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0146

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Der unselige Geiz

Heute schon gespendet? "Geht nicht - ich brauche alles für mich selber" könnte eine von den üblichen Antworten auf diese Frage sein. Ist das wirklich so? Brauchst du wirklich alles für dich?

Sollte es dir demnach heute nicht möglich sein, ein Lächeln zu spenden oder jemandem ein freundliches Wort zuzuwenden? Wie teuer sind gute Gedanken und Wünsche für eine Person und übersteigt eine Fürbitte an Gott deine Möglichkeiten? Überlastet ein spontanes Telefonat: "Du, ich will dich nur grüßen; schön, dass es dich gibt"? Was kostet uns das?

Unerbrachte Zeit, festgehaltenes Geld oder unterlassene Selbstüberwindung (der "innere Schweinehund" ist zu überwinden, wie manche sagen), all dies plustert den Geiz auf, könnte das Siegel des Egoismus tragen! Ein niederländisches Sprichwort warnt: "Geiz wird nicht satt, bevor er nicht den Mund voll Erde hat."

Jesus Christus, Gottes Sohn, war auch Menschensohn und setzte seine Lehren auf irdische Realitäten. Er kannte unter den weltlichen Notständen auch den materiellen! Geld ist ein probates Mittel gegen Not, doch Geld und Besitztum gehören zu den Pechfallen, an denen wir kleben bleiben können - das ist die Gefahr! Gleichzeitig ergibt sich daraus eine der großen Prüfungen, denn es steht die Mitmenschlichkeit auf dem Prüfstand. Wir werden in christlicher Gesinnung nicht nur beim Wort genommen, sondern auch bei Geldbeutel - da, wo's besonders weh tut!

In biblischer Manier wählen wir den Terminus "Liebesgabe". Spenden ist nicht gleich spenden, denn man sollte:     "In einem Maße   bereitstellen,   dass   man   wirklich    Segen damit stiften kann."

Nicht nur zur Weihnachtszeit, sondern Tag für Tag versuchen unzählige Spendenaufrufe - wie ein nimmersatter Staubsauger -die Hilfsbereitschaft der Bevölkerung aufzunehmen; nicht immer seriös und im Aufwand oft unverhältnismäßig. Herzen und Hände aufzubrechen ist zum Geschäft geworden!

Zweifelsohne sind (freie) Kirchen wie die unsrige auf mildtätige Menschen angewiesen. Aus einer Flut von Bittbriefen, aus ärmsten Ecken unserer Welt, wenigstens einige zu stillen, ist uns Intention und Gebot! Menschen aus Nah und Fern darben und sind nicht nur mit guten Worten zu versorgen, sondern mit Notwendigkeiten wie Kleidung, Schuhe und anderem, was uns selbstverständlich ist. Das freilich kostet Geld und: auch helfen will gelernt sein! Wenn man weiß, dass sich unsere Armenhilfe bevorzugt um jene kümmert, wo noch nicht geholfen wurde oder keiner mehr hilft und sämtliche Nebenkosten von unseren Mitgliedern getragen werden, fällt die Unterstützung leichter! Dennoch, weil eben kein Kapital gehortet sondern zu Erleichterungen und Überleben gewandelt wird, ist der Topf chronisch leer...

Sponsoren, Gönner, Förderer investieren Unsummen in die Imagepflege ihrer Produkte, halten ganze Plattformen von Sportarten über Wasser. Welcher Sponsor arbeitet an seinem Image vor Gott und nimmt sich dessen "Sache" an? Dabei lohnt sich nichts mehr, als in die "Sache Gottes" -und das ist explizit die Nächstenliebe - zu investieren! Denn es kann und sollte uns nicht egal sein, wie wir bei IHM angesehen sind und welche "Produkte" Verbreitung verdienen. Das gute Werk ist ein edles Produkt, zeugt von barmherziger Art des Gebers und verleiht mancher ärmlichen Existenz den Status Leben.

Wir alle sind Teile der Schöpfung Gottes und es weist einen reifenden Geist aus, Mitverantwortung für notleidende Teile zu übernehmen. An Ende unseres Daseins wird aufgerechnet und schon bis dahin gilt, was unsere albanischen Glaubensgeschwister sagen: "Gott bezahlt's!"

Selber einer unterkühlten, egomanischen Welt nicht anzugehören, ist des Dankes wert. Wenn Trost, Licht und Erleichterung: Niedergeschlagenheit, Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit auflösen, ist das des Dankes wert. Wenn Dank zum Himmel steigt: der von gebender gleichsam wie der von empfangender Seite, dann ist's gut, das gute Werk hat mehr als seinen praktischen Wert erfüllt und GOTT ist die Ehre gegeben!i
"Deine Gabe möge nicht so aussehen, als sei sie Geizhälsen abgezwackt."

Vielleicht gefällt dir meine Devise: so viel zu geben, dass es weh tut!

Keine Gabe sollte überfordern, doch spürbar, das darf sie sein. Was wir nicht spüren, kommt kaum aus dem Innern.

"Wer reichlich sät, wird reichlich ernten!" Wer knapst zieht es unverständlicherweise vor, nur kläglich zu ernten. Wer gerne gibt, erfährt Erstaunliches: Freude! Finde es heraus und sei gewiß: "Einen   frohen   Geber   hat Gott lieb.-

Die über 2.Kor.9:8 vermittelte Aussage hat es verdient, sehr gewissenhaft studiert zu werden:

"Und Gott hat auch die Macht, euch jede Gabe überreich zu belohnen, so dass ihr stets und in jeder Hinsicht für euch selbst genug habt und außerdem reiche Mittel besitzt, um damit jedes gute Werk zu unterstützen."

Wer möchte das nicht: überreich belohnt zu werden und darüber hinaus für sich selbst ausreichend zu haben?! Es ist eine sehr sympathische Aussage, was Gott für das gute Werk zurückgibt: wiederum reiche Mittel für weitere gute Werke. Wahrlich ein segensreicher Kreislauf, in dem wir unseren Platz einnehmen sollten, besser gesagt dürfen.

Es ist eine besondere Herausforderung, in einer Zeit der harten Gegensätze die richtige, edle Position einzunehmen. Die eine Seite kreist im Orbit der Selbstversorgung, die andere Seite zeigt nicht nur soziales Verständnis, sondern die unauslöschliche Tugend Mildtätigkeit. Keiner ist davon ausgenommen, eine Entscheidung zu treffen und wenn auch die Wirkungen auf jede Wahl vielfältig sein mögen, wird uns der wahre Zweck der Mitmenschlichkeit keineswegs verheimlicht:

"Eure Mildtätigkeit wird Menschen veranlassen, GOTT ihren Dank dafür abzustatten."

gerhard krause