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Menschenskind

DIE LAST DER VORVERURTEILUNG

- l.Tim.5:21 -

    „Dass irgendein Mensch auf Erden ohne Vorurteile sein könnte, ist das größte Vorurteil.”
    (August von Kotzebue, 1761-1819)

Es stellt sich die Frage, ob wir uns dieser Falle vorgefasster Meinungen nicht wirklich entwinden können. Was keiner gegen sich haben möchte: Vorurteile, hat womöglich uns selber, wie ein schädlicher Virus, im Griff!

Immer schon plagten sich Menschen mit Vorstellungen und Voreingenommenheiten, die unkritisch übernommen werden, herum. "Hängt die Wäsche ab, die Zigeuner kommen!", lautet eine alte Warnung. Demnach wären alle Fahrensleut' Wäscheklauer und Hühnerdiebe? Und weil sich unter einem Heer braver Ordensbrüder einige triebgesteuerte Kinderschänder dem Himmel entfernen, darf nunmehr jedem Betreuer mit abgrundtiefem Mißtrauen begegnet werden? Wer darf den Ruf von Promis oder Fernsehmoderatoren für den Rest ihres Lebens verstümmeln, bevor aus Vorurteile Urteile geworden sind? Am besten weder vor- noch nachverurteilen. Der Allmächtige ist durchaus in der Lage, ohne unseren Zungenschlag für Gerechtigkeit zu sorgen und nichts, auch nichts was wir Unrechtes tun, bleibt letztendlich ungesühnt. Daran dürfen wir ganz fest glauben.

Journalismus, der Mitmenschen durch den Dreck zieht, muß nicht unser Interesse finden und mit den Wölfen heulen geht schon gar nicht, und wenn's noch so harmlos verpackt wird: "Man sagt ja bloß.."

"Du sollst nicht unwahr zeugen wider deinen Nächsten" 9.Gebot - wer kennt es nicht?

Vorurteile zeichnen sich durch schlechte Annahmen, vage Vermutungen aus und haben nichts mit begründeten Meinungsbildern zu tun! Wir sind gut beraten unsere Ansichten still für uns zu behalten und das Wiederkäuen alter Klischees zu vermeiden ("Nimm dich vor Rothaarigen in acht!" z.B.).

Diskriminierung ist eine gefährliche Wortwaffe und läßt schuldig werden. Auch Rufmord ist Mord! Ein einziges Gerücht vermag eine lebenslang und mühsam aufgebaute Reputation gänzlich zu zerstören, Leid zu schaffen und kaum heilbare Wunden zu schlagen. Unsere Welt ist prall gefüllt mit solchen Vorgängen! Manches Lästermaul schmeißt mit Schmutz nach dem Motto: 'Wird schon was hängenbleiben' und leider geht solches Kalkül oftmals auf. Nur was wir persönlich erlebt, gehört oder gesehen haben, genügt den Ansprüchen von Wahrheit und verdient sich das Wahrheitssiegel. Wenn sich Pastoren und Pastorinnen einer Großkirche oder sogenannte "Sektenbeauftragte" dazu hinreißen lassen, brave Christenmenschen, die Ihre bemühte Religiosität außerhalb großkirchlicher Allianz ausüben, pauschal als Sekten und Sektierer zu diffamieren - und dies öffentlich, dann dürfte sich Christus solcher "Würdenträger" gewiß schämen. Die freikirchliche Gemeinschaft, die spirituelle Gemeinde, die Gebetsgruppe oder gar der Einzelchrist, der zwar den Gemeinschaftsgeist noch nicht erkannt hat, sich aber um ein tugendhaftes Leben bemüht, all diese Christen sollen verachtenswert und schlechter sein, als der Amtskirche an— gehörige Babygetaufte? Was unbescholtenen Mitchristen

da aus Mündern, die doch die Nächstenliebe zu lehren beauftragt sind, an Verachtung entgegenschlägt, ist unbeschreiblich und ist mif Vorurteil kaum mehr zu erklären! Welch Trost, dass GOTT alles richten wird. "Das begründenste Vorurteil wiegt auf der Waage der Gerechtigkeit so viel wie nichts." (Lessing, Emilia Galotti).

Zu was ein herber Fußtritt gegen die Nächstenliebe und blinde Wut, aus Anmaßung, führen können, beweist uns die Leidensgeschichte des Stephanus (Apg.7:53-58): aus Worte des Hasses wurden tötliche Steine...

Keiner werfe den ersten Stein! Einem Vorurteil zu verfallen ist schneller passiert als wir manchmal denken - wir sind Menschen. Schlimm aber sind die Meinungsmacher, die Fronten gegen alles bilden, was nicht ihren Stallgeruch hat. Auch Jesus sah sich in der ausgegrenzten Position des Aussenseiters und schmeckte die von Pharisäern verabreichte Bitterkeit, in der Einheit des heiligen Geistes, der ein Geist des Friedens, des Verständnisses, des Lernens ist, finden sich alle, die mit Christus sind und in einer Wahrhaftigkeit und Redlichkeit somit der wahren, geistigen Kirche zugehörig sind. Wer sich da um Zugehörigkeit bewirbt, kennt keine falschen Worte und schürt kein unsauberes Feuer. "LIEBE DEINEN NÄCHSTEN".

"Viele Leute glauben, dass sie denken, auch wenn sie nur ihre Vorurteile neu ordnen" erkannte William James, Philosoph (1842-1910).

"Lasst uns mit dem Herzen denken!", möchte ich ausrufen und sage dies nicht nur aus meinem Priestersein, wenn ich dabei die Zieltugenden Wahrhaftigkeit und Demut ins Auge fasse. Ich glaube an die Liebe, die in unserer menschlichen Identität - genauer, basiell verwurzelt, in der geistigen - angesiedelt ist. Diese Kraft sorgt für die Vergänglichkeit von Vorurteilen und allem Unguten. Negierende Ein- und Abschätzungen bewirken die Vergiftung des eigenen Wesens, wovor man sich besser hüte.

Um sich vor Verschuldung zu bewahren, bleibt die faire Chance das Gespräch mit dem Menschen, über den hergezogen bzw. schlecht geredet wird, zu suchen. Bilde dir eine eigene Meinung und begründe dein Interesse: "Damit ich keinem falschen Vorurteil verfalle."

Ansichten aus zweiter Hand müssen schon nicht mehr echt sein und Verteiler von "Gerede" zu sein, dafür sollten wir uns zu schade sein.

Vielleicht lernen wir von höchster Stelle? Denn ich meine: GOTT hat keine Vorurteile, sonst Würde ER uns nicht erschaffen haben...

gerhard krause