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0144

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Die Seele und das Jenseits

Erschreckende Nachrichten ähneln sich auf der ganzen Welt. Wieder sind zwei meiner Schulkameraden "von uns gegangen" und man vermeint, die immer näher kommenden Einschläge förmlich zu verspüren.
In meinem geistlichen Dienst, hat sich mir Gevatter Tod längst in seiner Vielseitigkeit gezeigt, vor allem an Krankenbetten. Nicht der Tod selbst ist es - so entnehme ich vielen Gesprächen - den die meisten fürchten, sondern das Sterben als Vorgang! Einer der sogenannten Gnadentode ist der Sekundentod. Aber auch das schmerzfreie Dahinscheiden in vollem Bewußtsein (und möglichst im eigenen Bett) wünscht man sich, wenn es dann soweit ist. Doch unser Karma, oder wie immer man unsere Bestimmung nennen mag, verwöhnt uns nicht immer wie gewünscht, und so bleibt uns das Unwissen, wie es speziell uns bereitet sein wird.
Um diese Frage ein wenig aufzuhellen, möchte ich Beobachtungen aus Jahrzehnten beisteuern und registriere, wie unsagbar schwer es strikt materiell eingestellten Zeitgenossen fiel oder fällt, unsere Welt mit allem Inhalt loszulassen. Lange und schwerste Sterbevorgänge habe ich da schon erlebt. Andererseits gehört es ebenfalls zu meinen Erfahrungen, wie relativ gelöst und hingebungsvoll glaubensgeprägte Mitmenschen den Sterbevorgang bewältigen und welch beeindruckende Ruhe bei ihnen zu beobachten war. Einige von ihnen falteten ihre Hände um das kleine Holzkreuzchen, welches ich ihren Fingern anvertraute und sie quasi zum Festhalten an etwas ermunterte, was sie zeitlebens nicht nur als Symbol des Sterbens, sondern als heilsbringendes Zeichen geschätzt haben.
Sollte es etwa eine einseitige Betrachtungsweise sein der Vermutung nachzugeben, der Glaube sei wie eine Brücke zwischen dem Dies- und dem Jenseits und verhülfe zur leichteren Verabschiedung von dieser Welt?
Über das große, unbekannte Jenseits gibt es so viele Vorstellungen, wie es Menschen gibt. Daran ändern auch nichts fixe Vorstellungen und Bilder, weiche den Massen der Glaubensvölker von Großkirchen vorgegeben werden. Jeder hat so "seine" Ideen, Erwartungen oder auch Befürchtungen hinsichtlich der Anderswelt und keine zwei Vorstellungen sind auf    i-Tüpfelchen gleich!
Also ist's wohl recht getan, etwas aus der Sicht und weitgehenden Erfahrung unserer Kirche mit ihrer spiritualistischen Qualität, den Nebel etwas aufzulichten und Wissen, erfahrenes Wissen beizusteuern! Welcher Sterbliche möchte nicht möglichst viel über das 3enseits erfahren? Der Blick durch das unsichtbare Fenster fördert manches Verständnis und zwar nicht nur für die geistige Welt, sondern auch für unsere diesseitigen Lebensumstände und Leiderfahrungen.
Noch einmal: Eine von irdischen Interessen, von Gier, Macht und Eitelkeit geprägte Lebenshaltung, verkettet die Seele mit dieser Welt und erschwert die Freiheit zu finden. Die gottestreue, fromme Lebensweise im guten Bemühen, vermittelt "im Moment der Wahrheit" - wie ich den Sterbevorgang nennen möchte -, eine innere Ruhe und erleichtert wesentlich den Abschied von dieser Welt, löst uns bereitwilliger von sachlichen oder menschlichen Klammern. Diese Hoffnung jedenfalls dürfen wir haben.
Modernere Aussagen der Medizin erklären, das Sterben sei dem Vorgang des Einschlafens ähnlich und Müdigkeit, vielleicht eine gewisse Erschöpfung, bestimmten den Zustand. Wenn ich im unbrüchlichen Gottesglauben stehe, wage ich gleichsam von diesem Zustand auszugehen, denn ich lernte nicht nur in diesem festen Gottvertrauen zu stehen, sondern habe nun Gelegenheit dies in der 'Stunde der Stunden' zu beweisen. Das Zeitempfinden schwindet und der sterbende Mensch steht entweder seinen lebenslang gepflegten Vorstellungslosigkeiten gegenüber, oder lange gehegte Vorstellungen setzen ihn in eine Art Erwartungshaltung - jedenfalls soweit der Zustand diese Position zu erkennen erlaubt. Deine stille Zwiesprache im Sterbeprozess - diese kann auch des Geistes sein!, bleibt für immer dein Geheimnis!
Was die Aussenwelt um dich erlebt, überdeckt freilich in den meisten Fällen das wahre Geschehen: Röcheln, Stöhnen, leiblicher Stress, womöglich Kampf bis zur Atemlosigkeit oder, andererseits, das entkrampfte Sich-Dahingeben in ungewöhnlicher Friedlichkeit. Doch nichts  ist so wie es scheint!
Im Jenseits aufzuwachen ist ein ähnliches Erlebnis, wie wir es unzählige Male zu Lebzeiten erfahren haben: Erst das Aufwachen vermittelt dir, dass du bis soeben im Schlaf warst. Irritiert fragen wir uns dann manchmal: wo bin ich? Auch dies ist nach dem tatsächlichen Tod möglich. Schwer zu glauben, aber nicht jedem Wesen ist unverzüglich bewußt gestorben zu sein! Das Bewußtsein gehört nämlich zu dem, was wir mitnehmen, nicht zurücklassen wie unseren vergänglichen Leib, (siehe auch: DIE SPHÄRE DER EINSAMKEIT, Broschur Euro 7,- ISBN 978-3-944562-06-3 Verlag leuchter-hand).
Weil Eigenheiten des/der Verstorbenen den Wechsel in das Jenseits problematisch gestalten können, sorgt die Liebe Gottes für geistige Betreuer, die sich kümmern. Damit werden - für ein Weiterkommen unverzichtbare - Erkenntnisse, Einsichten und Vorsätze gefördert; die Seele soll ja reifen und fortschreiten können. Dieser Fortschritt wiederum ist prinzipiell festgelegt und erfüllt das geistige Erlösungswerk Christi, wodurch jede Seele wieder der wahren, geistigen Heimat, zu der die meisten 'Himmel' sagen, zugeführt wird.


Fortsetzung in der nächsten Ausgabe!