kirche_head2
SEND_COVER

Nr.:

0032

zurück zum

GOTT im Kopf

Endlich hat es die Wissenschaft an den Tag gebracht: GOTT hat eine Zweitwohnung und zwar im Gehirn des Menschen! Mit dieser neurologischen Behauptung konnte sich nun der amerik. Professor Andrew Newberg in der Hitliste wissenschaftlicher Ehrgeizlinge profilieren und der sog. "Neurotheologie" (neuro= griech. Nerven; Theologie = Lehre von GOTT) göttlichen Glanz verleihen.

Tja, da staunt der Laie und der Fachmann wundert sich über solches Ersatzdomizil GOTTes. Wenn wir in andächtiger Stimmung sind, sollen sich Hirnareale zentralisieren und ein "GOTTeszentrum" bilden. Wen interessieren schon weitere wissenschaftliche facts wie leuchtende Gehirnlappen während des Gebets, leuchtendrot?! Ich fürchte, daß kein einziger derer, die den Zugang zur Göttlichkeit bisher ablehnten, aufgrund dieser wissenschaftlichen Erkenntnisse plötzlich gläubig wird; bleibt doch die GOTTerkennung dem Wollen und der Demut des reifenden Geistes vorbehalten.

Obwohl wir doch GOTT "im Himmel" wissen (wir sagen: in himmlischer Sphäre), wird von unzähligen Menschen immer wieder die Frage nach dem Sitz gestellt. GOTT soll also das Gehirn in unseren Köpfen beehren? Warum eigentlich nicht. Ehrlich gesagt ist es mir aber ziemlich egal. Hauptsache mich durchweht der Geist GOTTes beim Gebet, wenn ich mir Worte an Ihn ausmale, wenn ich mich inspiriert weiß und wenn mich Antworten oder auch Fragen dieses liebenswertesten und wichtigsten Wesens erreichen wollen. Das sich Ihm hingebende Geschöpf wird im Geiste von GOTT berührt und du fühlst in deiner Ernsthaftigkeit im Herzen die Wärme als Zeichen Seiner großzügigen Nähe und auch im Bauch durchströmt dich Sein Lebensatem. GOTT lässt sich in der Meditation, in der Ruhe finden und führt dich die Selbstversenkung, in Frieden und Friedlichkeit. Dann wird die Außenwelt dahin verwiesen wo sie hingehört: nach Draußen. Das sind dann gelungene Momente des Lebens. Ach ja, und dann ist GOTT noch in unseren Händen, wenn wir mittels derer unsere tätige Nächstenliebe beweisen und sie für unsere schwächeren, älteren oder kränkeren Mitmenschen einsetzen. Für mich jedenfalls ist das edles göttlich, weil Albert Schweitzers gelebte "Ehrfurcht vor dem Leben" die Lehre Jesu nachzeichnet - in Not dem Nächsten beizustehen und persönliches Sich-wichtig-nehmen durch Verständnis zu ersetzen. Ganz egal, wie und wo GOTT in uns positioniert ist, solche gelebten   - wenn auch bescheidenen - Ausdrücke einer Liebe, kann nur GOTT erfunden und in uns hineingelegt haben. Geistchristen nennen dieses göttliche und lichtvolle "Baumodul" in uns sehr treffend: "Gottesfunke"! Dieser GOTTesfunke wurde bereits deinem Geist verliehen, verbleibt bei ihm und ermöglicht das Leben. Damit sind wir im Geiste auf wunderbare Weise mit dem ausgestattet, was letztendlich wieder zum Lebensspender zurück drängt: Licht zum Urlicht! Diese seligmachende Verschmelzung wird erfolgen, wenn wir unseren ach so langen Pilgerlauf beendet haben werden. Für dieses höchste aller geschöpflichen Ziele und die größte aller geschöpflichen Freiheiten hat GOTT ein wenig - und doch ausreichend - in uns Platz genommen. Keine Schlechtigkeit und kein Getöse dieser Welt und keine ihrer raffinierten   Anfechtungen vermögen etwas an dieser lichtgetragenen Symbiose: Schöpfer-Geschöpf etwas zu ändern! Lassen wir uns nur nicht über diesen Siegeslauf Christi täuschen, der letztendlich alle gefallenen GOTTeskinder wieder mit dem Allmächtigen versöhnen wird.

Freuen wir uns doch einfach darüber und rufen wir ab sofort schnell und oft gedankenlos ausgesprochene Verbalismen, wie "GOTT sei Dank!" bewußter, würdiger aus. Gerade weil Christus mit diesem Erlösungswerk an uns beauftragt und nie weit ist, wenn uns die Liebe GOTTes streift, soll Martin Buber, der jüdische Philosoph in diesem Artikel das letzte Wort haben: 'GOTT wohnt nur dort, wo man Ihn einläßt."

Na denn: Herzlich willkommen, wo immer Du, Herr, in mir sein möchtest. Da bekommt das alte Gebet: "Lieber GOTT, sei unser Gast..." doch gleich eine ganz neue Bedeutung; so Jedenfalls män isch, wieder mal Ihr

Gerhard Krause