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0134

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Das private “Paradies”

Auch wenn mir meine Heimatverbundenheit vorgaukeln möchte, es gäbe "kein schöner Land" als das bayerische, muß ich mich anbetrachts von Tatsachen offenbar revidieren !

Das Paradies auf Erden hat 47.000 qkm, ist demnach wesentlich kleiner als das Bayernland, hat höchstens 1,5 Mio Einwohner und ist ein Fürstentum im Himalaya. BHUTAN!

Dem Regierungsoberhaupt ist zuvorderst das seelische Wohl seiner Untertanen wichtig. Es verteilt weder gut getimte Wahlgeschenke, noch muß es uneingelöste Versprechen verantworten. Die buddhistischen Bewohner empfangen statt Lügen Wohltaten und das Regierungsprogramm ist nicht auf Beschneidung aus, sondern auf Mehrung des Wohlstandes! Dabei wird nicht nur das Bruttosozialprodukt, sondern vielmehr die Zufriedenheit (!) der Bürger ins Auge gefasst.

Wie es sich für ein Paradies gehört, proklamiert der Staat als oberstes Ziel das Glücklichsein aller! So ein Paradies hat es wahrlich nicht leicht, moderne Errungenschaften abzuwehren, denn es sollte ja "naturbelassen" bleiben. Doch die einstmals apfelgeile Schlange im echten Garten Eden, agiert nach wie vor unverdrossen weiter und frönt ihrer Verführungssucht. Vielleicht deshalb führte man in Bhutan als letztes Land erst in 1999 das Fernsehen ein...

"Fasse Mut!" sprach Jesus. "Denn heute noch wirst du mit mir im Paradiese sein!" Wenngleich Wissende - wozu Geistchristen gehören, dieses Paradies noch unterhalb des hohen Himmelshauses GOTTes welches wir doch alle anstreben, ansiedeln, gilt der Aufruf Jesu nach wie vor: ihm in eine Sphäre zu folgen, die jegliche Trostlosigkeit, Finsternis, Herzlosigkeit und Gier, wie sie unzählige Stellen unserer Welt verunziert, ausgeschlossen hält.

Wir sind Christen. Wenn der liebe GOTT buddhistischen Erdenkindern den Vorgeschmack eines glücklichen Lebens vergönnt, um wieviel größer darf dann die christliche Gesinnung Hoffnung und Erwartung nähren? Schließlich haben wir ja die Bedeutung des Gottessohnes und Messias: Weg, Wahrheit und Leben zu sein, erkannt, oder?

Alles hat seinen Preis! Unsere buddhistischen Freunde dort oben im fernen Himalaya, leben - in traditioneller Verbundenheit zur Himmelsmacht - noch Demut, Bescheidenheit und Unaufdringlichkeit. Und wir?

Könnten wir uns nicht auch so ein Paradies, in dem dominiert was bei uns im Tiefkühlfach gelandet ist: Nächstenliebe und... Zufriedenheit, verdienen? Das aber, was speziell wir "im Blut" haben, so wird behauptet, nämlich Fleiß, Beharrlichkeit, Ordnungssinn etwa, ist in Egoismen eingewickelt und dürfte deshalb kaum zu echter Glückseligkeit verhelfen. Was bleibt?

Dass es jeder vermag sich ein eigenes, kleines "Paradies" auf Erden zu schaffen, eine moralgezuckerter "Kleinststaat" privater Hohheit: "Meier-Bhutan", "Müller-Bhutan", "Krause-Bhutan" oder wie auch immer Sie heißen. Als Grundgesetz schlage ich - da gucken wir vom großen Vorbild ab, ZUFRIEDENHEIT vor; die gilt es zu "erwirtschaften", zu mehren und beizubehalten! Wobei letzteres Bemühen allerdings ganz oben auf der Versagensliste zu stehen droht. Deshalb die Sperrregel bei Gefährdung des Punktes: Nächstenhilfe! Wer registriert, dass Wünsche, Ansprüche und Begierden bedenklich an Boden gewinnen, teilt einfach mit anderen Mitmenschen und erfüllt damit die Notwendigkeit guter Werke. Damit wird gleichzeitig ein geheimnisvoller, fantastischer Mechanismus ausgelöst: es teilt sich eine persönliche Zufriedenheit ob solchen guten Tuns mit und erfüllt Geber wie Nehmer mit Wärme und Freude! Wer das noch nicht kennt, sollte sich diese Erfahrung verschaffen; dann bist du ein glücklicher Mensch, sogar ohne dass-es staatlich quasi "verschrieben" ist, wie in Bhutan...

gerhard krause