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0018

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Jesuskind mit Bauchschmerzen

 Millenium – ich kann diesen Begriff fast nicht mehr hören – versetzt die ganze Welt in Aufregung und es scheint kein Ei, keinen Kugelschreiber oder keine Zeitschrift mehr zu geben, was nicht von diesem Jahrtausendereignis eingefärbt wäre. Ehrlich gesagt, mich lässt's relativ unberührt, weil ich doch weiß, wie wenig in Wahrheit Zeit bedeutet!   Wer sich ein wenig mit biblischen Grundereignissen beschäftigt, wird schnell Jeglichen Respekt vor den schlappen 2000 Jahren unserer Zeitrechnung verlieren. Abraham lebte ca. 2000 Jahre vor Christi Geburt und verpasste die Sintflut soeben mal um knappe 1000 Jahre. Mose schwamm 1500 Jährchen vor des Herrn Geburt im Binsenkörbchen auf dem Nil. Was also sind 2 Tage vor GOTT (denn vor IHM sind tausend Jahre wie e i n Tag!) gegen die rund 4 Milliarden Jahre, auf die unsere Erde geschätzt wird? Es muß uns deshalb kaum aufregen, wenn am 31. Dezember um Mitternacht wieder die Kirchenglocken mit einer Heftigkeit bimmeln, als wollten sie alle häßlichen Töne des vergangenen Jahres vergessen helfen.

 Schade nur, daß das eigentliche Hochfest der Geburt Jesu in diesem lautstarken Rummel um das neue Jahrtausend unterzugehen droht. Keiner sollte übersehen, daß wir ohne diese Menschwerdung Christi, nun dieses Datum des 1.Januar 2000 nicht feiern würden. Beinahe alle Kalender dokumentieren ihre Zeitrechnung nach ihm - und das ist gut so. Bis die gesamte gefallene Schöpfung wieder in der Herrlichkeit der Himmel ihren alten Platz eingenommen hat, wird die Feier der Geburt Jesu das überragende Heilsereignis bleiben. Dieses irdische Erlösungswerk, das im Stall von Bethlehem seinen ersten Ausdruck fand, bleibt unersetzbar und einmalig! "Christ ist geboren" - der Messias betrat die Welt und nichts und niemand ändert etwas an dieser Tatsache. üblicherweise verhält sich die Menschheit modernen Lügen und Täuschungen gegenüber erschreckend schwach. Nur scheinbar leben wir in einer Zeit. wo Humanität und Großzügigkeit überwiegen. Durchschaut man die Masken, entdeckt man die Regentschaften ausgeprägter Egoismen. Selten zuvor wurde Eigennutz unverblümter und phantasiereicher kaschiert als heutzutage. Falsche Töne und täuschende Bilder werden nur raffinierter schmackhaft gemacht. Wenn Schecks - so groß wie Zimmertüren- in die Fernsehkameras gehalten und als "gutes Werk" ausgewiesen werden, dann winken steuerliche Abschreibungen und werden Eitelkeiten gestreichelt. 'Wer angibt hat mehr vom Leben' scheint für viele die Devise; doch damit haben sie ihren Lohn bereits auf Erden geerntet...

Die wahre Uneigennützigkeit spielt sich anders und woanders ab. Es sind die vielen unbekannten Mitmenschen mit Herz. die es "sich sauer werden lassen" - wie es die Bibel nennt. Sie helfen still und bescheiden und ohne jeden Showeffekt in Kenia, Kambotscha, Bangladesch, Guatemala oder sonstwo auf der Welt und setzen selbstlos ihre Arbeitskraft, Gesundheit und Mittel ein, um die Liebesgebote lebendig zu erhalten. Oder sie greifen zum Portemonnaie, um die eine oder andere Mark in unspektakuläre Armenhilfe einzugeben. Hörst du nicht den störenden Unterton, wenn zum Christfest "süsse die Glocken erklingen"? Es ist das Klageweinen unzähliger Kinder aus allen Ecken unserer Welt. Auch am 24.Dezember hungern, frieren und darben sie und drehen resigniert in Kranken- oder Straßenbetten ihre beladenen Rücken einer Welt zu, die im Glimmer verkommt und sie nicht kennen will.

Nicht etwa daß ich Ihnen den Appetit auf den Weihnachtsbraten verdrießen möchte. Nein. In Dankbarkeit und Freude und dem Bewußtsein, doch ein gut Stück auf der Sonnenseite des Lebens gelandet zu sein, sollen wir genießen was wir zu brauchen glauben. Und es geht darum, daß im Grunde keiner, schon gar kein Kind, zu weinen brauchte, wenn jeder seine Möglichkeiten und Mittel ehrlicher, gerechter und sinnvoller einsetzen würde. Hunderttausende verzweifelte Kinder haben nichts davon, wenn wir uns um geschnitzte Krippenfiguren scharren und das Tollhaus "Welt" zu Silvester einen lustigen 'Tag der offenen Tür' anbietet. Wenn schon alles im neuen Jahrtausend anders sein soll, dann bitteschön auch die Gleichgültigkeit und Borniertheit, wie sie selbst großen Kirchen eigen ist. Wenn für die Restaurierung einiger Deckenbilder, welche vor 2 Jahren durch Erdbeben in der Basilika zu Assisi zerstört worden waren, über 72 Millionen DM investiert wurden, dann ist es eine gehörige Unchristlichkeit, daß schon ein Dorf nebendran nicht ein Pfennig obdachlosen Familien mit Kindern, deren Behausungen zerstört sind, in die bittenden Hände gedrückt wurde. Das ist Ausdruck einer Doppelmoral, wie sie in unserem Jahrhundert bis zur Perfektion betrieben wurde und wird. Jeder von uns könnte solche unrühmlichen Beispiele bestimmt aus eigenem Wissen ergänzen...

Das Jesuskind hat Bauchschmerzen ob solcher Zustände und wir sollten daran gehen, ihm wieder Grund für ein Lächeln zu geben! Wer nichts besitzt, hat noch sich selbst! Ist unser symbolischer Weihnachtsteller nicht reichlich mit besonderen Gaben gefüllt, als da sind: Gesundheit oder weniger Schmerzen. Versorgung, liebe Mitmenschen, die Gabe der Glaubenskraft, innerer Frieden u.v.m.? Daraus können wir schöpfen und gute Gedanken, Gefühle, Worte und Taten weitergeben. Mitmenschlichkeit, die jeder üben kann.

Wenn auch das Zeitgeschehen in seiner immer unmoralischer werdenden Freizügigkeit und einem lächerlichen Imponiergehabe unverändert den Schritt in das nächste Jahrtausend wagen wird, dann sollten Sie und ich uns nicht irritieren und uns nicht den Blick auf GOTTes menschgewordene Barmherzigkeit, Jesus Christus, verbauen lassen. Denn dann bleibt uns der Dank und die unguten Stürme vor unserem Fenster berühren uns am sog. "hl. Abend" nicht und bleiben draußen. Wenn uns dann die GOTTesboten so antippen, wie sie es einst bei den Hirten auf dem Felde, nahe bei Bethlehem getan haben, dann wird es eine besinnliche Nacht in Jener besonderen Stimmung aus leichter Wehmut und dem Gefühl einer unbestimmten inneren Heiligkeit. Dann hat auch dir Jesus Christus in Freude darüber zugelächelt, daß seine leise aber liebevolle Sprache in deinem Herzen Anklang fand.

"Stille Nacht, heilige Nacht", das wünsche ich dir. lieber Mensch und daß die Wirkung dieses wundervollen Ereignisses das Getöse um den Jahreswechsel überdeckt. Denn was immer diese Welt dir anböte, es könnte niemals ersetzen, was du zum Heile deiner selbst in dir trägst: die harmonische Übereinstimmung mit dem Willen GOTTes. Daraus sei der Friede mit dir!

FROHE WEIHNACHTEN und ein gesegnetes neues Jahr in allem Guten.wünscht, wie immer Ihr

Gerhard Krause