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0109

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Freundlichkeit ist eine Zier

Zwar sorgen nachlassende Umsatzzahlen im Geschäftsleben für zunehmende Freundlichkeit, als emotionale Serviceleistung, doch "gefühlt" hat die ehrliche, herzliche Freundlichkeit insgesamt erheblich nachgelassen!
Und sogar die Shopingtour bereitet Überraschungen: trotz prall gefüllter Prestige-Einkaufstüten, wird einem nicht selbstverständlich zweckfreundliches Verkaufspersonal zuteil. Wie ein Bittsteller und Störenfried kommt man sich in manchen Abteilungen und Geschäften vor, wenn man mit einer unangenehmen Interessenfrage eine Clique ratschenden Verkaufspersonalsaufschrecken muß: "Ich hätte da eine Frage...?!"
Auch an der Kasse wird einem das Gefühl von Kundenwichtigkeit nur solange zugestanden, bis man die Frage nach der haustypischen Kunden-Card mit: "Hab ich keine" beantwortet hat. Der dann folgende strafende Blick, den man dann schuldbewusst einheimst, spricht Bände.
Suchen wir also woanders nach jener Freundlichkeit, nach der uns dürstet. Dazu schlendern wir durch menschenüberflutete Einkaufsstrassen und lächeln entspannt alle Passanten an, die uns länger als die übliche Dreiviertelsekunde mit ihrem Blick fixieren. Die Ergebnisse deines Lächelns sind wahre Erlebnisse. Einige der Mitmenschen reagieren irritiert oder sichtlich überrascht. Andere erwidern deinen visuellen Frohsinn und quälen sich als eine Art "Aha-Effekt" ebenfalls ein Lächeln ab. Ewig mißtrauische Gemüter fühlen sich spontan provoziert und angemacht, was dich veranlassen sollte schnellstens wieder wegzugucken und dein Lächeln umherblickend zu streuen, bevor dir ein Schwergewicht an den Kragen geht. Man lächelt nicht einfach jemand an - wo sind wir denn!?
Schwer ist’s mit der menschlichen Wärme, in deutschen Landen. Wir gehören zu den Weltmeistern in den Disziplinen Unnahbarkeit, Nullsignal-Gesichter (Pokerface) und Fröstelstimmung. Dabei sehnen sich die Menschen nach Zuwendung, Anerkennung und ungezwungener Herzlichkeit. Kritisiert werden stets nur die Unfreundlichkeiten anderer. Das ist, als würde ein Esel zum anderen Langohr sagen..!
Vielleicht lernen wir von einer Kerze? Sie gibt ab dem Moment Wärme ab, wo sie von einer Lichterflamme berührt worden ist. Auch wir können so ein Licht in tiefdunkler, geistiger Nacht sein; denn lichtvoll ist der Himmel, bestimmt nicht unsere Welt. Wenn wir andere durch unsere Freundlichkeit berühren, verspüren sie Freude und Wohlgefühl und kriegen vielleicht Lust, ebenfalls zu leuchten. Dabei seien noch nichtmal die hohen Liebesgebote: "Liebe GOTT über allem und den Nächsten wie dich selbst" vorangestellt, weil es manchem zu anstrengend angesiedelt scheint. Dann beginnen wir besser mit dem kleinen "Wohltu- lxl": Geduld, Toleranz, Verständnis, Friedfertigkeit, Freundlichkeit, als Steigerung von purer Höflichkeit .
Diese Elemente vermögen die Liebe in uns zu mehren! Mit unseren Mitmenschen, die ja verkrampft sein könnten, locker umzugehen, öffnet Zugänge zu ihnen. Ein arabisches Sprichwort sagt: "Humor und Geduld sind Kamele, die durch die Wüste tragen."
Und wie steht’s mit Vorbildhaftigkeit? Freundliche Eltern haben sehr oft auch freundliche Kinder. Schauen Sie mal hin. Es ist nicht zu leugnen, dass es zum Großteil eine Erziehungsfrage ist, wenn Kinder, die noch vor wenigen Jahren auf Windeln angewiesen waren, zu Eltern und anderen Erwachsenen eine unerträgliche Schnoddrigkeit und Respektlosigkeit an den Tag legen. Ist das der Grund, warum einer Umfrage zufolge jeder vierte Deutsche dafür plädiert, einen sog. "Eltern-Führerschein" einzuführen? Die Fähigkeit zur Kindererziehung soll dadurch belegt werden. Nun, das christliche Elternhaus, in dem ethische und christliche Tugendwerte den Kindern vorgelebt werden, benötigt wohl kaum solchen Schnickschnack. In mißverstandener Modernität aber, wird der Nachwuchs zu häufig im Eiltempo nur deshalb durch die Kinderstube geführt, damit klar ist, wo der PC und die Spielchen stehen, mit denen dann abgeklärte Kids stundenlang Ringelreihenersatz spielen. Was Wunder, dass sich daraus dann Pöbelnaturen entwickeln die etwas gelernt haben: Ansprüche zu stellen!
Aus psychologischer und geistlicher Funktion heraus begegnen mir seit dreißig Jahren immer wieder verbitterte Eltern, die ihre Kinder nicht mehr begreifen können. Meist verließ "das eigene Fleisch und Blut" recht früh und überstürzt das Elternhaus, um alsbald geldharte Forderungen zu stellen. Wo es früher "Küsschen" hieß, wird nun ein "Tschüsschen" hingeknallt .
Gewiß, Selbstverwirklichung und eigene Erfahrungen sind auch der Jugend Privileg. Es ist die oftmals brutale Art und Weise, wie Kinder Ihren Eltern in die Haken treten! Da wird nicht anständig um Rat oder Hilfe gebeten, sondern in beachtlicher Aufgeklärtheit was Rechte betrifft, auf Pflichten gepfiffen und die Finanzierung eines jungen, unbelasteten Lebensstils erwartet. Normalerweise gilt: "Kein Hund knurrt die Hand an, die ihn streichelt und füttert". Über einstmals leibe Söhnchen und Töchterleins, raufen sich betroffene Väter die grauwerdenden Haare,  sich eines Zorns erwehrend, und Mütter weinen fassungslos über die Feindseligkeit des Nachwuchses in die Kissen.
Jeder junge Mensch fühlt sich früher oder später von der vielleicht unbekannten und "großen Freiheit" angezogen und berufen, sie zu erschnuppern. Doch in vielen Wohnzimmern splitten sich viele Familien, in denen Halbwüchsige oder Dreiviertelerwachsene gelangweilt seitens der Eltern sitzen, die Gemüter in Gegnerschaften. Nicht gelernt hat man miteinander zu reden, miteinander anständig zu diskutieren, sich freundlich zu behandeln und Respekt zu wahren. "Ihr Kinder, seid euren Eltern gehorsam. Denn so entspricht es dem Willen Gottes. " "Ehre deinen Vater und deine Mutter!"   Eph. 6:1
Freilich gilt ebenso: "Ihr Väter, erwecket nicht das Gefühl der Erbitterung in den Herzen eurer Kinder, sondern erziehet sie so, dass ihr sie in einer Art unterweiset, wie sie den Kindern angepasst ist und ihnen die rechte Einsicht in der Lehre des Herrn vermittelt. "   Eph.6:4
Wer die Lehre des Herrn verinnerlicht und vermittelt, ist nicht nur befähigt mit Augen und Mund zu lächeln. Dann bist du ein lichttragendes Geschöpf. Deine edle, christliche Gesinnung sendet dann Signale aus, die auf geheimnisvolle Weise die Seelen anderer erreichen. Dann trifft die heilsame Macht der Nächstenliebe empfindlich die negativen Stimmungen, in denen der andere vielleicht gerade ist und Verbitterung, Enttäuschung, Wut oder Gleichgültigkeit werden aufgelöst. Dafür, so meine ich, lohnt sich jedes Lächeln, jede freundliche Geste, jedes menschenfreundliche Signal. Dein Licht durchdringt die gallige Schwärze!
Vergebung, wenn möglich auch Verständnis, hat jeder verdient, auch das selbstgefällige eigene Kind. Jesu Kreuzestod galt uns allen und sein Leid und Kampf waren mehr als Freundlichkeiten; es sind Werke, die uns erlauben unsere himmlische Heimat wieder anzustreben! Wer dies nicht sehen möchte, hat Mitleid verdient, nicht Häme und Affront. Auch die eigene Zurückhaltung ist demnach eine Freundlichkeit, wenn auch eine stille. GOTT sieht’s und Er registriert sehr
genau, ob wir übereinander oder miteinander reden
Dieser Vorsatz bringt uns Freunde - nicht nur im Diesseits! Lasst es uns also tun - Quod deus bene vertat -Was GOTT zum Guten wenden wolle. Dito.

Ihr und euer
gerhard krause