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0003

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Getratsche

"Zu den Pharisäern gehörte ein Mann namens NIKODEMUS. Er war einer der führenden Männer unter den Juden. Er kam bei Nacht zu Jesus (...) "

Das 3. Johanneskapitel berichtet da über einen Menschen, der sich des nachts seine Antworten von einem Mann holte, dem er tagsüber aus dem Weg gegangen wäre. Ob solchen Verhaltens, spricht man heute noch von einer "Nikodemusseele". Worauf es mir ankommt ist der interessante  Umstand, daß sich nach wie vor nachts mehr Heimlichkeiten abspielen als am hellichten Tage. Dies hat gewiß seine - nicht immer guten - Gründe!
Wenn du, wie ich, in der Seelsorge tätig bist und auch Lebensberatung von dir erwartet wird, dann hast du den Finger am Puls gemeindlichen Geschehens! Du weißt einfach, "was läuft". Auch unter uns gibt es Menschen, die den Schutz der Dunkelheit nutzen, um sich in das Haus des Ratgebers, Trösters, Mahners, Lehrers oder einfach Gastgebers zu schleichen. Es kommt ganz darauf an, welche Rolle sie dir zugedacht haben. Ich kenne das zur Genüge und frage mich, wovor die Dunkelheit denn "schützen" soll? Ich denke, sie schützt nicht selten vor dem eigenen schlechten Gewissen. Wer nichts zu verbergen hat, kommt offen! Aber es "munkelt" sich besser, wenn sich der Tag zu Ende neigt und es ist, als wolle man manchen "Tratsch und Klatsch", oder so manche  verbale Unanständigkeit, mittels der Dunkelheit vernebeln; damit nicht so klar wird, wer wann und warum wie und was gesagt hat!
Achte mal in den kommenden Sommermonaten auf die lauen Abende. Dann treffen wir uns alle wieder, irgendwo, an den Straßen und Wegen, Zäunen, Höfen und Ecken. Da stehen wir in kleinen Grüppchen beisammen und los geht's mit dem Gerede! Warum auch nicht, ist doch die Kommunikation, besonders der kleinen Gemeinde, oft von solchen Gelegenheiten und Gewohnheiten abhängig. Doch bitte, lieber Christ, achte mal auf deine Worte, ob sie "koscher" sind?! Ich habe hier im Ort schon gehört: "Die ist  doch lesbisch", "der ist doch nicht ganz sauber", "die ist bestimmt eine Grüne", “vor der kann man doch keinen Respekt haben”, “das ist doch keine Ehe mehr”, “die haben bestimmt was zu verbergen”, “also die Kinder mußt du dir mal anschauen”, “die ´do owwe´ sind komische Leute” und “do ‚‘unne‘ ist wieder was los!”
Kennen Sie solche oder ähnliche Gesprächsfetzen? “Doch kein Mensch vermag die Zunge eines anderen zu bändigen. Sie kann zu einem zügellosen, unheilvollen Ding werden, das mit tödlichem Gift angefüllt ist.”(Jak. 3:8). Richtig! Keiner von uns kann letztendlich dem andern “‘s Maul stopfe”, wie der Volksmund sagt. Das müssen wir mit uns schon selbere machen und das sollte uns doch nicht so schwehrfallen. Denn jeder, du und ich, wir alle, wollen doch im Grunde unserer Herzen Frieden und Harmonie und nach Möglichkeit Übereinstimmung in uns und um uns herum haben. Stellen wir uns nicht auf die armselige Stufe derer, die nur heimlich, wenn´s dunkel ist – und dann auch nur vom Hörensagen – was “wissen”; und das über Mitmenschen, die sich nicht wehren können oder nicht wehren wollen!
Kindenheim ist nicht die Welt, aber die Welt ist wie Kindenheim: Überall gibt es auch solche anständige Mitbürger, die wirklich nur sagen, was sie selbst gesehen oder direkt mit angehört haben. Denn üble Worte sind wie in den Wind gestreutes Heu: Du kannst es nicht mehr einsammeln und stehst sich in Verantwortung dafür! Und unser Herrgott sieht nicht nur alles, sondern hört auch genau hin... isch män jo bloss.

Ihr Gerhard Krause