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Nr.:

0155

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Wird unsere Welt immer unerträglicher? Leiden Sie etwa unter der Art, wie Menschen miteinander umgehen? Gerade weil sich die meisten von uns einen verträglichen Charakter zuschreiben und ihre Ruhe haben wollen, enttäuscht sie manche Härte und Kühle von anderen. Daraus ergeben sich schnell ein gereizter Ton und das Gefühl, sich verteidigen zu müssen. Und schon ist man in die Opferrolle geschlüpft! Verständnislos wird über unvereinbare Meinungen, vermeintliche Attacken oder Unzumutbarkeiten der Kopf geschüttelt; was ist das für eine Welt?!

Nicht wenige bedrückt diese verbreitete Atmosphäre und Umgangsstimmung einer Gesellschaft, die sich selbst in egoistische Zellen hineinhetzt: Ich bin Ich! Wie sehr Rücksichtslosigkeit das Massenverhalten prägt, vermag ein jeder sofort im Straßenverkehr zu erkennen: Selbst völlig harmlos und konservativ aussehende Mitbürger mutieren zu Raubwölfen und dirigieren mit PS-Peitsche ihr Gefährt am liebsten durch alle anderen hindurch! Rücksicht? Keine Zeit, keine Lust, warum auch - wer nimmt denn Rücksicht auf mich?

Menschen reden weniger miteinander, schauen sich nicht in die Augen, sind nicht mehr gespannt auf das Wesen des anderen. Wie sollte da Nächstenliebe entstehen oder sich entwickeln können? Technische Werkstücke, die sich ironischerweise "Kommunikationsmittel" nennen oder Unterhaltungsprogramme liefern, spalten das Miteinander und fördern die Isolation. Das Ich findet nicht mehr so leicht das Du! In dieser "Suppe" schwimmen unsere Kinder; was wundert es uns, wenn diese "Kleinen" bereits ihr Terrain abstecken, glauben sich gegen Eltern, Erzieher und die Welt verteidigen zu müssen, kaum dass sie verlernt haben in die Windeln zu machen?!

Wer darunter leidet ist meistens älteren Kalibers. Älterwerden scheint das seelische Häutchen zunehmend zu sensibilisieren, zumindest nimmt die Konfliktscheu zu, wo man früher aufgebraust wäre, schweigt man. Wer positiv ist, schreibt diese Entwicklung der 'Weisheit' zu, doch in Wahrheit sind es meistens Schwäche und Resignation - die Unerbittlichkeit und Frechheiten werden schlichtweg hingenommen und was bleibt ist der i nnere Protest.

Leidensdruck fördert Schlaflosigkeit! Doch als Psychologe erkenne ich als Verursacher nicht die Aktionen und Konfrontationen von außen, sondern die Befassung mit eigenen Reaktionen halten uns im Stresszustand und rauben uns den inneren Frieden! 'Was hätte ich anders, besser, wirkungsvoller machen können, sollen oder müssen' ist eine der quälenden Hernach-Fragen. Als Ergebnisse warten Selbstvorwürfe, Unzufriedenheit, radikale Ideen oder das Gefühl "schon wieder" versagt zu haben. Den engen Verliereranzug anzulegen, beschert Druck, Seelenlast, Selbstzweifel und macht krank!

Zur sinnvollen und förderlichen Selbsterkenntnis gehört unbedingt die sachliche Gelassenheit - den rücksichtsvollen Umgang mit sich selbst, ohne sich permanent "in die Pfanne zu hauen", der Welt Absolution zu erteilen und sich selbst zu schlachten. Es ist keine sehr gute Welt, die da draußen, deshalb sei wenigstens gut zu dir - aber auch ehrlich und nüchtern und immer in der Motivation, den Mitmenschen wenigstens kein Schaden sein zu wollen.

In der Skala der Grundbedürfnisse rangieren Anerkennung und Beachtung ganz oben. Die Mitwelt aber spielt uns da nicht in die Karten. Also bleiben wir auf unseren Erwartungen sitzen, fühlen uns unverstanden, schlimmer noch: übergangen! Doch wie willst du das ändern? Du kannst die Welt nicht zerbrechen und neu zusammensetzen, aber du kannst deine Anspruchshaltung, dein Wunschdenken und deine Vorstellungen verändern, denn womöglich sind deine Erwartungen s o nicht erfüllbar, weil wir pro domo - stets in eigener Sache denken. Der Versuch, andere begreifen zu wollen (verstehen ist etwas anderes für mich!), räumt mir Chancen des Zugangs zum anderen ein. Ich sollte den Menschen da abholen, wo dieser steht und nicht gekränkt reagieren, wenn ich spontan unliebsame Reaktionen erfahre! Das, was ich da sage, ist wie eine verbale Berührung, die unerwartet geschieht und als missliebig bewertet wird. Also "zuckt" der Gesprächspartner unwillkürlich und reagiert dezitiert. Wer klug ist, bleibt aber konziliant, versöhnlich und anstatt Öl ins Feuer zu gießen und ein konfrontatives Temperament auszuleben, bleibst du ruhig und baust eine Brücke zum Nächsten.

Wenn du einem anderen einen Nadelstich versetzt und dieser überrascht aufschreit, bist du über diese Reaktion ja auch nicht beleidigt, oder?

Der Menschheit in ihrer Vielfalt das Kleid einer Einheit überzustreifen, wird wohl niemals gelingen. Diese Einigkeit im Kleinsten und im Größten wird erst dann stattfinden, wenn wir uns alle als Glieder im geistigen Leibe Christi wiederfinden. Dann sind wir von der einen, reinen Liebe des Herrn durchblutet und begreifen, was Liebe ist und vermag.

Dieses Aufblühen im Gemeinschaftsgeist aber kann bereits hier auf Erden geübt werden. Eine harmonische Grundhaltung, freundliche Einstellung zu den anderen, die Verinnerlichung des Wesens Jesu Christi, verbunden mit der Frage: "Wie hätte e r gehandelt?" und eine Gottesliebe, die den eigenen Geist magnetisch zur Höhe führt, all dies zeichnet einen ehrenhaften und bemühten Weg des Christenmenschen aus. Und dieser Weg ist der, der uns über die freikirchliche Gemeinschaft ermöglicht wird. Danke, lieber GOTT.

Geduld ist eine Tugend, die jedem möglich ist. Verständnis gelingt nur mit einer gebührenden Portion Einfühlungsvermögen. Vorurteilslosigkeit gelingt dann, wenn der eigene und erhöhende Sockel verlassen wird. Vergebung aber ist pure Selbstüberwindung, denn das eigene Ego möchte sich so gerne und generell im Recht sehen...

Verzagen wir also nicht über die Welt die ist, wie sie ist, sondern nehmen wir sie wie sie ist und investieren wir uns in sie als Lichtpunkte, dann hellen wir das Dunkel von Innen heraus auf und Felsen menschlicher Verharschung zerbersten. Baue dich zu einer unzerstörbaren, lichtvollen Bastion auf und bevorzuge die Kunst der Abwehr und nicht die des Angriffs. Doch bleibe wachsam, denn Luzifer und seine Meister der Spaltung schlafen nie und tarnen sich: "Trau, schau wem!" Dazu gehört die Erfahrung: "Schmeichler sind wie Katzen, die erst schnurren, dann kratzen!" GOTT der Herr möge unsere Augen und Ohren freihalten, zur Erkennung des wahren Geistes.

Gerhard Krause