrophe schmerzlich verbunden ist und die nur einen Wunsch haben, zu leben!

Das Geld, viel Geld, wird für den Urlaub gebraucht und es bleibt weniger für die Nothilfe. Aber Gebete für die ärmsten der Armen unserer Welt, die kosten nichts; außer etwas Überwindung und den festen Glauben daran, daß der allmächtige (und prüfende!) GOTT auch Sommertränen zu trocknen versteht und dabei immer wieder auf unsere Bitten einzugehen bereit ist. Entweder wir gehören zur vergnügten Seite, dann haben wir Grund zu danken, oder wir gehören zur betroffenen Seite, dann freuen wir uns, daß wir von anderen nicht vergessen sind. Sie wissen schon: Isch män jo bloos und grüße,

Gerhard Krause