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0116

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Brot statt Steine

- Vom Spendenwesen genesen? -

“Glücklich zu preisen sind die Barmherzigen, denn sie werden auch für sich Barmherzigkeit erlangen." Mt.5:7

Als ich die Tage die Zeitung aufschlage, fallen mir zwei direkt nebeneinanderstehende Beiträge auf: Da zeigt ein grausam gut gelungenes Foto eine Traube höchst verzweifelter pakistanischer Flutopfer - aus der Provinz Panjab, die sich - um der Fluthölle zu entkommen - mit letzter Kraft an die Kufen eines abhebenden Armeehubschraubers klammern. Vergeblich freilich. Doch wer die Wahl hat Hungers zu sterben, oder durch Krankheit oder Ertrinken, der nimmt einen Sturz aus fünf Metern Höhe in Kauf... Schon eine mittelklassige Organisation und wenige Euros würden genügen, so lese ich bestürzt, das Leben eines solch Todgeweihten

Menschen zu erhalten.

Dann fällt mein Blick auf eine Notiz, die unseren ehem. Aussenminister Hans-Dietrich Genscher als eine Art Gewinner-Figur feiert; weil er sich als Schirmherr für den Wiederaufbau einer Dorfkirche in Nossetin (Mecklenburg-Vorpommern) eingesetzt und sage und schreibe 650.000 Euro dafür eingesammelt hat. Faktisch gesehen für einen Haufen Steine, für kirchliches Zierwerk - was halt so üblich ist!

Ich begreife zwar, fühle in mir statt Beifall eher Traurigkeit. "Gute Zwecke" gibt es viele und die Pflege von Kultur, Denkmal und Historie mag ihre Bedeutung haben, und ich staune auch über das Engagement dieser Einzelperson, die es schaffte soviel Geld zu erbitten. Doch dann komme ich nicht umhin mir vorzustellen, wieviele vergessene Pakistani mit diesem Geld hätten wieder zum Leben gebracht werden können!

Aber Steine statt Brot? Was hätte Jesus getan? Jahr für Jahr reissen Überschwemmungen Menschen ins Unglück, rauben deren Hab und Gut und raffen sie dahin. Dazu kommen schier unbeherrschbare Feuerbrünste irgendwo auf unserer Welt, die Existenzen vernichten, Natur und Leben! Durch unvorstellbar grausame Kriege werden Seelen zu blutenden Wunden - auch die von Kindern - nicht nur in Südafrika - die keine mehr sein dürfen. Opfer wohin man sieht  - Not global!

Und keiner kann mehr wegsehen: Technik zwingt zum Hinschauen, was auch ein Preis von Internet ist, oder sollen wir sagen eine Chance?

Bedürftigkeit - eine etwas andere und doch nicht weniger bittere, hat auch deutsche Kennzeichen: Hartz IV, insolvente Mittelschicht, Arbeitslosigkeit: keine Bausteine für eine fröhliche Zukunft! Immer geht es um Mitmenschen, um Brüder und Schwestern. Sollten sich da Anstrengungen und Spendenaktionen nicht in erster Linie für sie verwenden, solange es deren Nöte gibt? Steine statt Brot?

Zunehmendes Lärmgetriebe, und Partygekreische um uns herum verstopft manche Ohren, sonst könnte man womöglich vernehmen, wie sich selbst Steine  des Leids erbarmen.

Es gibt sie, die Barmherzigen und für jeden - ob superreich oder wohlhabend, ob versorgt oder selber arm an Mittel - immer war und ist das Geben ein Schritt der Selbstüberwindung!

"Spenden macht glücklich", so der Milliardär Dietmar Hopp, der schon mal die Hälfte seines Vermögens für soziale Zwecke gespendet und damit vielen Alten, Kranken und Kindern ein rettender 'Engel' war. "Ich habe keine Sekunde bereut, dass ich diesen Schritt gegangen bin" beteuert er und hält im Übrigen deutsche Milliardäre für "eher knausrig".

Ebenfalls die Hälfte ihres Vermögens beabsichtigen 42 US-Milliardäre gegen Armut, Aids, Malaria und für Entwicklungsländer einzusetzen.

GOTT weiß auch, dass wir Deutsche alleine in den Jahren 2006 und 2007 rund acht Milliarden Euro gespendet haben und: ER sieht auch wofür! Da s ist der Punkt!

Es gilt für jeden von uns, den bedürftigen Nachbarn zu entdecken. Vielleicht gehört dieser Mensch zu jenen, die aus Armut nachts Plastikflaschen einsammeln...?

Spektakuläre Aufrufe und Riesenscheck-Präsenzen vor den Kameras gibt es viele. Doch hat der unvergessene Musikant Louis Armstrong recht mit seinem kritischen Ton: "Es gibt Wohltäter, die es gerne sehen, auf frischer Tat ertappt zu werden."?

Dringenster Not abzuhelfen, ist nie "rausgeworfenes Geld", wie sich manche Spendengegner selbst beruhigen. "Omnia vincit amor" kann ich da nur augenzwinkernd kontern: "Die Liebe bezwingt alles, sogar den Verstand!" Letztendlich, und wenn man's versucht.

Gewiß gibt es Zeitgenossen die sich arm fühlen nicht weil sie arm sind, sondern weil viel Bedarf da ist. Wer vermag sie zu zählen, die sich im Würgegriff einer Profitgier befinden und zur Klasse einer labilen Konsumgesellschaft gerechnet werden müssen? Doch damit ist keine Spendenstarre und kein Geiz entschuldigt.

Ja, schenken darf ein bisschen weh tun, dann hat man sich ein klein wenig selbst besiegt. Sogar so alte Sprüche wie: "Jeder ist sich selbst der Nächste" dürfen gelegentlich aus der Mode kommen.

Wir helfen mit Vorliebe da, wo keiner mehr oder noch keiner hilft. Dieses Motto unserer Kirchengemeinschaft strengt freilich an und führt an Grenzen. Doch es animiert auch sich an den zu wenden, der an keinem Problem scheitert: GOTT! Nur sollten wir uns vertrauensvoll an Ihn wenden - und das nennt man dann Gebet.

Danke, dass Sie mir Ihre Zeit geschenkt haben, danke dir,

gerhard krause