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Nr.:

0147

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Kaltes Herz - warmes Herz

Es wehen kalte Winde in Deutschland. Während sich auf die Seelen wärmesuchender Heimatvertriebener Hoffnungen legen, ziehen wir unsere Decken höher - nicht etwa weil wir frieren, sondern um uns zu schützen. In Richtung Europa ist die größte Völkerwanderung der Neuzeit unterwegs!

Kosovaren neben Albanern, Serben, Syrer und schwarze Bewohner einer Erde, die allen gemeinsam gegeben ist. Länder wie der Kosovo sind europäisch und suchen die Solidarität eines Bundes, welcher ansonsten in ungeheurer Konsequenz - siehe Griechenland hochgehalten wird. Ganze Völkerteile hegen jetzt die Hoffnung auf eine neue Heimat, ersehnen Arbeit, suchen Mitmenschlichkeit. Ein "besseres Leben", das ist für manche eine Nacht ohne Angst durchschlafen zu können, den Blick nicht eingeschüchtert vor dem Pöbel senken zu müssen, oder dem Kind irgendetwas, was nach Essen aussieht, in das Mündlein stopfen zu können, damit geholfen ist Tränen zu ersticken.

59 Millionen Christen in einem Land sollten es schaffen ein gewaltiger Türöffner für alles zu sein, was sich in verzweifeltem Lebenskampf befindet, wobei Nächstenliebe nicht auf ein bestimmtes religionspolitisches Parteibuch angewiesen ist.

Ein Argument wie: "Wieviel sollen wir noch aufnehmen? Irgendwann ist das Wohnzimmer voll" hat verdient bedacht zu werden. Doch werden damit nicht vorauseilende Ängste und Beschwerdegründe generiert? Damit ein "Wohnzimmer" einer Überfüllung ausgesetzt ist, muss es erst einmal gefüllt werden! Noch räkeln wir uns sehr großzügig in unseren heimatlichen Gefilden, da wollen wir ehrlich sein. Allerdings können Humanität und Toleranz von Bequemlichkeit und Starrheit verdrängt werden! Noch haben wir Platz, zumal nicht wenige unserer Landsleute dieses gepriesene "Wohnzimmer" aufgeben und verlassen -Jahr für Jahr mehr. Dann sind sie die Ausländer und Fremden... Ein bisschen Zusammenrücken sollte möglich sein, denn: Wie war es bei uns nach dem letzten Weltkrieg?

Weil ich zur direkten Nachkriegsgeneration gehöre, bin ich dem vielleicht etwas näher, egal, jedenfalls möchte ich nicht unsere eigene Migrationsgeschichte verdrängen! Müssen manche daran erinnert werden, wie Ostdeutsche, Schlesier im Januar 1945 aus ihrer Heimat vertrieben worden sind, wie sie in Haushaltungen einquartiert wurden - was für beide Seiten gewiß kein Honigschlecken war - und wie sehr diese anbefohlene Integration durch Beschimpfungen wie "Lumpenpack" belastet war? Dass aus solchen Zwangsgemeinschaften, auf all erengstem Raum zusammengepfercht, letztendlich oft lebenslang währende Freundschaften entstanden sind, dafür stehe auch ich als Zeitzeuge.

Und was war in den späten sechziger Jahren? Sieben Millionen Gastarbeiter waren zuerst an den Arbeitsplätzen und dann in den Herzen unseres Volkes willkommen. Deren Kultur und Lebensweise hat uns keinesfalls geschadet.

Denken wir an unsere Anteilnahme, wenn vor dem Mauerfall wieder ein DDR-Bürger durch Flucht zu uns sein Leben riskierte. 344 000 waren es!

Haben wir nicht auch - trotz Vorbehalte und Ablehnung -die 1,4 Millionen Spätaussiedler, die zwischen 1990 und 1995 aus Russland zu uns kamen, gut verkraftet?

Wenn in überbesorgten Zeitgenossen das Gespür für die Menschheit als ein Lebenskörper ausbleibt und Grenzen in ihren Köpfen verbleiben, bleibt jeder Ansatz von Nächstenliebe graue Theorie, eine unvorstellbare Idee. Die Stimmung bleibt dann aufgeheizt, und das nicht nur in den Unterkünften der Asylbewerber. Ist es gehässig oder geschichtliche Erfahrung zu sagen, dass ein Volk, welches sogar in kleinlichen Nachbarstreitereien geübt ist, sich erstrecht anderer Kulturen und Annäherungen erwehren wird?!

"Bleibe im Lande und ernähre dich redlich."

Leicht gesagt, wenn Blut und zerstörte Wohnstätten vor

Augen gehalten werden; wenn Kindern Bildung und

Ausbildungen verwehrt werden; wenn jeder Tag der Arbeitslosigkeit voll Sinnlosigkeit gepumpt wird; wenn Gesundheit an Leib und Seele dem Mangel an ärztlicher und medizinischer Versorgung geopfert wird; wenn macht- und geldbesessene Wirtschaftsgiganten wie Vampire arme, unerfahrene Länder aussaugen und Rohstoffe, öl und alles was zuvorderst zehn Prozent unserer Weltbevölkerung weiteren Wohlstand sichert, dorthin verfrachtet und einheimische Menschen und Natur ausgebeutet damit zurechtzukommen haben?!

Gut gesagt, wenn du frei denken, reden und handeln darfst.

Würden ich und du etwa anders handeln als zu versuchen, den vielen Gesichtern von Elend zu entgehen? Wir stehen nicht in den Schuhen jener, deren Kopfkissen eiserne Bahngleise irgendwo in Ungarn sind, die an Hilflosigkeit und Verzweiflung fast ersticken!

Keiner von uns neigt dazu, den stärksten aller Triebe, den der Lebenserhaltung, der Passivität zu unterstellen, oder? Also schafft die unzumutbare Lebensqualität massenhaft "Zwangsevakuierte".

Jesus war Migrant - von Gott auf den Fluchtweg gestellt! Um die Familie vor dem Despoten zu retten, sprach ein Geistbote zu Joseph: "Auf! Nimm das Kind und seine Mutter und fliehe nach Ägypten!" (Mt.2:13)

Gefahr war im Verzuge, deshalb "nahm Joseph noch während der Nacht Mutter und Kind und floh nach Ägypten." Gewiss, so könnte man dieses biblische Ereignis kommentieren, es betraf ja schließlich den Gottessohn, dessen Weg und Mission zu keiner Zeit gefährdet werden durfte! Die gleiche Erklärung beträfe auch Paulus, der -nach Apg.18:27 - "als Fremder nach Griechenland kam (und alles andere als ein Tourist war). Dieser geographische Wechsel sorgte schließlich für eine Verbreitung der geistchristlichen Lehre! Paulus erwarb sich vor allem in Griechenland große Verdienste.

552 000 Zuwanderer in 2014 sind 552 000 Seelenleben die existieren und Chancen finden wollen. Das sind über eine halbe Million Brüder und Schwestern. Dass sich darunter anpassungsfähige, kulturgeschockte und unliebsame Naturen befinden, ändert nichts daran, dass Migration das Zukunftsthema bleiben dürfte.

Es gibt sie nicht, die "helle" Welt und die "dunkle", wie es manche ausdrücken. Es ist eine Welt! Es gibt nur Menschen, die im Geiste hell sind und andere, die mit ihren charakterlichen Elendsflecken hinterher hinken. Hell ist Liebe, ist Mitmenschlichkeit, das Vertrauen in eine Allmacht die zulässt was ist und dies aus einer Weisheit, die wir nicht begreifen müssen. Hell ist das gute Wollen - wenigstens das.

Wer gibt, erhält! Daraus resultieren Kraft und Mittel, auch wenn uns das (noch) unvorstellbar vorkommen mag. "Gott überlastet niemanden, in nichts!" Dieses geistige Gesetz entfaltet nur dann Energie und Wirksamkeit, wenn wir uns ganz fest darauf verlassen. Das nennt man dann G l a u b e ...

gerhard krause