kirche_head2
SEND_COVER

Nr.:

0035

zurück zum

Kinder dieser Welt

Vergnügen wird in Deutschland großgeschrieben, was sich besonders in der sommerlichen Reisezeit beweist. Damit unsere ach so trüben Existenzen wenigstens kurzphasig erträglich sind, propagieren Städte und sogar kleinste Marktflecken ein buntes Angebot von Freizeitspaß. Man gönnt sich ja sonst nichts... Diese Volksdevise vertreten - man staune - zuvorderst die Kinder! Die Wünsche unserer lieben Kleinen (manche sagen Nörgeleien dazu), heizen eine schier unersättliche und äußerst kreative Freizeitindustrie zu immer neuen, "cooleren" Höchstleistungen an. Was vor 30 Jahren ein Lehrling mit 8-Stunden-Arbeitstag im Monat verdiente, erhalten die meisten Kinder mal so locker nebenbei als Taschengeld - ohne Malochen. Dazu kommt das Talent unserer Junggeneration, den Eltern das Geld argumentativ oder penetrant gekonnt, häufig aus deren Spendierhosen zu leiern. Da sich die meisten Eltern selber etwas "Gutes" tun wollen, haben die Sprößlinge leichtes Betteln und das Geschäft in den Freizeit- und Vergnügungsparks, Kinogiganten und sonstigen Jauchztempeln hat Ganzjahres-Hochkonjunktur. Was sind da schon ein paar hundert Mark für die familiäre Zufriedenheit und wenn man sich dazwischen noch mit Cola und pommes-frites abfällt, ist das Spaßerlebnis perfekt. Zum Abschluß eines solchen Überlebenstrainings, lümmeln sich die Kids dann in die "3-D-Super-Megapower-Kinosessel"- stellen ihre Füße auf den Vordersitz und führen sich dann unaufhörlich neuerliche Nahrung aus Knistertüten - zur Freude aller Umsitzenden - zu. Trotz Überfressenheit liegt es kaum im Bewußtsein der kleinen Nimmersättlinge, daß es uns doch verdammt gut geht! Was Wunder wenn die Ansprüche der Superwohlstandskinder schneller wachsen als ihr Taschengeld steigt und schon sehr früh die Erwartungen einer Lebensqualität eine Dimension erreichen, die ohne Schulden (und manchmal auch Schuld) kaum zu bezahlen sein dürfte. Was ist denn heutzutage noch im Rahmen und wer stellt schon die Frage nach Verhältnismäßigkeit und Nutzen und wer stellt schon die Frage nach der Bedürftigkeit armer Mitmenschen?

Kinder sind unsere Nachfolger. Nachfolger, die (noch) nichts von den Gefahren der Maßlosigkeit, nichts vom Elend eines Krieges, von bitterer Not, kaum etwas vom Sterben und selten etwas von Krankheit wissen. Von Grausamkeiten und fürchterlichen Elend wissen eine Menge Kinder aus Afrika alles! Sie sind nicht aufs Hörensagen, nicht auf sterile bunte Filmbilder angewiesen um zu begreifen, daß diese Welt grausam und kein Selbstbedienungsladen für alle ist. Wer oder was fördert in unseren Kindern das Mitleid, vielleicht sogar ein kleines, erträgliches mit-leiden, weil der Gedanke quält, dass es eben nicht allen so "supergut" geht?! Was ist Teilnahme für sie und was Hilfsbereitschaft?
Wir Erwachsene sind gefordert, wir Wissende! In den unerfahrenen Kindern sollte ein Ausgleich, eine Sensibilität, für den Nächsten geschaffen werden. Dabei sind die Mittel für ein hilfreiches und friedliches Miteinander für die Zukunft unserer Welt so einfach. Es gilt den Kindern Bezüge zu natürlichen Gegebenhelten, zur Natur und zu positiven Emotionen zu vermitteln. Wandert mit den Kindern zu einem einsamen Feldkreuz und erzählt ihnen von der Frömmigkeit die dahinter steckt. Setzt euch mit ihnen auf die Bank vor einer Wald- oder Wiesenkapelle und lasst die andächtige Ruhe in euch einwirken. Welche Kinder wissen noch, was ein "Marterl"  ist und wer macht Lust auf einen Waldlehrpfad. Wenn schon die meisten Kirchen museengleich sind, sollten sie wenigstens für Besichtigungen geöffnet sein. Leider sind die meisten Gebäude außerhalb der GOTTesdienste geschlossen - früher undenkbar. Wo und wie können Kinder zu Besinnlichkeit geführt werden? Wie sollen sie diese laute und schrillschillernde Welt, der sie zum Fraß vorgeworfen werden, kompensieren, wenn sie nicht eine andere, eine friedliche, natürliche und geistdurchtränkte betreten lernen? Damit kann nicht früh genug angefangen werden.
Wenn Maßlosigkeit, Zügellosigkeit Egoismus und Gier Attribute moderner Lebenshaltung sein sollten, dann ist es unsere Pflicht den Nachkommen Gelegenheit zu geben, die andere Seite der Medaille kennenzulernen. Kindern eine religiöse Perspektive zu geben, für die Ehrfurcht vor dem Leben zu begeistern und die Vorteile einer persönlichen Tugendhaftigkelt aufzuzeigen sind Liebeswerke, die wir diesen kleinen und doch wohl uralten Seelen schuldig sind. Also gönnen wir ihnen die Erfahrung einer Zufriedenheit und echten Freude, die durch kein Geld dieser Welt erkauft und von keiner Attraktion Überboten werden kann. So jedenfalls män isch,
wieder einmal herzlichst Ihr Gerhard Krause