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0127

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Todesurteile - Du sollst nicht morden

Gott benötigt keine DNA-Analyse oder sonstige Spuren um herauszufinden, wer zum Mörder geworden ist - Er weiß es!

Seit Kain seinen Bruder Abel ermordete, finden sich unzählige Nachfolger dieser Tätergattung auf des Teufels Lohnliste. Diese menschenverachtenden Schwersünder rekrutieren sich aus allen Bevölkerungs- und Sozialschichten und keine dieser lebensvernichtenden Taten ist edel - auch wenn manche Argumente diesen moralischen Fakt verdrehen wollen. Täterprofile und Motive mögen sich unterscheiden, doch bleibt es immer ein völlig individualistisches, schrecklich endgültiges Verbrechenswerk der Lebensvernichtung. Kein Drama ist wie das andere, doch alle sind sie gleich schlimm!

Als weiland Gott der Herr dem Mose sein Gesetzeswerk in die Hände gab, dürfte es Ihm hauptsächlich um die Wahrung zweier Schwerpunkte gegangen sein: Ihm, als einzig wahren Gott die Ehre zu geben und aller Geschöpflichkeit nicht zu schaden! Daraus erklären sich sämtliche Primärgesetze. Es ist die Gottes- und Nächstenliebe, die uns die Gebote befolgen lassen sollen. Im Umkehrschluß ist jeder Bruch göttlicher Vorgaben der Ausdruck krasser Lieblosigkeit, womit wir bei den niederen Beweggründen wären.

Wie durch all Seine Gebote, möchte Gott uns auch mit dem sechsten: "Du sollst nicht morden" vor große, selbstschädigende Fehler bewahren. Und: Er hat in aller Klarheit keine Ausnahme zugelassen!

Es waren klerikale Köpfe von Kirchenvertretern, die den ursprünglichen Begriff "morden" zu "töten" verfälschten. Doch töten und morden ist zweierlei! Das beste Beispiel entnehmen wir dem Thema Ernährung. Nahrung ist lebenserhaltend wichtig und was dazu auf unseren Teller kommt, bietet i.d.R. die Natur - die Pflanzen- und Tierwelt sind Teile der Nahrungskette, was unser Schöpfer weise eingerichtet und auch für uns vorgesehen hat.

Wenn jedoch irgendwo auf der Welt ein Tier dem Jagdtrieb eines Möchtegern- und Lustjägers zum Opfer fällt, nur damit eine Trophäe als Wandschmuck protzen kann, dann ist dies wahrlich keine edle oder notwendige Tat und der Schublade: Mord zugesellig!

Keinem einzigen Menschen - ja ich behaupte sogar: nirgends im gesamten Kosmos - ist es einem Wesen gestattet, ein Leben zu vernichten, ja nicht einmal zu gefährden. Der Selbsterhalt hingegen beinhaltet auch die Selbstverteidigung, worin kein verruchtes Motiv zu entdecken ist. Dass menschliches Leben schützenswert ist, scheint bei den meisten Gesetzesmachern dieser Welt angekommen zu sein. Leider aber nicht bei allen Machthabern! Die für Mörder vorgesehene Todesstrafe, trägt den Geschmack der Vergeltung. Ist ein verfassungsgerechtes Todesurteil denn edler als Mord aus stockniederen Beweggründen?

Im vergangenen April stimmte die Abgeordnetenschaft des 17. US-Bundesstaates Connecticut - nach über zehnstündiger heißer Debatte - für die Abschaffung der Todesstrafe. Unbestreitbar ein bitter nötiger Sieg der Menschlichkeit, wenngleich noch in 33 anderen US-Staaten die Todesstrafe weiterhin Gültigkeit behält und es immer wieder durch die Gänge der US-Gefängnisse schallen wird: "Dead man walking!"

Die Einsicht des Staates Connecticut hält sich bedauerlicherweise in Grenzen; denn elf dort noch in den Todeszellen einsitzende Verurteilten, sollen noch hingerichtet werden... Gnade mit Gültigkeitsdatum - die Buchhaltung des Todes diktiert die Umsetzung längst fälliger Gnade.

Gottes Gnade und Barmherzigkeit kennt kein Verfalldatum und greift uneingeschränkt in sämtliche Zeitbereiche, um geistiges Sein zu schützen. Als Jesus Christus in seinem irdischen Erlösungswerk am Kreuze starb, löschte er damit unser Treuevergehen aus, welches ja unsäglich lange vor seinem Menschsein stattgefunden hatte. Ein unvergleichlich heilsamer Rückgriff! Barmherzigkeit benötigt keinen Plan, denn sie ist frei, ständig und beständig.

Wenn es heißt: "Strafe muß sein", dann stellt sich die Frage: welche?! Sollte es nicht genügen, was sich in Rom. 12:19 so liest: "Rächet euch nicht selbst, meine Lieben, sondern lasset euren Zorn verrauchen. Es steht ja geschrieben: "Mein ist die Rache; ich will vergelten, - so spricht der Herr."

Dem höchsten Richter arbeiten die Kausalgesetze: Ursache <—> Wirkung zu! Da wird in feinster Gerechtigkeit und Qualität geregelt, wie es keinem Richter sonst möglich ist. Welch Trost in all den ungelösten Fällen und welcher Niederschlag für jene, die glaubten davongekommen zu sein.

Was freilich jedes Sünders Fall lindert, sind Einsicht + Reue und die gute Absicht der Wiedergutmachung, sprich Besserung. Das gilt vor Gott.

Menschlicherseits gilt verschiedentlich ein anderes Denken. Solange die Todesspritze gegenüber anderen Hinrichtungsmethoden als "human" bezeichnet wird, spricht dies für ein unglaublich ver-rücktes Bild von Güte und Menschlichkeit und spottet doch im Grunde dem Prädikat, sich als hochzivilisierte Kultur einzustufen. Kein noch so ausgeklügeltes Rechtsverständnis sollte Leben auslöschen wollen. Wenn Richter und Henker aus einer Kelle schlürfen, geben sie sich selbst den Weit und werden im Geiste Opfer untragbarer Vorstellungen. Sie brauchen unser Gebet, diese.

Gott alleine ist Herr über Leben und Tod. Mißbraucht dem zum Trotz der menschliche, freie Wille seine Macht, gehören zu den bitteren Resultaten schmerzhafte Erkenntnisse, leidvolle Erfahrungen - früher oder später, aber totsicher!

Das Thema wäre unvollständig behandelt, wenn andere Beleuchtungswinkel unbeachtet blieben.

Nicht morden zu sollen, beinhaltet selbstverständlich auch die Erwartung Gottes, sich nicht selbst zu morden! Das Leben ist uns verliehen, nicht wahllos geschenkt worden. "Mord" hat viele Facetten: "Du sollst nicht (ruf-)morden!" etwa. "Du sollst nicht (kriegs-)morden!", und auch die sog. "aktive Sterbehilfe" ist jedes kritische Nachdenken wert.

Einem ganzen Planeten Gewalt anzutun, bis hin zur Vernichtungsgefahr, ist eine weitere, großdimensionale Version. Mutter Erde zu verseuchen, die Natur zu verkrüppeln und Arten auszurotten, Elemente zu mißbrauchen und die Haut des "blauen Planeten" zu zerstören, sind unablässige Mordversuche an etwas, was uns trägt. Die Skala der Perversion teuflischer Zerstörungswut bedient sich fehlgeleiteter, menschlicher Kreativität. Wahrlich, diese Welt gehört nicht zum lichten Reich!

Umso dringlicher ist aufgerufen, wer bereit ist seine persönliche, kleine Welt heil zu halten und lebenserhaltend zu gestalten. Egal, welche Ausmaße destruktives Geschehen hat, keiner ist dem hilflos ausgeliefert. Es gilt, voll gläubigen Vertrauens jegliches Leben zu achten und - auch wenn's machesmal schwerfallen sollte, Selbstgerechtigkeit und Empörung durch Barmherzigkeit zu ersetzen. Dann haben wir die mächtigste aller Rückenstützen hinter uns: die Allmacht. Wer oder was sollte da stärker sein können? Lebe die Liebe, denn einzig die Liebe ist Leben.

gerhard krause