kirche_head2
SEND_COVER

Nr.:

0154

zurück zum

“Heilig” à la carte

Des Petrus fromme Gebete führten zu einem lehrreichen Freigang seines vom Körper gelösten Geistes: "Er sah den Himmel sich öffnen, und einen Behälter herabkommen; dieser glich einem großen Stück Leinwand, das an Bändern, die an den vier Zipfeln befestigt waren, auf die Erde herabgelassen wurde. Darin befanden sich alle Arten vierfüBige und kriechende Tiere der Erde und Vögel des Himmels. "

Petrus war hungrig, und dann diese Vision mit ernährungsphysiologischem Anstrich und dann auch noch: " Stehe auf, Petrus, schlachte und iß!"

Es ging also um Nahrungsaufnahme und ein besonderes Angebot, und weil wir alle Esser sind, geht dieses Ereignis uns alle an.

Wir leben in einer Zeit der bewußten Andersheit, wo Gleichförmigkeit, Meinungskonsens und konservative Lebensführung vielen langweilig erscheinen. Die Individualität soll von einem Lebensstil profitieren, der eben anders ist, und das schließt auch Essgewohnheiten nicht aus! Jeder schwört auf seine Sicht der Dinge und hält die eigene Anschauung für das Nonplusultra. Wenn dann das Thema Ernährung auch noch zur Glaubensfrage wird, kann nur Empörung, wie die des Petrus, laut werden: " Herr, das sei ferne von mir!" Dessen schon mit der Muttermilch eingesaugte Haltung, wie sie im Volke üblich war, hatte solch einen Speiseplan zu ächten und es bedurfte der Erklärung: "noch nie etwas Unheiliges und Unreines gegessen" zu haben.

Wenn man des Apostels Weigerung rein auf den Fieischgenuß reduziert, dürften sich Vegetarier und erstrecht Veganer dem Chor einfügen. Aber es geht ja um ein grundsätzliches Verhaltenselement aus religiösen Gründen, wohlgemerkt. Gibt es denn wirklich Menschen die der festen Ansicht sind, die Qualität der Seele ließe sich durch Fleisch - genossen oder verweigert - verändern? Hängen Gut und Böse damit zusammen? Gewiß, Schweinefleisch beispielsweise, so erklären Wissenschaftler, sei ungesund und als Psychologe weiß ich, dass bestimmte Lebensmittel tatsächlich das Stimmungsbild negativ beeinflussen können. Auch beeinflusst die Ernährung unser Od, wie wir Geistchristen wissen, doch der Reinheitsgrad unseres Geistes schert sich nicht um geschmackliche Bevorzugungen, und braucht weder Fleischliches noch Pflanzliches um sich zu verändern. Damit wir uns nicht mißverstehen: die Überzeugung eines jeden Einzelnen bleibe unangetastet - soviel Toleranz muß sein! Völlig überflüssig also der geradezu missionarische Eifer mancher Fleischabstinenzler, "Normalis" für die grüne Wiese zu begeistern und - auch wenn es manche nicht wahrhaben wollen: Jesus war Fleischesser... Die von mir vertretene Lehre könnte auch von ihm ausgesprochen sein: "Es kommt nicht darauf an, was i n den Mund hineingeht, sondern was herauskommt! " Besser lieb gesprochen, als richtig gegessen, könnte man davon ableiten.

Mit dem Tischgebet danke ich dem Herrn für das, was ER auf die Teller gegeben hat, denn ohne Seine Fürsorge wären die Töpfe leer! Steht es mir denn zu, seinen Segen über die Mahlzeiten zu erbitten und gleichzeitig zu verpönen, was wir Speise nennen? Ablehnen darf ich was mir nicht schmecken will, aber schlechtmachen - nein. "Was Gott gereinigt hat, sollst du nicht für unrein erklären!''

Unser "täglich Brot", das, was uns am Leben erhält mit Befürchtungen zu belegen, schickt sich für einen Gläubigen nicht - aber dafür Dank nach oben! Da es keinem möglich ist seinen ethischen Stand durch ein Nahrungsprogramm zu veredeln, gibt es keinen Grund auf andere herabzusehen. Es sei "unheilig", so Petrus, was ihm da als lebendige Speisekarte vom Himmel herabgelassen worden war. Wenn es aber "unheilige" Nahrung gibt, so könnte schlußgefolgert werden, dann müsste dem ja ein "heiliges" Angebot gegenüber stehen?! O.k., wenn dem so ist, dann lasst uns doch nur "Heiliges" in Natur und Fleischermärkten suchen und uns damit einen geradezu glückseligen Zustand anfuttern! Diese "Logik" mag dem einen oder anderen vielleicht sympathisch vorkommen - genußreich in den Himmel, doch gewönne daraus die Tugendhaftigkeit in keinster Weise! So wenig wie unser irdischer Leib in die Herrlichkeit der Himmelswelt einzukehren vermag, so wenig vermögen wir unseren Charakter durch magentaugliche Nahrung zu verbessern.

Es bleiben uns gute Vorsätze, Selbstüberwindung und Disziplin, harte Arbeit oft, nicht erspart, denn zum "guten Menschen" werden wir, wenn wir uns bemühen und Reinigung ernst nehmen. Reinigung aber ist eine Herzensangelegenheit und keine Frage verdaulicher Substanzen. GOTT über alles zu setzen und den Nächsten wie sich selbst zu lieben, geht nur über die "RGE", wie ich sage, die richtige geistige Einstellung.

Das macht uns zu besseren Menschen und dafür spendet der liebe GOTT Seine Kraft.

Ich denke Petrus hat dies schnell begriffen, denn GOTT würde keinem jemals etwas Unreines zumuten - egal in welcher Form. Dieses Vertrauen zum Höchsten erlaubt eine Seelenhygiene, die sich von Innen nach Aussen - nicht umgekehrt - auswirkt. Was von Aussen in uns eindringen darf, sollte gefiltert sein! Denn nicht nur über den Mund nehmen wir womöglich Gutes und Ungutes, Nützliches und Schädliches also auf, sondern auch unsere Augen und Ohren sind Kanäle, die eine Menge "Unheiliges" unser Inneres vergiften lassen, wenn wir nicht aufpassen. Unsere Eigenverantwortung umfasst sämtliche Sinne, derer wir uns bedienen. Deshalb heißt "Abwehr" das Zauberwort einerseits, und andererseits Annahme dessen, "was Gott gereinigt hat. " Letzteres erkennst du an einem wohltuenden inneren Frieden, eine Art Sättigung der Seele, die selbst das Licht in dir spürbar sein lässt.

Gerhard Krause