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0130

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DAS GNADEN-FEST

- Weihnacht' vormals und heute -

Es erntete von jeher Gottes Wohlgefallen, besonders in der Weihnachtszeit die Herzen der Menschen aufgeschlossener und mit guten Vorsätzen bepflastert zu sehen. Damit, so überlegte Er, müsse sich doch etwas anfangen lassen. Also beschloß der Himmel in diesem Jahr, eine Schar ausgewählter Engel mit einem Spezia lauf trag auf die Erde zu senden. Die Himmelsboten mögen herausfinden, so der Wille des Höchsten, was sich exakt am 24.Dezember, dem sog. "Heiligabend", so in den Familien tue. Es sei Bericht über Ernsthaftigkeit und Frömmigkeit im Umgang mit dem Gedenkfest der Geburt Jesu zu Bethlehem, vorzulegen. Damit war der Sendungsauftrag festgelegt und die Engel schwärmten über unser ganzes Land aus, um Erfahrungen zu sammeln.

Nun traf es sich, dass zwei der Beauftragten sich ausgerechnet in einem Haus, in ländlicher Umgebung einer Kleinstadt,begegneten und ins Gespräch kamen. Als Brüder im Geiste freuten sie sich über einen ersten Austausch ihrer Erlebnisse. Einer der beiden Lichtwesen war im Umgang mit Menschen und deren Gewohnheiten ein noch völlig unerfahrenes Wesen, wohingegen das andere menschliche Verhaltensweisen und Weihnachtsbräuche zur Genüge kannte und sich erinnern konnte, bereits vor genau sechzig Jahren - da schrieb unser Kalender das Jahr 1952 -schon einmal für Beobachtungen auf die Erde hinabgesandt worden war. Daraus ergab sich nun beinahe zwangsläufig ein Gespräch, in welchem die Unterschiede zwischen damals und heute zur Sprache kamen. Dies, so freuten sich die Beiden, würde einen trefflichen Bericht abgeben!

"Es war", so begann der Erfahrenere zu erzählen, "den Menschen damals ein starkes Bedürfnis, zum Christfest die gesamte Familie zu versammeln. Auch erwachsen gewordene Kinder besuchten ihre Eltern, weil die Sehnsucht diese in die Arme zu nehmen groß war und es alle freute, Erinnerungen an vorherige Zeiten auszutauschen."

"Von den noch kleinen Kindern abgesehen", so erwiderte der Engelsbruder, "ist das Interesse der Nachkömmlinge um Familiennähe merklich geschwunden! Selbst Zwölf- bis Vierzehnjährigen ist es zu langweilig, die Weihnachtsfeiertage im Familienkreise zu verbringen und sie bevorzugen Freunde und Weihnachtspartys und reagieren mürrisch, wenn sich ihre Vorstellungen nicht erfüllen." Der Engel spricht weiter: "Geschenke, meist teuer und der Unterhaltung dienend, werden in Hülle und Fülle erwartet. Bescheidenheit ist selten anzutreffen und auch Zufriedenheit vermisse ich oft. Und dies sogar bei Kleinkindern, denen die christliche Sicht auf das Fest durch Berge von Geschenke verbaut wird.

Sag, Bruder, wie war das früher, in alter Zeit, als du hier warst?" Der Angesprochene nickte bedächtig und erinnerte sich: "Wirklich dankbar für jede Kleinigkeit waren die Menschen; für das Festessen auf dem Tisch, für alles auf dem Teller. Der 2.Weltkrieg war gerade mal sieben Jahre zuvor zu Ende gegangen und damit eine schreckliche Zeit des Hungerns, der größten Not und Pein. Da war das Weihnachtsfest ein Friedensfest, welches man fröhlich begrüßte. Kinder freuten sich über ihren bunten Weihnachtsteller, gefüllt mit Plätzchen, ein paar Nüssen, Zuckerkringel vielleicht, einem Apfel und einer Orange. Dankbar war man auch über ein paar warme und selbstgestrickte Wollsocken oder -Handschuhe oder einen Pullover, der jahrelang zu tragen war. Mütter wurden praktisch beschenkt und erhielten vielleicht ein Ess- oder Kaffee-Service für die ganze Familie und die Väter fanden meist eine Krawatte unter dem Weihnachtsbaum." - "Dennoch war eine gute und zufriedene Stimmung?" "Oh ja, es war eine gute und zufriedene Stimmung in den warmen Stuben."

Die Beiden schwiegen ein Weilchen versonnen.

"Und wie verhielt es sich mit den guten Werken zu Weihnachten?", frug der Jüngere und ergänzte: "Ich sehe manche Geldspende auf die Konten großer Hilfsorganisationen eingehen. Wie verhielt es sich damals mit den Liebesgaben und der Nächstenhilfe?" "Weniger Geld, dafür mehr direkte Nothilfe wurde geleistet! Das

Volk war im Aufbau, Familien lebten fast alle nur von einem Einkommen - das des Vaters und der hatte meist eine fünf- und mehrköpf ige Familie zu ernähren. Dennoch gab es vor allem zu Weihnachten zunehmend gute Taten, man war sich nicht so fremd, sondern näher als heute. Kaum einer hatte mehr als die anderen und die Herzenswärme war beachtlich. Die Nächstenliebe ließ keine Raffgier, wie sie heutzutage zu viele Herzen erkalten lässt, zu. Selbst in ärmlichen Familien mit schmalen Behausungen, waren arme, alte oder kranke Mitmenschen als Gäste anzutreffen. Man teilte das Wenige was man hatte und in vielen Häusern erfreute man sich nach der "Bescherung", wenn den Kindern Genüge getan worden war, an nachbarschaftlichem Miteinander. Friedlich und zufrieden ging es beinahe überall zu und wenn man sich bis spät in die Nacht, die mancher als "heilig" empfindet, Geschichten erzählte, festigte dies den Gemeinschaftsgeist für die kommenden Monate. Geld vermag der Mensch auch mit unberührtem Herzen zu geben, doch selbstgebastelte Geschenke - an Abenden vieler Wochen in Liebe hergestellt, erwärmten die Beschenkten spürbar. Wir konnten", so berichtete der Engel weiter, "viel Herzblut, menschliche Wärme und Selbstlosigkeit feststellen und vermelden. Freilich, materielle Not kann nur durch entsprechende Mittel gelindert werden und wohin Füße nicht tragen und Hände nicht gelangen können, bleibt die Spende zur Wahl. Die Mitmenschlichkeit in direkter Form aber, trägt den Wohlgeruch hinauf zum Herrn."

Der an Erfahrungen noch junge Engel wird gefragt: "Wie steht es derzeit um den Frieden, wie um die Friedlichkeit einer würdigen Weihnacht?"

"Unfrieden, ja Zank ist in vielen Häusern zu finden, gereizte Stimmungen verdunkeln das Fest. Weißt du, Bruder, dies zu erklären; da es doch eigentlich nicht an gutem Willen mangelt?" " Weil das Christfest zu einem Feierereignis von vielen herabgewürdigt wird. Was den meisten Menschen wichtig ist, sind die arbeitsfreien Tage, der Genuss herrlicher Speisen oder weite Reisen in die Welt. Dies ist, als würde man der durstigen Seele Salzwasser reichen! Die Einigkeit in christlichem Bewußtsein des Ereignisses der Geburt des Erlösers und die Freude darüber.

vermag die Menschen in Harmonie und Friedsamkeit zu führen. Nur wenn der Geist die christliche Botschaft der einstigen Erlösung durch den Gottessohn und seiner Menschwerdung verinner licht, ist Frieden unter den Menschen auf Erden. Doch der christliche Glaube hat Scharten bekommen und in ausufernder Synergie, wird die Bescheidenheit der Geburt Jesu, durch ausgeschmückte Krippenanlagen und unchristliche Alternativen, auf die der Mensch inzwischen so stolz ist, untergraben oder gar gänzlich verdrängt! Das sah ich vielerorts", so der Engel. Beide senken die Köpfe und der Erfahrenere bemerkt leise: "Dabei lässt sich der Herr so gerne in jedes fromme Herz einladen. Zu sehr beschränkt sich die "stille und heilige Nacht" auf den wunderbaren Liedtext und findet im Innern der Menschen zu schwachen Widerhall.

Weihnachten 1952, weil du mich danach gefragt hast, lieber Bruder, da wußte ein jeder - ob Christ oder nicht - um den unvergleichlichen Wert des Friedens und manch einer fühlte nach Zeiten übelster Zerstörungen der Welt und ihren Gefühlen, die berührende Liebe Gottes und bekehrte sich zum Guten."

Noch eine ganze Weile unterhielten sich die zwei Engel und überlegten, wie sie das unterschiedliche Erleben der Weihnachtsfeste vor sechzig Jahren zu einem günstigen Bericht formulieren könnten. Denn einerseits wußten sie sich der Wahrheit verpflichtet und hatten den prüfenden Augen des Herrn standzuhalten, andererseits aber wünschten sie den Menschen forderliche Maßnahmen, damit die Erkaltung der Welt aufgehalten würde. Dann schrieben sie mit goldener Feder ihren Erfahrungsbericht und verlauteten auf demütige Weise Empfehlungen zugunsten der Menschheit:

"Als Beweise der uneinschätzbaren Liebe der heiligen Allmacht, stehen Gnade und Barmherzigkeit. Diese Zuwendungen finden zu jedem und überallhin ihre Wege.

Das 'Fest der Liebe' ist ein würdiger Zeitpunkt, diese Kraftwirkungen der Liebe den Bedürftigen zuzuwenden, auch wenn die Geschöpflichkeit die wahre Bedeutung und Macht des messianischen Erlösungswerkes, beginnend mit der Geburt Jesu, kaum ausreichend zu begreifen vermag. Doch was anderes als die Wirkung göttlichen Gnadenerweises wäre geeigne-

ter das zu bewältigen, was den Menschen ungünstige Veränderungen beschert: Lässlichkeit, schwächelnder Glaube, sich verlierende Religiosität, Ablenkungen, Verirrungen, Egoismen? Nur die reine Gottesliebe bricht weltliches Blendwerk und ist den Verführten Stütze zu Besinnung und Umkehr. Diese innere Wandlung im Allgemeinen und in der Christenheit im Besonderen, möge den Menschen barmherzigst zuteil werden, denn deren Würdigkeit hierfür entdecken wir in hohem Maße. In der Demut des wünschenden Geistes und geschwisterlicher Verbundenheit zu den Menschen, erflehen wir diese Zuwendung, vertrauend auf die Weisheit und Gerechtigkeit der all liebenden Macht, die selbst dem Geringsten Leben bedeutet."