kirche_head2
SEND_COVER

Nr.:

0117

zurück zum

Und Gott schenkte das Leben

Joseph, Sohn des Jakob, aus Galiläa stammend, war Nachkomme eines alten, angesehenen Geschlechtes und sein Stammbaum ließ sich bis zu Abraham zurückverfolgen.
Von seinem Großvater, Matthan, bekam Joseph eine tiefe Gottgläubigkeit, welche die gesamte Linie der Familie auszeichnete, vermittelt. Und so entwickelte sich Joseph zu einem etwas ernsten, frommen Mann, dessen Lauterkeit und Fleiß ihm Ansehen verschaffte. Man beanspruchte ihn gerne, denn trotz seiner stillen Art, zeigte er sich stets freundlich und bereitwillig. Weil er von früh an seine Vorliebe für Holz bewies, war er Zimmermann geworden, ein fähiger sogar und bald genoß er weit über die Grenzen seines Heimatdorfes hinaus den Ruf eines begabten Handwerkers. Die schönsten Möbelstücke verstand er kunstvoll anzufertigen und kaum einer konnte Balkenwerk so gekonnt verzapfen, wie er. Später dann sollte sein Sohn Jesus ebenfalls Freude am Holzhandwerk finden und in die Fußstapfen seines Vaters treten. Dann würde er sich am Tagwerk seines Vaters beteiligen und eigene Aufträge zur Erledigung bringen. Manche tribünenähnliche Anlage in einem der umliegenden Dörfer, schufen Vater und Sohn Hand in Hand. Kleine nützliche und gleichzeitig kunstvolle Holzgebäude, in die Gärten betuchter Auftraggeber gesetzt, würden das Auskommen Jesu und ein gewisses Geld, das ihm seine spätere Mission erleichtern würde, sichern. Aber dies war die Zukunft.
Joseph, der allerdings recht früh verstarb, war ein gutaussehender Mann, in dessen feingeschnittenes Gesicht ein dunkler Bart dominierte. Hellwach seine Augen und wenn er ruhig aber leichten Schrittes durch die Gassen schritt, manchmal geneigt von der oft schweren Arbeit, folgte ihm mancher interessierte Blick aus dunklen Frauenaugen. Joseph war noch unbeweibt und ohne dass er darüber sprach, fühlte er, der richtigen Frau noch zu begegnen. Es machte ihm nichts, dass er über all das Hoffen schon über Dreißig geworden war.
Gott verspätet niemals in Seinen Plänen und so geschah es, dass dem guten Joseph auf einer Feier ein junges Mädchen von dessen Eltern vorgestellt wurde. Sofort war in ihm eine unerklärliche Gewißheit, in dieser Jungfrau die langersehnte Blume seines Herzens gefunden zu haben. Maria, Mirjam genannt! Dieser Name begleitete den Zimmermann von nun an in Gedanken und selbst in seinen Träumen.
Recht zart von Gestalt, von lieblichem Aussehen und harmonisch in ihren Bewegungen, verkörperte Maria bereits mit ihren fünfzehn, vielleicht sechzehn Jahren, was ein Mann gerne für sich gewinnen würde. Die Scheu einer jungfräulichen Maid verstärkte ihren Liebreiz und weckte auch in Joseph den Wunsch, dieser jungen Frau Schutz und Versorgung sein zu dürfen. Beide fühlten sich in ungewöhnlicher Weise zueinander hingezogen und es regte sich in ihnen ihre Bestimmung. Marias Eltern standen einer ebenfalls respektierten Familie des Mittelstandes vor und die Zeichen der Zuneigung blieben auch ihnen nicht verborgen. Alte Sitten und Regeln des Anstandes beanspruchten Zeit und es erforderte Geduld, bis alle dem Verlöbnis zugestimmt hatten. Von göttlicher Hand war gefügt, dass aus der Wege zwei,alles zu einem heiligen Geschehen werden sollte.
Geprägt von ihrem reifen Geist, war Maria von Wahrheitstreue und demütiger Frömmigkeit geprägt. Inniglichst in Gebete versunken, mochte sie es, viel Zeit in der Zurückgezogenheit ihres Zuhauses zu verbringen.
Es geschah zu der Zeit, als die Frau des Priesters Zacharias -aus der Dienstabteilung Abia, nach langer Kinderlosigkeit ein Kindlein unterm Herzen trug. Elisabeth, Eliseba, was "Gott ist Vollkommenheit" bedeutet, genannt, sollte den Wegbereiter Jesu, den Täufer Johannes, zur Welt bringen. Maria war ihre Anverwandte.
Zu der Zeit also war Maria wieder einmal in stiller Zwiesprache mit Gott dem Herrn, als in ihre Behausung (" in einer Stadt Galiläas") eine Lichtgestalt eintrat. Maria, deren Angst von dem freundlichen Gruße der Erscheinung: der Engel Gabriel und Beauftragter Gottes, mit den freundlichen Worten weggeblasen wurde:"Sei gegrüßet, du Begnadete! Der Herr ist mit dir! Du bist gesegnet unter den Frauen!", erschrak. In Maria tanzten ihre Gedanken und Gefühle einen irritierten Reigen und sie wußte das Geschehen nicht zu deuten. Da fuhr der Engel fort: "Fürchte dich nicht, Maria! Denn du fandest Gnade vor Gott. Siehe, du wirst guter Hoffnung werden und einen Sohn gebären. Ihm sollst du den Namen Jesus geben. Dieser wird groß dastehen und 'Sohn des Allerhöchsten' genannt werden. Gott der Herr wird ihm den Thron seines Vaters David geben. Er wird über das Haus Jakobs herrschen bin in die zukünftigen Zeiten, und sein Königtum wird kein Ende haben."
Da fragte Maria den Engel: "Wie soll das möglich sein? Ich habe doch mit keinem Manne Verkehr."
Der Engel gab ihr zur Antwort: "Ein heiliger Geist wird auf dich kommen, und die Kraft eines sehr Hohen dich überschatten. Darum wird das Gott geweihte Kind ein 'Sohn Gottes' genannt werden."
Maria fühlte sich damit überfordert, all dies zu verstehen und in ihr hämmerten die Gedanken: Aber als Jungfrau gebe ich mich keinem Manne hin und mit Joseph steht doch mein Bräutigam brav und keusch zu mir. Wohl ahnte sie die Unfasslichkeit eines Ablaufs von Zeugung, Geburt und Bedeutung eines besonderen Kindes, abseits des Normalen. Des Engels Absicht aber war, ihr weitere Möglichkeiten ungewöhnlicher Ereignisse vor Augen zu halten und erklärte deshalb: "Und wisse: Elisabeth, deine Anverwandte ist trotz ihres hohen Alters ebenfalls in Hoff­nung und erwartet einen Sohn - und sie, die bisher als un­fruchtbar galt, ist bereits im sechsten Monat. Denn keine Verheißung Gottes bleibt unerfüllt."
Während des geistigen Redens, breitete sich in Maria Frieden und die Bereitschaft aus, nach eigenem Wollen die Bekundungen des Engels mit Folgsamkeit zu beantworten und sie sprach: "Ich betrachte mich als eine Dienstmagd des Herrn. Mir geschehe, wie du gesagt!" Darauf schied der Engel von ihr. Luk. 1:26-38
Maria verbrachte einige Tage damit, die Begegnung mit dem Himmelsboten zu verarbeiten. Sie war bereit alles zu unternehmen, was den Worten der Verkündigung Bestätigung sein konnte. Also machte sie sich gleich in den nächsten Tagen "auf den Weg und eilte in das Bergland nach einer Stadt in Judäa. Sie trat in das Haus des Zacharias und begrüßte Elisabeth. Sobald Elisabeth den Gruß Marias vernahm, hüpfte das Kind in ihrem Schoß, und die volle Kraft eines heiligen Geistes durchströmte sie, und mit lauter Stimme brach sie in die Worte aus: "Gesegnet bist du unter den Frauen, und gesegnet ist die Frucht deines Schoßes! Wodurch habe ich denn das Glück verdient, dass die Mutter meines Herrn zu mir kommt? Denn als die Worte deines Grußes an mein Ohr drangen, da hüpfte das Kind in meinem Schoß vor Freude. 0, glücklich zu preisen ist die, welche geglaubt hat, dass die ihr vom Herrn gegebene Verheißung in Erfüllung gehen wird." Luk.1:39-45
Das Gespräch zwischen den Frauen fand unter gesegneter Lenkung statt und so fand Maria Worte, die ihr zwar von alleine kaum auf die Zunge gekommen wären, ihr innerstes Bestreben dennoch ausdrückten: "Es preiset meine Seele den Herrn und mein Geist jubelt in Gott, meinem Retter. Denn der Herr hat herabgeschaut auf die Demut seiner Magd." Nun ließ Maria Worte der Lobpreisung und Verherrlichung Gottes vernehmen und erfasst damit bereits das spätere Erlösungswerk ihres zu erwartenden Kindes und wußte es als Gnadenakt Gottes zu würdigen: "Seines Knechtes Israel nahm er sich an und gedachte, sich seiner zu erbarmen. So hatte er es ja unseren Vätern verheißen..." Luk. 1:46,47,54,55
Drei Monate, bis kurz vor der Niederkunft Elisabeths blieb Maria bei ihr und kehrte dann gestärkt und vorbereitet nach Hause zurück.
Auch wenn es dem Joseph nicht bewußt war, erfüllte sich die Prophezeiung des geistigen Verkünders und es geschah unter der Mitwirkung eines hohen Gottesgeistes, was den» Willen Gottes in allem Ablauf Heiligkeit und Gültigkeit verlieh! Also kam es, dass Jesus "nicht durch den Willen eines Mannes und auch nicht infolge des Naturtriebes des Fleisches" Joh.i:i3 gezeugt und ins Dasein gebracht wurde.
Da sich Gott an Seine eigenen Gesetze hält, geschah demnach nichts außerhalb einer Gesetzlichkeit, deren Umfang und Wirkungsweise dem Höchsten und Gesetzgeber in vollem Umfang dienlich sind, was uns Menschen aber nicht in Gänze transparent sein muß.
Josephs wohl größte Lebensprüfung begann. Gleichzeitig war für Maria eine jener starken Bewährungsproben angebrochen, in der sie all ihre Glaubensstärke und größtes Gottvertrauen zu beweisen hatte.
Verlobt mit Joseph, stellte sich nun vor ihrer Heirat heraus, dass sie in guter Hoffnung war! Dies konnte - nach jüdischer Auffassung, zu ihrer Ächtung, ja Steinigung und damit zu ihrem unrühmlichen Tode führen! Unbeschreiblich, welche Zweifel und quälenden Vorstellungen Joseph zu bewältigen hatte. Die Vorstellung, ohne seine geliebte Maria weiterleben zu sollen, raubte ihm fast den Verstand und aufgrund seiner Anklage für ihre Verurteilung verantwortlich zu sein, verschaffte ihm größte Pein! Seine Zukunft, all die schönen Pläne: zerstört! Sein Vertrauen? Zerschlagen. Und doch lebte in ihm eine merkwürdige Gewißheit, dass ihm seine Verlobte nicht Unrecht angetan und ihre Liebe zueinander verraten haben konnte. Kein Mensch darf überfordert werden, also siegte in Joseph die einfließende Erkenntnis, Teil eines göttlichen Planes und damit gesegnet zu sein!
Mit dieser Entscheidung waren abgefallen die nagenden Zweifel und bohrenden Schmerzen eines verwundeten Herzens und Dankbarkeit verdrängte die Düsterheit in seinem Innern und es erfüllte ihn der Wunsch, seinen hohen Auftrag zu erfüllen.
"Er nahm Maria zur Frau.
Er hatte solange keinen Geschlechtsverkehr mit ihr,
bis sie den ersten Sohn geboren hatte." Er gab ihm den Namen Jesus .
"Die Geburt Jesu erfolgte zu Bethlehem im Lande Judäa unter der Regierung des Königs Herodes." Matth.2:1

Euch allen ein gesegnetes Christfest!

Gerhard Krause