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0014

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Den Mund halten?

Gehören SIE auch zu der Mehrheit unseres Volkes, die bei kniffligen Themen lieber ihren Mund hält, als sich denselben zu verbrennen? Oder machen Sie Ihren Mund lieber auf und "sagen was Sache ist", bevor Sie innerlich verbrennen? Gibt es etwas, was in Ihnen brennt?

Sowohl in meiner früheren Praxistätigkeit als Psychologe, als auch jetzt als Geistlicher erfahre ich: 95% aller Probleme und Unstimmigkeiten die uns aufwühlen und in uns brennen, könnten erträglicher oder sogar völlig gelöst werden, würden wir nur den Mund aufmachen und darüber reden! Reden mit Betroffenen, Verursachern unserer Nöte, Experten oder einfach guten Freunden. Gläubige allerdings sprechen sich in erster Linie mit dem perfekten Zuhörer, Rätgeber und Helfer aus: GOTT. ER hört uns geduldig zu und wenn wir aufmerksam sind und in und um uns für Ruhe sorgen, vermögen wir Seine Antwort zu hören! Gewissen heißt dieser Sensor und Mahner, dieser Unterscheider zwischen dem Guten und Schlechten. Wir können mit diesem geistbedienten "Stücklein GOTTes", wie jemand es mal nannte, in Zwiesprache gehen; besonders dann, wenn wir unter Unrecht, Unmoral oder Unstimmigkeiten leiden! Sensible Naturen können sich deswegen bis an den Rand der Erträglichkeit gedrängt fühlen. Doch auch wenn das Gewissen oft dringlich rät, doch den Mund aufzutun und Stellung dazu zu beziehen, kann die Zivilcourage fehlen. Zufrieden macht das nicht!

Als Jesus Christus seinen unehrlichen Kritikern, arroganten Schriftgelehrten und bornierten Pharisäern seine Meinungen entgegenhielt und sie "eines Besseren belehren" wollte, flippten sie aus und ihr Haß ließ sie seinen Leib zerfetzen! Wenn es um Religion geht, geht es um Wahrheit und da wir über die Vielfalt der Bibelübersetzungen sehen können, daß Wahrheit vielfach Auslegungssache und zudem leider interessengebunden ist, schleicht sich in der Austragung von Meinungsdifferenzen nicht selten Tücke, Fanatismus und Unanständigkeit ein. Sie werden es selber wissen: Mit den meisten Menschen können Sie über (fast) alles einigermaßen vernünftig reden, nur nicht über das "Reizthema" Religion. Sobald sie an verkrustete Lehren und Gebräuche, kirchliche Dogmen und Obrigkeiten rühren, können selbst eingeschriebenste Christenmenschen zu rücksichtlosen Unchristen werden! Als Geistlicher, der mit gar manchem was sich in den Jahrtausenden verfälscht hat, aber hartnäckig -zum Klassenerhalt der konventionellen Großkirchen- unbeirrt weiter gelehrt und als Wahrheit "verkauft" wird, überhaupt nicht einverstanden ist und lieber zu Lehren und Belehrungen greift, die der Himmel direkt (!) zu geben fähig und bereit ist, weiß ich wovon ich spreche, wenn es um üble und unchristliche Reaktionen geht. Wer wissen möchte, was denn nun die Wahrheit ist, der kann sie daran erkennen, daß sie hin zu GOTT führt, Christus seine königliche Messiasrolle bedingungslos zugesteht und daß Wahrheit sich nicht widerspricht. Wenn dir ein Priester deine berechtigten Fragen salbungsvoll damit beantwortet, daß er keine Antwort geben könne, weil dies "ein Mysterium" sei , dann wende dich tunlichst dahin, wo die Antworten zu finden und der Spiritualismus ein Füllhorn darstellt, wie du es noch nicht erlebt hast. Wenn du also ein unbequemer Suchender bist, dich nicht mit Kirchenlatein abspeisen lässt oder sogar religiöse Position beziehst, dann würden manche gerne ein Kreuz für dich aufrichten. Da dies aber nicht mehr so recht klappt, bleiben immer noch Verleumdung und Rufmord.! Schwächere Naturen warne ich vor den Kampf um Wahrheit und Gerechtigkeit! Da gibt es vor allem für etablierte Lehrelemente keine Regeln mehr, dich unglaubwürdig zu machen und schlecht aussehen zu lassen. Wer's nicht glaubt, der kann gerne mit mir oder Mitmenschen sprechen, die sich angetrieben sahen und sehen,. Richtiges und Rechtes zu verkünden... Liebe, Verständnis, Interesse, Einsicht oder Toleranz? Nichts dergleichen kannst du erwarten. Schweigst auch du deshalb? Doch was wäre, wenn jeder seine Zweifel, Erkenntnisse und Mißbilligung verschweigen würde...?

Wenn uns etwas nicht passt, sollten wir aus unserem Herzen keine Mördergrube machen, wir sollten uns nicht krank und reinen Tisch in uns machen: Tabularasa. Glaube mir, am Tage "unseres" Gerichts werden wir an der Differenz gemessen werden, was wir verstanden und was wir davon umgesetzt haben; was wir widerspruchslos gegen unsere Überzeugung bestehen ließen - wozu wir schwiegen, obwohl unsere innere Stimme Nein dazu sagte. Ob es GOTT interessiert, daß wir aus Bequemlichkeit oder Angst "Seine" Stimme geflissentlich überhörten? Ob ER entschuldigt, daß wir uns heraushalten, wenn jene, die für uns den Mund aufmachen, angegriffen oder auf moderne Weise “gekreuzigt” werden? Unrecht darf nicht stehen bleiben, Wahrheit nicht verfälscht werden und keiner darf der Nächstenliebe höhnen, kein Christ, keine Kirche, nicht du und nicht ich. "...doch das Gewissen währet ewiglich!" Martin Luther wußte es, doch selbst in seiner Gefolgschaft wird dieses Wort vernachlässigt. Also fassen wir Mut und halten wir's mit Bonifatius: "Laß uns nicht stumme Hunde sein, nicht schweigende Späher, nicht Mietlinge, die den Wolf fliehen, sondern treue Hirten, wachsam über die Herde Christi..." Nicht jeder von uns kann Hirte sein, doch mitverantwortlich für den Nächsten sind wir allemal. Nicht jeder beweist aus seinem Glaubensverständnis soviel Bekennermut wie die, die ihre Religion von Haus zu Haus verkünden (wobei die Bibel, die doch gerade von solchen Leuten lupenhaft zitiert wird, ausdrücklich rät: "Gehet nicht von einem Haus zum ändern!" (Luk.10:7)). Nicht jeder ist ein Held und fühlt sich in der Lage, einem Prediger, Religionslehrer oder Priester Bedenken -ob widersinniger, unklarer Lehren - anzutragen. Das sehe ich ein. Umso mehr aber sollten wir dann jene achten und respektieren und auch unterstützen - und sei es durch das Gebet "in camera caritatis," im stillen Kämmerlein also - die vielleicht einen Schritt weiter als wir sind und anderen gefundene Antworten zur Hilfe anbieten. Auch das sind gute Werke, an denen wir sie, die dem Herrn wegen ihrer Unerschrockenheit gefallen, erkennen können. Unterstütze sie.

Wer hingegen ersatzlos schweigt oder "des lieben Friedens willen" mit den Wölfen heult, wird garantiert das Gegenteil ernten: innerer Unfrieden. Denn GOTT schweigt nicht, wenn's um Seine Sache geht. Des man isch net bloos, sondern des is gewiß so...

Alles Gute! Ihr Gerhard Krause