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0129

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“Grüß Gott!”

- Die Sache mit dem Grüßen -

Womöglich waren es nicht gerade die glorreichsten Zeiten, als es noch Usus war sich gegenseitig freundlich und respektvoll zu grüßen. Jedenfalls verlief der Begegnungskontakt zweier Menschen früher höflicher oder freundlicher als in unseren Tagen.

Wir männlichen Vertreter der Vätergeneration, nickten als Knaben zu jeder Begrüßung kräftig mit dem Kopf oder nahmen unsere Mützen ab. In kalten Jahreszeiten eine zwar zugige, aber höfliche Angelegenheit, wie es unsere Eltern und Erzieher lehrten. Falls unsere Kids von Heute überhaupt etwas von Begegnungen mitbekommen, müssten sie erst einmal ihre Blicke von der Simserei losreißen, ihre Kopfhörer abnehmen und die Oberwindung aufbringen, überhaupt grüßen zu wollen! Auch die Mädchen

wussten vor undenklich langer Zeit (um die 50 Jahre zurück), wie eine Begrüßung ordentlich aussah und machten beim Handgeben einen kleinen Knicks. Möglicherweise hatte der Nachwuchs weniger Flausen im Kopf und die Hände frei, um den Erwachsenen Respekt erweisen zu können. Ich sehe noch die Herren vor mir, wie sie, zum lauten Gruß, mit geübtem Griff leicht ihre Hüte lüpften.

Ist die Welt in der wir leben unhöflicher geworden? Wenn mir neuerdings alle möglichen Leute zum Abschied (meistens aus Geschäften) "einen schönen Tag noch" wünschen, dann drängt sich mir die Idee der "Zweckfreundlichkeit" auf und da ich selber lange genug Sales-Trainer war, entdecke ich häufig die "lch-bin-dein-Freund"-Fassade gut antrainierten Lächelns und fühle dabei keinen Sonnenstrahl in meinem Herzen. "Howgh!" sprach der Indianer und zeigte als Zeichen des Friedens die offene Hand...

Bevor man mir nun aber notorische Unzufriedenheit mit so etwas "Unwichtigem" wie das Grüßen unterstellt, bekenne ich mich zu einer positiven Beobachtung, die ich auf Reisen mache: Zumindest verbal scheint sich die Welt näher gekommen zu sein! Es imponiert und gefällt mir, wenn ich irgendwo auf der Welt von wildfremden Menschen mit einem "Hallo" gegrüßt werde. Immer wieder erlebe ich das und vermerke für die Schnittstelle eines kurzen Augenblickes - genauso lang wie der kurze Blickkontakt währt, so etwas wie freundliche Einigkeit mit diesem Zeitgenossen. Man nickt sich zu, schaut sich in die Augen und lächelt ein "Hallo", was sich frenetisch in Holland wie "Hellou" anhört. Weil's gefällt, verfalle ich geradezu in einen Grußeifer und grüße "Hinz und Kunz" und freue mich über jeden Gegengruß. Vielleicht liegt 's daran, dass ich etwas grußentwöhnt bin, denn da, wo ich lebe, kostet es die Leute offenbar größte, unzumutbare Anstrengung, auf offener Straße so etwas wie "Tag!" zu brummen. Mit meinem fröhlichen "Grüß Gott" errege ich da freilich meistens eine besondere Aufmerksamkeit - womöglich wird es von manchen als Provokation mißverstanden?! Gehen wir mal davon aus, diese Spezies handelt einfach nur bibelgerecht, nach Luk.1:29 "Bei dieser Anrede fühlte sie sich

ganz verwirrt und begann darüber nachzudenken, was dieser Gruß wohl bedeuten könne."

Doch, die alten Grüße und Begrüßungszeremonien hatten schon was, griffen nicht selten ins Gefühlsleben ein und tippten an der Seele.

"Sei gegrüßt, du Begnadete!" wurde Maria, die Mutter Jesu, vom Engel angesprochen. Wow!

Es reizt herauszufinden, wie Mary in heutiger Zeit angesprochen werden würde. Etwa so: "Hello, du Glückspilz"?

Ist schlecht, was aus der Mode gekommen ist? Funktioniert das, was Sir.4:7,8 rät?

"Mache dich beliebt bei der Gemeinde, und vor den Hochstehenden beuge dein Haupt.

Neige dem Armen dein Ohr zu und erwidere seinen Gruß freundlich."

Gemeinde steht für Gemeinschaft, und wenn ich bemüht sein will ein angenehmer Menschenfreund zu sein, ernte ich Beliebtheit; wenn ich es nicht besonders anstrebe, warum nicht? Du, lieber Zeitgenosse, bist ein Gotteskind wie ich, und wir krönen die zwischenmenschlichen Momente durch einen Gruß von mir zu dir. Vielen mag der Anspruch des Liebesgebotes: "Liebe deinen Nächsten wie dich selbst" zu hoch angesiedelt sein; doch was taugte dieses Ansinnen, wenn ich andere übersehe? Ein winziger Ansatz nur, aber ohne Ansatz keine Strecke! Es tut nicht weh, jemanden mit einem leichten Nicken und Gruß zu bedenken und signalisiert, was man in Bayern (verdeutscht!) "Habe die Ehre" ausspricht (Bayerndeutsch: "Hawadere").

Wenn ich generell grüße, erspare ich mir die Unterscheidung zwischen arm und reich; außerdem bedauere ich die Armut im Geiste wesentlich stärker, als die im Portemonnaie.

Bleibt noch die fernsehtaugliche Sitte der Umarmung auf politischer Bühne. Wenn da Politiker verschiedenster Couleur Backenküsse austauschen, um sich anschließend um Macht und Milliarden zu fetzen, raubt mir das den Respekt. Da nutze ich

dann die Schublade Gebetshilfe und bitte darum, der Herr wandle doch die Show zum Fakt. Die Weltgeschichte zeigt solche wunderbaren Veränderungen auf - warum nicht auch im Jetzt? Jesus nahm den Judaskuss unaufgebracht entgegen und verwandelte den Verrat in den Sieg über alle Niedertracht und Verstellung!

Bestimmt gehört es zu den schönsten und herzenswarmen Begrüßungen, wenn sich Glaubensgeschwister etwa, so wir Geistchristen in der Gemeinde, erfreut umarmen und dann erfüllt sich, was Rom. 16:16 rät:

"Grüßt euch gegenseitig mit einem heiligen (= reinem, ehrenvollen) Kusse!"

Die segensreiche Einbeziehung Gottes in ein freundliches, harmonisches Miteinander, wird mit dem Gruß dienender Gottesboten immer dann angesprochen, wenn sie ihre Botschaft mit "Gott zum Gruße" beginnen. Dem Höchsten die Ehre zu geben, kann nur richtig sein.

Also, ihr lieben Mitmenschen, "Pfüad euch" - oder allseits verständlicher "Behüt" dich Gott!", und dazu ganz brasilianisch "um abrac.o" - eine Umarmung.

gerhard krause