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0016

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Alters - Lasten

“Verwirf mich nicht in den Tagen des Alters, beim Schwinden meiner Kraft verlaß mich nicht” Ps.71:9

Dieses Wort wendet sich zwar an den Herrn, doch anbetrachts dessen wie heute mit alten Menschen umgegangen wird, gehört dieser Ausruf allen jüngeren Leuten ins Herz geschrieben. Unsere alten Mitmenschen, oder “Altvorderen” wie sie auch genannt werden können, müssen leider eine engagierte Lobby vermissen. Ein Politikum wie das der "Grauen Panther", ist nicht jedermanns Geschmack. Die meisten unserer altgewordenen Mitmenschen wollen inRuhe und Frieden und durchaus in Genügsamkeit ihren Lebensabend verbringen. Ein bis zwei durchstandene Weltkriege und viele Schicksalsschläge in all den Jahrzehnten, raubten ihnen viel von der Kampfkraft, die sie jetzt, im Endstück ihres Lebens, gut gebrauchen könnten.

Wenn viele alte Mitbürger oberflächlich von ihrer Umwelt behandelt werden, dann prangere ich das an. Oberflächlich = schlecht!

Für die bestversorgten sog. "Edelrentner" brauche ich ebensowenig eine Lanze zu brechen wie für alle, die sich in ihren Familien einer hervorragenden Mitmenschlichkeit erfreuen dürfen. Auch können die zufrieden sein, die von "Alzheimer" und der schmerzhaften Liste der Altersgebrechen verschont geblieben sind. Mich dauert die Mehrheit in Ehren altgewordener Männer und Frauen, die irgendwo in einem Zimmerchen darauf warten von einem Menschen angelächelt oder mit einem freundlichen Wort angesprochen zu werden. Zu viele leben abseits ihrer Familien, von Menschen, die sie oft genug unter großen Entbehrungen und Mühen großgezogen haben und es spielt ob ihrer Vergeßenheit bzw. Verlassenheit keine Rolle, ob ihre kleine Welt nun auf eigene vier Wände oder das Zimmer in einem Altersheim geschrumpft ist- Es packt mich ein Stückchen Wehmut und Verständnis, wenn ich als Mitverantwortlicher eines mobilen Alten- und Krankenpflegedienstes einen alten Menschen besuche und ich erkenne, mit wieviel Liebe, Sehnsucht aber auch Trauer die paar Quadratmeter Wohnfläche aus- gestattet sind. Um seelisch nicht zu verenden und die Einsamkeit auf diese Weise zu betrügen, stehen dann meist alte schwarzweiß- Fotos in und auf den Schränken oder Vertikos. Gäbe es diese fotografierten Erinnerungen nicht, würde der Tränenstrom in einsamen und besonders bedrückenden Stunden noch stärker fließen als eh schon. "Die meisten sind schon tot" flüstern sie dann und sie fühlen sich nicht nur zurückgelassen, sondern verlassen. Wenn sie, diese Alten, dann aber von diesem oder jenem Enkelkind oder gar von schönen und nicht selten verklärten Erinnerungen reden, dann kannst du sehen, wie ein altes, faltendurchfurchtes Gesicht plötzlich jung wird durch das Lächeln, wie die Augen leuchten können bei guten Gedanken. In einem liebenden Vater- oder Mutterherz - und sei es noch so alt - bleibt stets noch ein Plätzchen für die Liebe zu Enkelkindern!

Wogegen ich mich vehement wende, ist jeder respektlose Umgang mit unseren ergrauten Brüder und Schwestern. Auch die zu lockere, unbedachte Umgangssprache mit ihnen stört mich! Des Menschen Name ist wichtig und es muß nicht sein, alte, verdiente Menschen wie Deppen zu behandeln und generell mit "Oma" und "Opa" anzureden; wie es in vielen Altersheimen geschieht! Die Würde des Menschen hört nicht mit 70 auf, unantastbar zu sein! Jede neue Generation verfällt aufs Neue dem Dauerfehler, perfekt zu sein, alles besser zu wissen und jede Tradition und Althergebrachtes als rückständig und verzichtbar ablehnen zu müssen. Alte Menschen aber sind nicht die Lehrlinge der Nation und benötigen nur einen Bruchteil jener Nachhilfe, wie sie ihnen ununterbrochen aufgedrängt wird; so, als hätten sie vom Leben nicht die geringste Ahnung. Wenn ich mir hingegen sowohl die körperliche, als auch die charakterliche Haltung zu vieler Jugendlicher kritisch betrachte, dann bin ich mir sicher, daß   s i e   die Belastungen, Katastrophen und Schicksalsschläge nicht so enorm gut wegstecken würden, wie es die Generation(en) vor ihnen taten. Ich, selbst noch einer aus der knappen Nachkriegsgeneration, sehne die Zeit, wo sich die Jungen noch um die Alten scharten, um von ihnen Erlebnisse und "die Moral von der Geschicht" zu erfahren. Wenige sind bereit von denen zu lernen, deren Gehör nicht mehr so gut ist und die nur deshalb langsamer reden, weil sie vor Gebrauch des Mundwerks das Gehirn einzuschalten wissen. Wo bleibt die gesunde Wissensbegierde und der Wille, aus Erfahrungen anderer zu lernen?, wo doch die eigenen Erfahrungen recht begrenzt sind! Daß sich die Techniken ständig überrennen und nicht nur Ältergewordene Probleme haben Schritt zu halten ist Fakt, daß aber zwischenmenschliche Beziehungen nie unmodern werden, weil unsere Seele sie braucht, ist ebenfalls ein Fakt, der allerdings nicht untergehen darf. Ein beidseitig respektvoller Austausch von Jung und Alt befruchtet beide. Hiob 32:7,8 "Das Alter mag reden und die Menge der Jahre Weisheit an den Tag legen! Jedoch der Geist ist es in den Menschen und der Hauch des Allmächtigen, der Ihnen Einsicht verleiht.”

Horche d u bitteschön auf Weisheiten des Alters - aus Freud und eid geboren. Das Alter holt dich immer ein, verwerfe es also nicht! Der reife Geist schlägt sich nicht mit dem Intellekt, denn er ist ihm über und dieser in langen Zeiten und oft vielen Existenzen gereifte Geist öffnet sich, wenn der Allmächtige ihn anhaucht und die wertvollste Perle, die daraus entsteht, ist die Einsicht! Vielleicht suchst du ab heute vermehrt solche Menschen, um dich mit ihnen auszutauschen? Da lohnt sich jede Stunde Zeiteinsatz, glaube mir,

so män isch, wie immer Ihr    Gerhard Krause