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0106

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Der eifrige Verkünder

In der Gegend um Bethlehem waren Hirten auf freiem Feld versammelt und hielten bei ihren Herden Wache. Während sie müde und  - wegen kühler Nacht -  fröstelnd um das Lagerfeuer saßen, erschien nahe bei ihnen eine Lichtgestalt. Es war ein Engel des Herrn, von wunderbarem Glanz umstrahlt. Großer Schreck durchfuhr die schlagartig wachen Hirten. Lächelnd und mit sanfter Stimme aber sprach die Lichtgestalt zu ihnen: "Seid ohne Furcht. Ich bin hier, euch und allem Volke eine Freudenbotschaft zu verkünden.
Nicht weit von hier wurde ein Kindlein geboren. Es ist der von Gott bestimmte Erlöser! Macht euch auf, dem Messias zu huldigen."
Dann erklärte der Engel den Weg zu Bethlehems Stall und während er sprach, umgaben ihn viele, ebenfalls helle Geistwesen die fröhlich lachten und sangen: "Ehre sei Gott in den höchsten Himmeln und allen Menschen guten Willens sei Frieden und Freude im Herzen."
Kurz nachdem die lichtvollen Geschöpfe nicht mehr zu sehen waren, berieten sich die erstaunten Hirten und dann beschlossen sie, eiligst nach Bethlehem zu gehen um sich von der Richtigkeit des Engelberichtes mit eigenen Augen zu überzeugen.
Der Engel vom Hirtenfelde aber, war längst unterwegs noch einen anderen Teil seiner Aufgabe als Herold zu erfüllen; sollten doch noch drei Magier, das waren fromme und angesehene Männer,  die sich aus verschiedenen Ländern auf den Weg zum Gottessohn gemacht hatten  - der Himmel hat sie die Geburt wissen lassen - empfangen und geleitet werden. Dem Engel aber kamen Bedenken was sein würde, wenn er die hohen Herren verfehlen und damit seinen Auftrag nicht erfüllen könnte. Dann wäre die Gesandtschaft im Krippenstall beim Kindlein unvollständig, was Gott gewiss nicht gefallen würde! 'Für alle Fälle' beschloss der verunsicherte Engel drei Ersatzleute auf den Weg zu schicken. Es sollten die drei ersten Menschen sein, die ihm begegnen würden.
Suchend schritt er durch die Nacht und stolperte beinahe über eine am Boden kauernde,  in wollene,  dunkle Decken eingehüllte Gestalt. "Friede sei mit dir, Freund", sprach der Engel freundlich und wollte fortsetzen, als der Mann hochsah und knurrte: "Friede? So ein Quatsch! Wo kommst du denn her, diese Welt ist nicht friedlich. Was willst du von mir?"
Sanft entgegnete der Engel: "Aber Freund, ich bin hier, dir eine Freude zu bereiten,  höre..."   Wieder wurde er unterbrochen. "Freude? Dass ich nicht lache, du willst mich wohl veralbern. Mach dich davon du komisches Wesen, sonst mache ich dir Beine!"
Überrascht von der harten Reaktion und etwas traurig darüber, lenkte der Engel ein: "Ist gut Freund. Sage mir, wie heißt du?" "Was interessiert es dich? Aber gut, ich heiße FRUST!"
Zu diesem Geschöpf muß ich euch etwas erzählen.
Dieser Mensch war in Wahrheit ein Geist der Freudlosigkeit! Mürrisch, streitlustig und besserwisserisch strich er einst durch die geistigen Sphären. Dann wollte er Einlass in die Himmel finden. Der wachhabende Torwächter zur Himmelswelt aber winkte ab und belehrte: "Die lichten Höhen sind Freudigen und Friedlichen erschlossen und nicht Frustbolzen wie dir. Kehre wieder um!"
Der Bittergeist aber bettelte: "Ich will aber unbedingt zur himmlischen Gemeinschaft gehören. Was soll ich dafür tun?"
Wie ein Donnerhall erscholl da aus größter Höhe eine Stimme: "Du sollst solange als Mensch über die Erde wandeln, bis in dir wahre Freude ist und du anderen Menschen eine Freude bist!" Gott, der da sprach, wußte freilich wie schwierig die Forderung zu erfüllen sein würde, denn lagen doch viele Schattengeister auf der Seele des Bittstellers. Der aber durchstreifte nun die Welt und als ihn unser Engel ansprach, war er soeben in Bethlehem angelangt gewesen. Bevor sich der Engel abwandte, riet er noch einmal: "Mache dich auf den Weg zu dem Stall, in dem die größte Freude auf dich wartet.  Das wäre  sehr heilsam  für dich!", sprach's, drehte sich um und sah nach anderen Menschen, denen er den Weg weisen könnte, aus.
Die sternenklare Nacht ließ eine an einem Brunnen liegende Gestalt erkennen. Es war eine vor sich hindösende Frau, die der Engel nun schüttelte. Schlaftrunken empörte sie sich: "Wer bist du, dass du mich belästigst? Lass mich gefälligst schlafen!" - "Aber ich habe eine frohe Botschaft für dich, Liebe Frau" versuchte der Engel zu erklären und musste hören: "Ach lass mich in Ruhe, das ist mir zu anstrengend. Hier bin ich, hier bleibe ich!" - "Wieso möchtest du hier bleiben und wer bist du?" wollte der Gottesbote wissen. "Ach so lange bin ich schon hier; hier gibt es Wasser, mehr brauche ich nicht. Es ist doch alles so anstrengend...mein Name ist PASSIVA"  lallte die Person und schlief wieder ein.
Da erinnerte sich der Engel daran, wen er da vor sich hatte: Ein Himmelswesen, welches sich der Untugend Faulheit hingegeben hatte und von GOTT verurteilt wurde solange auf der Erde zu sein, bis es der Faulheit überdrüssig geworden ist. "Solange wirst du unglücklich sein, denn Faulheit ist eine Untugend", sprach Gott.
Also dieser trägen Frau muß geholfen werden, entschied der Engel und redete auf sie ein: "Weib, mache dich auf die Beine und gehe hin zum Jesuskind. Seine geistige Kraft wird dich durchströmen und die Kraft wird dich beleben." Doch vergebens war der Appell und enttäuscht ging der Engel weiter durch die Nacht und nicht lange; und eine Frau bewegte sich auf ihn zu um ihn anzusprechen.
Dass Frauen Männer ansprechen, war in diesem Lande sehr unüblich, doch der Engel erhoffte sich nun jemandem begegnet zu sein, der die besondere Einladung in dieser heiligen Nacht annehmen würde.
Allen Frieden wünsche ich dir, oh Fremder" säuselte die Frau und Gier blitzte in ihren schrägen Augen auf als sie weitersprach: "Deine Gewänder sprechen von hohem Stand, welche Ehre!"
Der Engel wehrte ab: "Ach liebe Frau, ich bin nur ein kleiner Diener meines Herrn,  dessen Würde  und  Macht  unvergleichlich sind." Was er nicht wußte war, einen verkleideten Geist der Lüge vor sich zu haben, einer, der sich einst gegen Christus dem Himmelskönig gestellt und sich Luzifer zugesellt hatte! Zur Strafe hatte er durch die Welt zu streifen, um überall einen Teil seiner selbst zu begegnen, denn in beinahe jedem Menschen befindet sich Schlechtigkeit und so ist die Lüge weit verbreitet! Dieser Geist konnte in seiner Verblendung nicht mehr die Wahrheit von der Lüge unterscheiden und hatte Lust daran, Unwahrheiten zu verbreiten!
Der Engel spürte den schlimmen Zustand des Geschöpfes und war froh helfen zu können: "Gehe hin zum Heiland, der uns geboren ist in Bethlehem und sein Licht wird dich reinigen!" - "Mag ja sein", sprach der Dunkelgeist und weiter: "Gehe du doch mit mir, denn mit mir kannst du auch Freude haben" und nach einer Pause log er: "Der Heiland ist geboren, sagst du? Ja den kenne ich, so wie ich viele kenne, die sich Retter nennen. Gehe du schon mal vor, ich werde dir schon folgen."  Auch dieser dritte Versuch war gescheitert und sich abwendent rief der Engel der Frau noch zu: "Du kannst der Lügennacht entgehen, wenn du dich dem Licht dieser Welt zuwendest  - wende dich zum Guten!"  - "Ja, ja, ich weiß" log die Frau und suchte weiter nach Menschen sie zu belügen. Ihr Name war FREVEL.
Die Begegnungen der Nacht widerlegten des Engels Plan und er war nun zu der Erkenntnis gekommen, dass es besser sei sich selber hin zum Christuskind zu begeben. Die anstrengenden Gespräche hatten ihn ermüdet und während einer kleinen Rast schlief er ein. Obwohl bereits der Morgen graute, war er rechtzeitig aufgewacht um noch den Stern von Bethlehem erkennen zu können und dieser wies ihm nun den restlichen Weg zum Krippenkind. Tief und demütig verbeugte er sich vor dem Kindlein, welches ihm zulächelte. Inzwischen waren allerlei Menschen im und um den Stall versammelt und der Engel konnte auch jene Wesen erkennen, die vom Himmel herabgestiegen waren um dem Herrn zu huldigen. Aber auch dunkle Geistwesen bevölkerten die Schatten und scheu und unsicher wagten sie kaum aufzusehen. Doch dieses Ereignis der Menschwerdung Christi hatte sich im Dies- und Jenseits überall herumgesprochen! Und da  - dem Engel stockte schier der Atem, entdeckte er drei Wesen, die er sofort wiedererkannte und deren Namen er ausrief: "Frust, Frevel, Passiva!"  Weil die Drei sich beschämt gerade abwenden wollten, ging der Engel freundlich auf sie zu, umarmte sie und mit leichtem Nachdruck führte er sie zur Krippe. Die leichte Handbewegung des Jesuskindes war kaum auszumachen und doch fielen in dem Moment die schmutzigen Gewänder der Niedergeister wie Schatten von ihnen ab und was bis soeben völlig  unansehnlich  und  unordentlich  war,  zeigte  sich  nun ordentlich und wesentlich ansehnlicher über Kleider, die zwar nicht lichtvoll, aber von hellgrauer Tönung waren. Da lachte das Kindlein im Stroh mit einer Liebe und Reife, wie es keiner der Anwesenden  - auch nicht die drei Magier, die eben doch den Weg gefunden hatten -  je zuvor gesehen hatte und allen war danach, ein gemeinsames "Halleluja!" auszurufen. Es war wunderbar, wie dieser Lobpreis hin zu Gott auch die niederen Besucher, die ihn mit ausriefen,  veränderte:  FRUST zeigte so etwas wie Unbeschwertheit, wenngleich er die Fröhlichkeit noch zu üben hatte.
Auch mit PASSIVA war eine große Veränderung vor sich gegangen und sie wieselte emsig durch den Stall, zupfte da eine Decke zurecht, ordnete die Geschenke der Besucher, fegte den Platz vor Maria und Josef und war freudig bemüht, sich nützlich einzugeben. Dabei strahlte die Frau über's ganze Gesicht und alle Trägheit war wie weggewischt! Der ehemalige Lügengeist, FREVEL, aber hatte sich noch gleichennachts davongeschlichen, um überall die Frohe Botschaft zu verkünden! Ihm war ein Licht aufgegangen und sein Gesicht, das vorher schmallippig und listig anzusehen war, hatte sich zu einem offenen, vertrauenserweckenden Antlitz verändert. Die Wahrheit zu verkünden, das war zum Lebensinhalt dieses Geistes, dessen Erdendasein beendet sein würde um den Einlass in lichtere Höhen gewährt zu bekommen, geworden .
Unserem Engel, der aus falsch verstandenem Eifer eigene Wege beschritten hatte, wurden diese schönen Entwicklungen zu seiner Freude aufgezeigt und er war ein klein wenig stolz auf die Idee gekommen zu sein, drei Extragäste in den Stall Bethlehems einzuladen. Dennoch konnte und wollte er nicht der himmlischen Mahnung entfleuchen, in Zukunft als Bote Gottes, Aufträge exakt auszuführen und dies versprach er denn auch hoch und heilig.

FROHE WEIHNACHTEN Euch und Ihnen allen

gerhard krause