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0151

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Mehr - höher - schneller - weiter - schöner
Der “Maximierer”

Sind Sie das, wozu wir Psychologen Maximierer sagen?

Wie in einem Wahn ist unsere Welt auf Optimierung und Superlative ausgerichtet! Bei den meisten Menschen wird im "Saal der Interessen" nur das gehortet, was als absolute Höchstleistung gilt, als Meisterstufe anerkannt wird, was unübertroffen, außerordentlich staunenswert, sensationell und wenigstens ein Jahrhundertwerk ist - zumindest kommt es einer begeisterten Mehrheit so vor.

Ständig füllen wir unseren "Saal der Interessen" mit neuen Kuriositäten, Einmaligkeiten und ähnlich gearteten Produkten auf, finden cool, weil uns gesagt wird dass es cool ist, und erachten das Besondere als geradezu anbetungswürdig. Der Steigerungswahn lässt grüßen!

Geht denn der Blick für Bescheidenheit, Einfachheit, Mittelmaß und Üblichkeiten verloren? Ist Normalität ein Makel? Die allgemeine Reizschwelle liegt hoch! Massenleistung, das, was jeder zu schaffen vermag, gilt als Unterforderung und wird mit "B-Güte" klassifiziert. Gleich mehrere Generationen nebeneinander befinden alles, was unterhalb des gerade gültigen Maximums ist, als verzichtbar, langweilig, vernachlässigbar - es verdient keine Beachtung und enthält keine Motivation!

Dabei werden nicht unbedingt Vorbilder gesucht oder Vorbildhaftes angestrebt - dies würde ja eigenen Einsatzwillen voraussetzen, nein, viel lieber jubelt man irgendwelchen "Stars" und Idolen zu, sucht Ideale mit denen man sich identifiziert, feiert Exoten und bewundert Auffälligkeiten, die auf sich anzuwenden man nicht den Mut hat. Krass muss sein, worauf man sich fokusiert und weniger die Leistung genießt Wertschätzung, als vielmehr vollmundige Präsenz. Diese Welt der eigenen Vorstellungen und deren Vertreter, kommt sich ungemein wichtig vor und mißachtet alles Gewöhnliche. Number one muss man sein und bereits der zweite Platz ist first loser place!

Wenige Fragen zeigen auf, ob auch wir zu den Profilierern und Maximierern gehören:

Muss es auch für dich stets "das Beste" und "das Schönste" sein? Rangiert in der Wertskala zuoberst das, was teuer oder gerade angesagt ist? Hast du des Lebens Überholspur gepachtet und beanspruchst nur Güteklasse "unübertroffen"? Zählst du dich zu den Siegertypen und lässt eher unauffällige Geschöpfe stehen? Ist Auffallen dein Motto und dominierst du Raum und Zeit anderer? Holst du stets alles aus dir heraus, und wenn es die letzten Reserven sind und gierst du nach Anerkennung? Wenn ja, dann dürfte dir bei dem Gedanken, in der grauen Masse unterzugehen, der Angstschweiß auf die Stirn treten...

Es ist nicht nur eine ohrenbetäubende Welt in der wir leben, sondern auch eine sehr eitle und selbstgefällige. Dies mag immer schon so gewesen sein, doch selbst jüngste Köpfe bekennen sich zu einer Lernresistenz, glauben alles zu wissen (notfalls wird gegoogelt) und beleben das Motto: Frisch behauptet ist halb bewiesen!

Wer hat schon was für Halbheiten übrig, schätzt die Einfachheit und möchte Gewöhnlichkeiten entdecken? Dafür gibt es nur noch einen schmalen Markt für wenige Interessenten. Die meisten unserer Gesellschaft gehören längst zur Gilde der Maximierer, vielleicht ohne es bemerkt zu haben, denn "es" ist "normal" so zu sein.

"Seid wie die Kinder" spricht Jesus und registriert



die erstaunten Blicke der Zuhörerschaft. Kinder sind doch aber unwissend, unerfahren, eher simpel gestrickt und deshalb unkritisch. Was haben sie schon vorzuweisen? Und so soll ich sein?

Ich sage euch: "Wenn ihr euch nicht ändert und werdet wie die Kinder, könnt ihr keinen Zutritt zu höheren Stufen des Jenseits finden." (Mt. 18:3)

Bevor Kinder in Pläne ehrgeiziger Eltern verstrickt oder in den Strudel von Begehrlichkeiten gerissen werden, sind sie voller Vertrauen zur Natürlichkeit, sind sie ungequält und unberührt vom gnadenlosen Takt unbarmherziger Systeme. Doch wehe sie verfallen dem Trugschluss, dass "das Beste gerade gut genug" sei, dann verwehrt ihnen dieser Anspruch den Blick auf das was nützlich ist!

Wir alle haben die Wahl: aufgepeitschte Maximierer zu sein oder aus Schlichtheit, Ausgewogenheit und Bescheidenheit eine ganz neue Zufriedenheit zu beziehen.

Dabei weiß alle Welt: Auf die wahren Werte kommt es an, die nichtkäuflichen. Anstatt manche Kinder auf Bestzensuren zu drillen, sollten sie die Tugenden kennenlernen dürfen. Was meinen wir, was Gott wohlgefälliger ist: menschliche Klugheit und Gerissenheit, "damit man durchkommt" im Leben, oder ein tugendhaftes Wesen, was aber Zugänge zu IHM schafft? Wird nicht oftmals vergessen worauf es wirklich und wahrhaftig ankommt? Kann denn der, der mit den Wölfen heult und Genügsamkeit als Makel ansieht, etwas ansammeln was ihm später in himmlischen Sphären als Kapital dienen würde? Wir haben eine Bringschuld auf dem Weg in unsere Urheimat : abgelegte, selbst-schädigende Fehler und Lebensweisen, unsere Vervollkommnung also, und erstarkte Liebe! Das ist, was uns Anerkennung und höchste Freundschaft - als Ergebnis göttlicher Begutachtung und Bewunderung einbringt. Im Streben danach, brauchen wir uns tatsächlich nicht der Mittelmäßigkeit hingeben, bekommen aber für unser Bemühen Kräfte aus reiner Quelle! Und genau das ist der Unterschied zu weltlichen Hochzielen: die zehren aus, rauben Ruhe und Schlaf, machen krank und sperren vor allem die Zugänge zu unserem Geist, der in Wahrheit andere Bedürfnisse und Sehnsüchte in sich trägt. Lausche doch mal in dich hinein, um die 'innere Stimme* zu vernehmen; möge GOTT der Herr sie verstärken...

Gerhard Krause