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0004

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Wieder jemand gestorben...

Da steht man morgens auf und beginnt einen Tag, der wie jeder andere zu werden verspricht. Vielleicht schaust du aus dem Fenster, überblickst eher gedankenlos die nachbarlichen Häuser, nimmst das Vertraute in dir auf und findest diese Welt auch heute mehr oder weniger schön. Die Gläubigen unter uns brachten es immerhin fertig, unserem Herrgott ein hübsches Morgengebet anzubieten und mögen sich dadurch etwas wohler als jene fühlen, deren erste Gedanken sich vorauseilend mit den kommenden Alltäglichkeiten beschäftigten.

Und dann passiert etwas! Es passiert nicht irgendwo, sondern ganz nahe, in deiner Nachbarschaft. In einem kleinen Ort ist im Grunde jedes Haus die nahe Nachbarschaft. Es ist etwas passiert, was dich jäh aus deinen wichtigen oder unwichtigen Tagträumen reißt und dich nicht unbeeindruckt lässt. Es rüttelt an dir! Was ist geschehen?
Nun, ein Mensch ist gestorben, wie auch immer. Nicht irgendeiner, nein, ein Mitmensch den du kennst, dem du schon unzählige Male begegnet bist, der mit dir in diesem Ort lebte und jahrelang das Orts geschehen mit dir und allen anderen Einwohnern teilte. Es ist da plötzlich Jemand aus dem Leben gerissen worden, dem du schon oft in die Augen geblickt hast, dessen Gedanken sich bestimmt schon mit dir beschäftigt haben, so wie deine sich gelegentlich mit ihm. Aus mit den Gedanken und Gefühlen, nie mehr Blickkontakt, aus mit der Gemeinschaft, mit der Nachbarschaft, keine Begegnung mehr! Von heute auf morgen ist da plötzlich ein Loch! Du wirst nachdenklich...
Möglicherweise waren wir mit unserem Alltagskram derart beschäftigt,daß da kein Raum für zwischenmenschliche Beziehungen blieb. Dann lohnt es sich genau darüber nachzudenken. Ich glaube an GOTT und deshalb glaube ich nicht an Zufälle. Menschen begegnen sich nicht einfach so und leben nicht zufällig in einer gemeindlichen Kommunität.
Vor allem dann nicht, wenn sie länger oder intensiver miteinander zu tun haben. Nachbarn sind uns nahe. Sie leben im gleichen äußeren Rahmen wie wir. Sie haben den gleichen Ort zur Heimat, genießen die gleiche Verwaltung, die gleiche Infrastruktur, müssen den gleichen Tratsch über sich ergehen lassen, erleben die gleiche Geräuschkulisse der Straße und tausend Dinge mehr. Genau wie du! Wird dann so ein, Ortsmitglied, Nachbar, Bekannter, Freund, Mitchrist, einfach ein Mitmensch aus unserer Reihe gerissen, dann bietet dieses ernste Ereignis eine großartige Gelegenheit, doch einmal - in memoriam - über unser Verhältnis zu ihm nachzudenken. Dies könnte lehrreich sein.

Wie stand ich zu diesem Menschen? War ich für oder gegen ihn? War ich freundlich zu ihm oder wenigstens höflich? Hatte ich je ein Lächeln für ihn übrig? War ich hilfsbereit, zuvorkommend oder war mir dieser Mensch völlig egal und ich ließ es ihn spüren?

Nun, dieser Mensch ist tot. Gestorben! Nicht mehr da! Zu spät für deine Bemühungen! Nein, lieber Christenmensch, nicht zu spät. Auch jetzt hast du Gelegenheit, etwas für ihn, für seine Seele, zu tun! Jetzt kannst du dich bei GOTT über die Bekanntschaft, über die Freundlichkeit dieses Menschen bedanken. Ja, ich grüße dieses Geschwister im Jenseits. GOTT wird's schon ausrichten, denn es ist gut gemeint. Und unfreundliche Zeitgenossen können dein Gebet sowieso gebrauchen, oder? Solche  Gesinnung ist weit kostbarer als das, mit einem Mitmenschen auf irgendeiner Feier mal das Glas gehoben zu haben. Das ist geistiges Gemeinwohl. Gute Gedanken und Gefühle haben einen hohen Stellenwert und können dem Nächsten dienen. Aber solche guten Taten sind nicht so auffällig. Wer diesen Nutzen nicht begreift, hat noch einiges zu lernen. Wer weiß, vielleicht siehst du ab heute die Menschen deiner Umgebung mit anderen Augen, nämlich mit dem Herzen, an? Denn schon morgen kannst d u anderen fehlen. Weißt du es? .... Isch men jo bloss.  Wie immer. Ihr Gerhard Krause