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0025

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Lebensmüde

Wenn ein Mensch unwiderruflich aufgibt, wofür er seit seiner Geburt mit buchstäblich jedem Atemzug gekämpft hat; sein Leben, dann ist das sein persönlich größtes Drama.

Wir sprechen von Selbstmord, oder Suizid, wie die Experten dazu sagen. Wann immer ich vom Suizid eines Mitmenschen erfahre, versetzt es mir einen Stich ins Herz. Meine Beurteilung erfolgt zweifach: als Psychologe und als Priester; und aus beiden Perspektiven erkenne ich höchst ungünstige Ergebnisse, sprich Folgen für das sich selbst mordende Geschöpf und seine Seele! Der Volksschauspieler Max Grießer, dieses bayerische und stets grantelnde Unikum, ist - nach dem Schlagersanger Rex Gildo - das vorläufig letzte prominente Opfer. Ja, Opfer! Opfer der Gesellschaft oder irgendeines Drucks, Opfer von Ängsten, Eitelkeiten, Enttäuschungen oder seiner selbst?! Was riß diesem "immer fröhlichen Menschen" diese Maske herab, daß er in diesen alarmträchtigen Ausnahmezustand verfallen konnte? Was ging in diesem Zeitgenossen vor, als er - direkt nach einer Hochzeitsfeier im Verwandtenkreise - in den Keller des Hauses ging (wie symbolisch!), um sich den Gürtel zur Selbststrangulation um den Hals zu legen?! Mein Gott, was nur mag ihm und Gleichhandelnden in solchen Momenten, wo sie Hand an sich legten, durch den Kopf gegangen sein? Irrsinnige Panik? Absolute Leere? Was?

Wo ist da GOTT? ER ist schon für sie. für uns alle da; doch wird ER, der alleinige Herr über Leben und Tod, nicht alle Hände festhalten, die bereit sind sich gegen Seine Gesetze zu wenden. Da ist sie wieder, die Sache mit dem freien und mißbrauchbaren Willen des Menschen. Dabei hat GOTT es uns schon strukturell relativ leicht gemacht, unser Leben zu behüten: denn des Menschen stärkster Trieb ist der der Selbsterhaltung! Deshalb ringen, kämpfen und flehen wir gewöhnlich um unser Dasein und wer es uns zu nehmen droht, ist unser Todfeind! Ist also der Selbstmörder etwa sein eigener Feind? Womöglich ja. Denn er mag sich ja nicht in seinen Depressionen, destruktiven Gefühlen, Selbstverachtungen, Schwächen, Hilflosigkeiten oder Mystiken. Und was man nicht mag, vielleicht sogar haßt, neigt man zu vernichten...

Max Grießer soll unter Depressionen und Wahnvorstellungen gelitten haben, heißt es. Ich war lange genug Therapeut um zu wissen, daß der Mensch selten von sich aus in den Schwermut flüchtet. Demnach ist es unsere Welt. seine Umwelt und Lebensumstande, die ihn in eine innere, schier unerträgliche Isolation zu treiben vermag! Doch wie geht unsere Gesellschaft, wie gehen wir selber mit dem Nächsten um? Jeder kann es erleben: Unsere Welt ist zum Tollhaus geworden und billige Veralberungen auf Kosten anderer und krasse Respektlosigkeiten sind zur bitteren Würze einer erbärmlichen Brühe namens Rücksichtslosigkeit geworden. Wer hat schon Lust und nimmt sich die Zeit für gute, zwischenmenschliche Gespräche? Wer schon wendet den Blick vom eigenen Bauchnabel und kümmert sich um andere und deren Sorgen? Oh es gibt viele Max Grießers, über die viele etwas lange zu lachen haben, bis diesen Unterhaltern irgendwann selber das Lachen vergeht.

Wenn sich ein Mensch selber "entleibt", wie es die Alten nannten, dann allerdings ist dies für die Seele eine pure Katastrophe! Unser Körper ist eine Leihgabe GOTTes und wir haben kein Recht unser Leben auszulöschen. Nach Selbstmord erfährt der Geist als Seelenträger, im Jenseits diese besondere Qual auch der letzten, irdischen Momente und wird sich wohl in höchster Verzweiflung mit diesem Kardinalfehler des Lebens konfrontiert sehen. Bei aller vorstellbaren Barmherzigkeit, Gnadenbereitschaft und Gerechtigkeit GOTTes, der gewiß sämtliche Hintergründe einer solchen Tat zu berücksichtigen weiß, durfte Selbstvernichtung wohl kaum von Ihm belohnt werden.

Der Gläubige weiß sich vor tatsächlicher Überlastung behütet. Jede fest vertrauende Religiosität baut auf die GOTTgesetze. "Du sollst nicht morden" bedeutet ebenso "Du sollst nicht Selbstmorden"! Die Herausforderungen des Lebens überprüfen, worauf wir unser Vertrauen setzen; auf die weltlichen "Problemlöser" oder auf den. dem kein Problem unlösbar ist: GOTT. Wohl dem, der sich über ein stabiles Glaubensgefüge Hilfen und Helfer zur Seite holt. Allerdings steht es jedem frei, sich dessen zu versichern, indem er sich mit seinen Sorgen bis zu GOTT durchschlägt.

Zu viele Zeitgenossen wie beispielsweise der große Schauspieler Maria Adorf gibt es, nach deren Meinung "danach nichts mehr" kommt. Geboren, existiert, erlöscht, aus..!? Käme aber danach doch noch etwas, so der Mime, Ließe er sich überraschen. Ich denke, in den meisten Fällen dürfte die Überraschung groß sein und bestimmt ist es klug sich an die alte Weisheit zu halten, daß die Zukunft nicht zu fürchten braucht, wer sich gut vorbereitet. Wer ist der nächste potentielle Selbstmörder? Wo ist der nächste hochverzweifelte und außer sich seiende Mensch, der doch in Wahrheit nur leben möchte? Aber man lässt ihn nicht, weil man ihm das Verständnis versagt. Immer scheint die eigene Welt zu bedeutsam, um dahinter die scheinbar unwichtigen Weltchen der anderen entdecken zu können...

Vielleicht kennst du den Nächsten, der sich in das Fiasko verstrickt und dringend deine Hilfe brauchte? Der Nachbar, Freund, Arbeitskollege oder jemand, mit dem du soeben noch beisammen warst? Augen und Ohren sollten wir aufsperren, und unsere Herzen! Das Zeichen, der Schrei nach Hilfe darf nicht unbemerkt bleiben. Möchte doch keiner dazu beitragen, daß sich jemand "wegschafft", weil Gleichgültigkeit und Desensibilität den Todesstoß erlaubten. Mitverantwortung in unserer Gesellschaft ist nicht leicht. Leichter ist es da, zum Freund oder gar Lebensretter zu werden. Das Jesus- Rezept funktioniert immer und überall: "Liebe deinen Nächsten

wie dich selbst". Der Herr kennt auch die Guten unter uns, die "fleißigen Engel" unserer Welt, wie ich sie nenne und zu denen wir gehören können. Aufmerksamer Einsatz kann Leben erhalten helfen und da lohnt sich doch jeder Versuch und Aufwand, so man isch, oder?

Herzlichst, Ihr Gerhard Krause