kirche_head2

Frankreich:

"CHRISTBÄUME" sind nur im Norden Frankreichs üblich, sie passen nicht zur südlichen Mittelmeergegend. Die Einkaufscentren und Ladengeschäfte übertreiben wie bei uns mit Schmuck und   künstlicher   Weihnachtsstimmung . Auch wenn die Radiosender ununterbrochen die Melodie: "Il est né, de divin enfant" (Das heilige Kind ist geboren) hören lassen, mokieren sich viele Sendungen über die eindeutige Kommerzialisierung     des Christfestes. Kinder lassen den religiösen Gedanken meist vermissen, denn der Religionsunterricht   in   den Schulen ist verpönt und wird insgesamt nur noch von etwa 2 Millionen Kindern beansprucht.
"Heiligabend" ist das gute Restaurantessen wichtiger als die Christmette.
Um Mitternacht ist's wie bei uns Sylvester: Jubel, Umarmungen, Stimmung; es beginnt "le reveillon de Noel": Zapfenstreich!
Decken und Wände sind geschmückt und den Kindern werden Geschenke  nachts ans Bett gelegt.
“Joyeux Noel! Bonne sante!”
FROHE WEIHHACHTEN. PROST.

 

Italien:

Die Bischöfe Roms achten schon darauf, dass ihre vielen  Kirchen  gefüllt sind. Das Fest des "Signore",  die  Geburt  des Herrn,   braucht   über Zulauf nicht zu klagen.
Wenn auf dem Platz vor dem   St.Petersdom   zu Weihnachten  wieder  mal der Nachbau einer palästinensischen Elendshütte mit viel Glühbirnen und Drumherum aufgebaut wird, ist das nicht jedermans Geschmack! Viele vertreibt der Kitsch einer   puppenbestückten Krippe,  daneben  Maria und Josef in Echtgroße. Ein Netz sorgt zusätzlich  für  Belustigung, ohne dass es der Vatikan je bemerken wollte.  Dafür    ermuntert    ein Schild,  Geld durch das Netz zu werfen...
Geld schätzen auch Hirten  aus  den  Abruzzen, die sich biblisch geben und in Rom gegen Entgelt flöten  - "Auguri!" bedanken sie sich. Der dazwischen genossene Alkohol  macht  das  Spiel lustig  und  dass  Leute beschimpft  werden,  die nichts geben. Wie bei uns:  Einkaufsrummel,  Hektik,  nervös werden      unbezahlbare Pakete geschleppt. Und: Fernsehen gehört dazu!

Kalifornien, USA:

So vielseitig wie das Land, so vielseitig die Bräuche. Schwarze Musik: Spirituals da, Klamauk dort. Besinnlichkeit und Spinnerei, ganz wie's beliebt.
Einig ist man sich am 25.Dezember, wenn man sich “Merry Christmas” allerorten  zuruft. Die Juden freilich nicht, die wünschen: "Happy Chanukka" oder jüdisch “Gut Jomtof”. Rationelle Kunststoff-Tannen und Firlefanz a la Hollywood.
"Father Xmas",    wie der    Weihnachtsmann genannt wird, gehört ins Stadtbild, in die Kaufhauser und grellgeschmückten Stuben, wie das Osterei zum Hasen.   Die   "Weihnachtsmann- Corporation" achtet auf Tarifbezahlung und dass der Rubel, eh Dollar, rollt!
Viele Sekten mit eigenen Weihnachtsvorstellungen    beleben den Markt und innerhalb der Kirchengemeinden   freut   man sich schon deshalb, weil    Kindergärten, Jugend-   und   Beratungscentren      und Altersheime preisinclusive sind.

 

Marokko:

Französische Weihnachtslieder plärren sowohl in Agadir, als auch in Tangiers aus den Radlos. Frankreich lässt grüßen!
Devisen sind kostbar und erweichen manches muselmannische Herz und da der Koran gleich Moses und Jesus als Vorfahren des Propheten Mohammed ausweist,   ist   gegen weihnachtliches Entgegenkommen unter     Orangen nichts zu sagen.  Das clevere   'Buereau   für Tourismus'   sorgt   für eine Tanne vor dem X- Sterne-Hotel und künstlicher   Schnee   macht Laune.
Couscous in überfüllten Bars verträgt sich mit dem Ruf des Muezzin und mancher   Christenmensch mag heimlich sein Nachtgebet sprechen, wie zu Hause, oder?
"Lachrima Christi", die Tränen Christi ist zwar ein algerischer Wein, aber auch ein Todesurteil für sensible Mägen!
Die Gunst der Stunde nutzend,       verteilen christlich   gesponserte Missionen auf den Strassen Brot an Bettler. Das gefallt den "Gläubigen" nicht so sehr und sie schmollen sich zum Fest des Ramadan zusammen.

 

Moskau:

Die russisch-orthodoxe Kristkirche mit ihrem Doppelkreuz, feiern an anderen  Kalendertagen die     Geburt     des gleichen Herrn.
Ansonsten die beliebte schwermütige russische Seele,  eingeleibt  in den typischen    Pope: Messgewänder    schwer und alt,  oft pelzbesetzt,      verwegener schwarzer   Bart   mit altersgrauen    Würde Zeichen    durchsetzt, Kerzen  in  der  Hand, die unablässig vom begeisterten und seligen Gemeindevolk    geküßt werden. Das echtsilberne  Kreuz  um  den Hals imponiert   tüchtig und war versteckt, als   der   Kirchgang staatlich     geächtet war.
Jetzt, zu Weihnachten, lockt die Basilika mit ihren   herrlichbunten Zwiebeltürmen und Nebentürmchen  die  Menschen  an  und  brav stapfen sie durch den Schnee, der den roten Platz weiß macht. Improvisiertes     Essen wird groß geschrieben: Alles  was  schmeckt.
Wodka? "Da!" Über 30 Grad Minus - es ist entschuldigt.      Und Friede durchzieht alle Träume...

 

Stille Nacht vor 50 Jahren

Wenn uns Kindern die Tage nicht kurz genug sein konnten und wir vor großer Ungeduld zu zappeln begannen, dann war Vorweihnachtszeit und Gott sei Dank nicht mehr lange hin zum “heiligen Abend”. Nie war ein Weihnachtsfest im Familienkreis wie das andere. Denn mit fünf erlebst du anders als mit neun und mit sieben Lenzen anders als mit zwölf.
der 24. Dezember war der ersehnte Tag und meine Vorbereitungen endlich abgeschlossen: das in der Schule gebastelte “Strohmannerl” für Mutti und die Flasche bayrisches Bier für den Papa. Für den konnte es auch schon mal eine Brotzeit sein, denn davon fiel dann meistens auch etwas für mich ab. Das aber wurde von der Anzahl der erbettelten “Zehnerln”, welche ihm abzubetteln mir gelungen ist bestimmt. Ich hielt diese Kapitalverschiebung für eine Pfundsidee, war doch das Taschengeld erbärmlich knapp. Sämtliche Bedenken waren dann sowieso spätestens am Spätnachmittag des “Heiligabend”, wenn uns fünf mächtige Schläge der Kirchturmuhr nach Hause trieben, vergessen. Dann saßen wir zitternd vor Aufregung, ähnlich wie der Spitz vom Nachbarn, wie die Orgelpfeifen auf dem Küchensofa: meine zwei älteren Schwestern und ich. Nur Muttis gekonnt geheimnisvolles Lächeln beruhigte uns, dass Weihnachten absolut kein Grund zum fürchten ist. Wenn sie, die wohl ein besonderes Verhältnis zum Christkindl haben musste, wieder mal schwupps ins angrenzende Wohnzimmer, das uns gleichzeitig als Schlaf- Ess- und Kinderzimmer diente, witschte, konnte es uns mit aufgerissenen Kinderaugen für einen seligen Moment lang gelingen, den wunderbaren Christbaum zu erblicken. Mir entging nicht, wie akkurat wohl jedes einzelne Lamettafädchen auf die schon trockenen, grünen Tannenzweige gelegt worden war.
Ganz brav und still geworden, warteten wir Kinder nun, bis uns der liebliche Ton eines hellklingenden Glöckchens erlaubte, das frisch gebohnerte und mollig warme Zimmer zu betreten. Endlich! Dabei hatten uns schon die ganze Zeit vorher die knarrenden Dielenbretter genau verraten, wo das Christkindl gerade zugange war!
Nun war es soweit und recht andächtig bildeten wir mit unseren Eltern einen Halbkreis um den Tannenbaum, der wieder mal ein bisserl verwachsen wirkte. Der Schein brennender Kerzen aber und viele silbern schimmernde Glaskugeln, machten ihn zum schönsten Baum der Welt, keine Frage. Wie in eine andere Sphäre eingetaucht hoben wir an unser obligatorisches Weihnachtslied zu singen und vom immer etwas aufmüpfig  vor sich hinbullernden Ölofen in der Ecke begleitet, erscholl alsdann das “Stille Nacht, Heilige Nacht”. Zwischendurch huschten meine neugierigen Augen über den bereits eingedeckten Tisch und suchten die heißen Würsteln und den guten Kartoffelsalat, den es gleich geben würde. Dererlei verfressene Gedanken taten aber der heiligen Stimmung keinen Abbruch, ich schwör’s, und sogar der auf seiner Rückseite tapezierte und dadurch als Raumteiler missbrauchte Kleiderschrank im Zimmer, erschien mir heute seltsam ansehnlich. Dann kam, wie übrigens auch in den Jahren davor erlebt, diese verflixte Stelle in dem Liedlein, die meine Schwester Christel immer dazu verleitete, einen aufjaulenden, schon arg anschwellenden ausgiebig hochzuziehen: “Christ der Retter ist (und jetzt kommt’s!) daaaa”. Meiner Schwerster Frohgesang gellte in unseren Ohren und schlagartig war’s aus mit der Besinnlichkeit! Die aus Ergriffenheit fließenden Tränen meiner Eltern, wurden zu Lachtränen, zumal meine Schwester es nicht unterließ, sich beim höchsten Ton auf die Zehenspitzen zu stellen. Wer konnte da noch ernst bleiben? Die deutsche Wehmut war der offenen Heiterkeit nicht gewachsen und alle waren heilfroh sich endlich in die Arme nehmen zu können und sich ein “rohes Weihnachten!” anbieten zu können. Mit dem für diesen Augenblick aufgesparten Jubelschrei, stürzte ich mich auf die schlichte Eisenbahn, die mir bereits vom letzten Weihnachten und vom vorletzten und... bestens vertraut war. Sofort begann ich wieder den kleinen Rundlauf der Bahn auf den Schienen zu bewundern, denn in wenigen Tagen würde das sparsame Christkindl dieses herrliche Geschenk wieder abholden, um es erneut in die unergründliche himmlischen Lagerbestände einzusortieren; so jedenfalls meine Erfahrung.
Die liebevoll in Geschenkpapier eingewickelten Überraschungen waren allzu schnell ausgepackt. Auch wenns nur handgestrickte graue Wollsocken und Fäustlinge, welche unsere klammen Fingerchen beim Schlittenfahren vergeblich zu wärmen versuchen würden, oder gar nur bunte Pullover, zusammengestrickt aus der aufgewickelten Wolle zu klein gewordener Sachen, waren, so machten wir doch einen hochzufriedenen Eindruck. Weil die Leckereien auf dem Weihnachtsteller: Äpfel, Walnüsse und ein, zwei Orangen hurtiputz verdrückt wurden, förderte das den Unmut der Mutter und sie rettete gerade noch einige der köstlichen und selbstgebackenen Weihnachtsplätzchen, “Spritzgebäck” genannt. Hatte sie doch manche Abendstunde zu deren Herstellung geopfert!
Es kam vor , dass sich unsere Berliner Oma es sich nicht nehmen ließ uns vielleicht ärmeren, bayrischen Verwandten ein Postpäckchen zukommen zu lassen. Da sie bei ihren seltenen Besuchen stets heftig mit allerlei Schmuck behängt war, hielten wir  Kinder sie für reich! Das verheissungsvoll unter dem Weihnachtsbaum liegende Päckchen, durfte dann ergründet werden.Wenn jeder eine Tafel Schokolade in Händen hielt und ich auch noch ein Buch mit der kurzherzigen Widmung: “Für Gerhard, von Omi” in Besitz nehmen durfte, war das Glück vollkommen. Dieses Buch würde es sich  nun gefallen lassen müssen, vor und zurück und wieder vielmals von vorne gelesen zu werden. War doch jedes Buch eine neue Welt, in die es sich lohnte, mit ganzer Seele und Phantasie einzutauchen und zwar vorbehaltlos, und in voller Absicht mich dabei von den Erzählungen aus meinem kleinen Städtchen in spannende Abenteuer treiben zu lassen.
gestritten haben wir Geschwister uns nie, an Weihnachten. Dazu war uns einfach zu wohl ums Herz und schließlich gabs ja noch das Jesuskindl, das wir nicht nur im Herzen, sondern auch im Kopf hatten. Ob es gelungen ist, solches Weihnachtsgefühl im späteren Leben wieder zu finden? Ich glaub ich weiß es nicht....
FROHE WEIHNACHT’, lieber Mensch