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0135

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Das offene Geheimnis

Na da hat uns dieser redselige Ami und Geheimdienstler Edward Snowden aber eine kräftige Suppe mit Einlage Volksaufregung angerührt! Dabei streute er nur Geheimnisse, die für gewisse Schichten keine gewesen sein dürften, einfach unter die Völker und verbrennt dadurch Schwarztücher, hinter denen sich leidlich gut verbergen ließ: Geheimes. Wie ein aufgescheuchter Bienenschwarm reagiert die empfindliche Flüsterbranche und Führungsriegen beeilen sich, sich gegenseitig Unkenntnis und Überraschung zu bescheinigen. O.k., ich lege jetzt mal meinen denkenden Bürgerteil aufs Eis und konstatiere, wie viele, Unbedarftheit und gestehe, wie "dumm" ich bezüglich allem war, was das Lauschwesen betrifft. Nun aber kommen wir ins Wissen (wirklich?) und erhalten mittels Nachrichtensendungen und Schwafel-Shows Aufklärung über fast unaussprechbare Späh- und Lauschprogramme, die da heißen: PRISM, TEMPORA, XKEYSCORE oder wie auch immer.

Wenn im Leben braver Bürger herumgeschnüffelt, wenn E-Mails, Telefonate und alles, was die moderne Kommunikationstechnik aufzubieten hat, pauschal auf den Prüfstand und unter fremde Augen kommen, dann kann ich die Empörung verstehen. So weit, so gut. Andererseits gehört ein erstaunlich großer Teil unseres Volkes zu jenen Plaudertaschen, die über Plattformen scheint's Lust daran finden, alles aus eigener Vita und persönlichem Alltagskram internetmäßig zu verbreiten. Das verstehe wer will!

Aber es macht zweifelsohne einen beachtlichen Unterschied, ob ich mich freiwillig und selbstbestimmt aufknöpfe, oder ob Unbefugte ihre Riecher und Stilaugen in persönliche Angelegenheiten stecken. Solche Abhörpraxis und Schnüffelversuche (warum nur fällt mir an dieser Stelle meine Nachbarin hinter der Gardine ein??) stoßen auf wenig Verständnis. Ist dichtmachen und sich isolieren eine Lösung? Denken wir daran: Jede mit Nachdruck geschlossene Tür, öffnet eine andere... Was also ist zum Schutz meiner Privatsphäre tun? Wen geht mein Leben etwas an? Soweit es darum geht, dem Kaiser zu geben was des Kaisers ist: die Obrigkeit. Doch es gibt jemand, dem absolut nichts geheim ist und jeden von uns bis in die tiefsten Schichten des Seins zu ergründen versteht. Dieser Jemand ist GOTT! Ihm entgeht kein Gefühl, kein Gedanke, keine Absicht, kein Wort und keine Tat. Damit ist ER der größte Geheimnisträger aller Zeiten - die der früheren, seienden und künftigen. Sich Ihm zu verschließen wäre so, als wolle man den Himmel mit dem Regenschirm abdecken. Nur Toren versuchen das.

Fürchten brauchen wir des Höchsten Einblicke nicht. Im Gegenteil. Begreifen wir Seinen Durchblick als Chance! Wenn ich doch weiß, dass Sein Geist ständig mein stiller Partner und bei mir ist, dann überprüfe ich kritisch meine Gedanken, Gefühle, Worte und Werke; dann bemühe ich mich um eine Qualität, die dem Herrgott gefallen könnte, denn bei Ihm gut angeschrieben zu sein, bedeutet wahres Leben! Dennoch sollte ich nicht meinen geistigen Fortschritt quasi spekulativ als Motivation in den Mittelpunkt stellen und meine christlichen Klimmzüge sollten nicht meiner Selbstzufriedenheit dienen, sondern die Liebe zu GOTT sollte mein Bestreben sein! Dann bin ich auf dem besten Weg der Selbstveredelung.

Wenn es überhaupt ein Geheimnis gibt, dann ist es dieses allmächtige, liebesgeprägte Wesen! Es zu ergründen, darf unseren Geist beschäftigen. Gewiß, wir kennen etliche der göttlichen Wesenszüge: Liebe, Geduld, Nachsicht, Gerechtigkeit, Weisheit, Allmacht, Ewigkeit, auch Strenge und andere Eigenschaften. Manch einer von uns durfte mit diesem oder jenem Wesenszug im Leben bereits Bekanntschaft machen. Und doch kann es nur für uns von Vorteil sein, nach oben um die rechte Gotterkennung zu bitten. Auch Himmelsgeister befleißigen sich darin. Also lasse nicht nach zu beten: "Herr, mein GOTT, wer bist Du? Ich weiß und fühle manches von Dir, und doch möchte ich gerne einen Hauch mehr Deiner Wesenheit erkennen dürfen - wenn ich es denn verdiene und verkrafte", wobei ich mir bei letzterem eben nicht sicher bin. Warum nur beschleicht mich bei meinem Anliegen das Gefühl, wie eine Eintagsfliege zu sein, die erstrebt das Zeitalter zu ergründen?!

Egal, probiert wird's, denn dieses Geheimnis lohnt einzig und für alle Zeiten ergründet zu werden. Nur dieses!

gerhard krause