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Nr.:

0115

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Kirchen-Schatten

Es ist mehr als nur übliche Schelte, was den bischöflich-Ordinariaten zur Zeit einen gehörigen Tinnitus verschafft! Trotz der Mißtöne wegen Mißhandlungs- und Mißbrauchsvorwürfe, richtet das Oberhaupt der Lateinkirche von Rom aus seinen Kommentar dazu in irgendeine Himmelsrichtung, und verweigert dadurch seinen Landsleuten die persönliche und begehrte Anteilnahme, was hülfe, manche Gemüter etwas zu beruhigen. Das längst fällige Eingeständnis einer verkrusteten Kurie, dass Unbeflecktheit sich nicht auf Kirche beziehen kann, wäre Teil ehrlicher Selbstdarstellung und würde vom Glaubensvolk gewiß honoriert. So aber drängen sich in Standesämtern im Schnitt viermal mehr Austrittswillige als zu normalen Zeiten. Entsetzen und Verunsicherung sind groß, Vertrauen gebrochen. Solange Unschuldsvermutungen zu gelten haben, sind Beschuldigungen generell fragliches Tun. Wer ist frei von Sünde? Es ist der Umgang mit Vorwürfen, der Wahrheitsliebe oder Täuschung verrät!

Lehren Priesterseminar und Priestersein denn die abgehobene Selbstbewertung? Es mutet seltsam an, wenn ein von bislang acht ehemaligen Heimkindern an Eides statt beschuldigter Bischof, wie der von Augsburg: Walter Mixa, auf die Vorwürfe, er habe geschlagen antwortet: "Ich habe ein reines Herz." Toll, so etwas sagen zu können! Damit sind andererseits acht Bürger, die sich mutig an die Öffentlichkeit wagten, der Lüge beschuldigt... Mixa, dessen bekanntes Credo ist "Ich bin gut zu euch, seid bitte auch gut zu mir", hat doch hoffentlich nicht erfahren, dass Kinder nicht gut zu ihm waren,und ist nicht einem anderen Credo verfallen: Wie du mir, so ich dir!? Nun, wer immer was getan hat - der Herrgott weiß es. Diese Gewißheit darf das ganze Universum haben.

Es ist der Herr, der alles genau beleuchtet, sodass Sein Licht auch die Schatten anzeigt. Ihm obliegt alle Gerechtigkeit und die übt ER mängelfrei aus, keine Sorge. Dieser Trost ist jedem Opfer und enthebt uns, auch und gerade uns andere, freie Kirchen der Versuchung, in irgendeiner Art und Weise zu verurteilen. Es sind nicht die Institutionen die Fehler begehen, sondern die Menschen in ihnen. Nicht aufgeblähte Verwaltungsdenkmäler und künstlicher Heiligenschein begehen Sauereien sexueller Übergriffe und legitimieren Gewalt zum Erziehungsmittel, sondern einzelne Verirrte sind es und auch nicht ein ganzer Berufsstand, da sollte man fair bleiben.

Der moralische Anspruch, den Kirchen stellen, daran haben sie sich selber messen zu lassen. Auch für zugenagelte Kirchen endet die Zeit der Vernebelung und Selbstherrlichkeit, sich in unsauberen Dingen als Generalregulatorin aufzuspielen und sich als Staat im Staate zu gebärden. Schwere Kirchenpforten werden zu Glas, dafür sorgt die allerhöchste Instanz,die lange Geduld haben mag, aber nicht unbegrenzte. Es ist erst der Anfang, so wage ich die Prognose, wo den Kirchenvölkern Aufklärung wird. Vieles konnte und kann noch falsch gemacht und unter den Teppich gekehrt werden. Wurde nicht in Synoden die "Erneuerung" der Kirche beschworen? Transparenz ist wie eine Gebetserhörung!

Täter können auch Opfer sein. Als Nachkriegskind weiß ich noch etwas von der Härte, Strenge und mancher Lieblosigkeit, mit denen sich viele der Beschuldigten als Kind konfrontiert sahen. Karg und schwer war das Leben unserer Eltern und Großeltern und ein oder gar zwei Weltkriege pressten ihnen einen hart machenden Stempel unbarmherzig auf. Damit ist nichts entschuldigt, aber manche Fehlentwicklung erklärt. Eltern, Lehrkräfte, Geistliche und Nachbarn, für sie alle war es zu meiner Kinderzeit "normal" den Stock oder die Hand zu erheben, den Hintern zu versohlen oder Ohrfeigen zu verabreichen. Kleine Ordnungswidrigkeiten, Ungehorsam oder Respektlosigkeiten genügten um das zu tun, wofür heutzutage Gefängnisstrafen ausgesprochen würden. Die ganze Pädagogik war in den fünfzigern und sechziger Jahren bedenklich gewaltbesetzt. Und hast du dich zu Hause beschwert, folgte die Folgetracht Prügel, weil doch Lehrer und Pfarrer schon wissen, was berechtigt ist, oder?

"Mißbrauch ist Todsünde" sagt der Papst und offeriert - nach katholischem Verständnis - seinen Priestern die Unverzeihlichkeit einer Tat. GOTT ist gnädiger, ehrlich! Wozu nützten dann noch Einsicht und Reue? Wenn Schlechtigkeiten Seelen in die Knie zwingen, dann ist Erbarmen angesagt. Dies hat Jesus im Umgang mit der Ehebrecherin bewiesen. Deshalb bete ich für Lehrer, Erzieher, Eltern, Nachbarn und schwarze Hirten, dass sie in Erkenntnisse kommen, Reue fühlen und den Mut haben, sich zu bekennen. Unversöhnlichkeit, Vergeltung oder gar Hass, werfen sich gegen den Absender, auch wenn er Opfer ist, dies zu bedenken hilft Frieden in sich zu erfahren. Nicht nur uns Christenmenschen, die gesamte gefallene Schöpfung hat Jesus Christus mit seinem Blut und Opfertod befreit und alles, was wir verschuldet hatten, mit Liebe,und nichts anderem,aufgewogen. Hätten die Schläger und Mißbraucher sich auch nur einmal die Frage gestellt: "Wie würde Jesus handeln?", wäre die Antwort ins Herz geflossen und unschuldigen Kindern unfassbare Übergriffe von gesalbten Händen erspart geblieben... Wie nahe also ist Jesus in einer Kirche - oder wie fern? GOTTES Mühlen malen langsam aber sicher - auch eine Wahrheit. Uns allen, die wir scheinbar "außen vor" sind, bleibt die Selbsterforschung und Gebete für Opfer und Täter, dass Wunden verheilen und Schatten vergehen.

Ein gesegnetes Pfingsten gerhard krause